Witz #2

Als ich letztens ein paar kosmetische Änderungen an der Seitenleiste hier im Blog vorgenommen habe, ist mein Blick auf das Kategorie-Widget gefallen. Bei dessen Studium habe ich festgestellt, dass die schon vor einiger Zeit vergebene Kategorie „Witze“ bisher nur für einen Beitrag verwendet wurde. Was also tun?

Nüchtern betrachtet gibt es neben der allseits beliebten prokrastinatorischen Lösung des absoluten Nichtstuns nur die Möglichkeit, die Kategorie entweder wegen Belanglosigkeit aufzulösen oder in den sauren Apfel zu beißen und einen „Witze“-relevanten Beitrag zu schreiben.

Ich habe mich dann spontan für einen Beitrag entschieden. Das hieß aber, die eigene Erinnerung nach einem Favoriten zu durchforsten. Einfach einen auf per Suchmaschine rauszusuchen, wäre nämlich arg billig.

Und was soll ich sagen, einer ist mir doch tatsächlich wieder eingefallen. Ein Witz, den ich im Lauf der letzten sagen wir mal 20 Jahre schon das eine oder andere Mal zum Besten gegeben habe. Manchmal sogar, um einen Standpunkt zu verdeutlichen.

Bei meiner Recherche stellte sich heraus, dass er in unzähligen Varianten erzählt wird. Ich will versuchen, ihn aus meiner Erinnerung zusammen zu bekommen und hie und da wortreich auszuschmücken. Künstlerische Freiheit rulez.😉

Ein hingeschiedener Atheist findet sich unversehends in der Hölle wieder. Der Anblick von grünen Wiesen und blauem Himmel erinnert ihn stark an das bekannte Bliss Hintergrundbild seines geliebten Windows XP Betriebssystems.

Es ist warm, die Vögel zwitschern und es weht eine angenehme Brise. Menschen liegen entspannt in der Sonne oder unterhalten sich angeregt in kleinen Gruppen.

Über den Grashügel nähert sich eine hochgewachsene Gestalt. Rote Haut, Hörner, Pferdefuss, … Der abgedroschenen Aufmachung nach kann es sich nur um den Teufel halten.

😈 „Willkommen in der Hölle, mein Freund.“

Der Atheist blickt sich überrascht und ungläubig um.

👨 „Ganz ehrlich – ich habe mir diesen Ort ganz anders vorgestellt. Richtig kuschelig hier.“

😈 „So geht es eigentlich den meisten Neuankömmlingen. Lass mich dich ein bisschen herumführen und allen vorstellen.“

Einige geschüttelte Hände und etliche Minuten Fußweg später kommen die beiden an einer Holzhütte vorbei. Durch die Wände dringen Schreie erfüllt von Qual, Schmerzen und Verzweiflung.

👨 Ich bin neugierig. Hier ist es überall so friedlich. Nur diese seltsame Holzhütte stört ein bisschen die Idylle.  Wer oder was ist denn da drin?“

😈 „Ach, die Hütte. Nun ja, das sind die Katholiken. Die wollen es nicht anders.“

Zugegeben etwas alt der Witz. Positiv zu erwähnen ist allerdings, dass meines Wissens nach noch kein Protestant oder Atheist wegen dieses Witzes geköpft wurde. Jemand mit Zugang zu den vatikanischen Archiven möge mich gerne eines Besseren belehren.😉

Britische Mohnblume

Hat sich der eine oder andere von euch schon mal gewundert, warum britische Prominenz jeder Klasse (A-Promi, B-Promi, …) in unzähligen YouTube-Videos immer so seltsamen rot-schwarzen Modeschmuck am Revers oder der Kleidung trägt?

Mohnblume Remembrance Day

Mir ist das Phänomen in den letzten Jahren so oft aufgefallen ist, dass ich meine aufgestellte Schmuck-Hypothese ernsthaft anzuzweifeln begann. Das gehäufte Auftreten konnte einfach kein Zufall mehr sein. Also mal ernsthaft und seriös recherchiert – was heutzutage wohl googlen meint – und was stellt sich heraus?

Bei dem mysteriösen Gebilde handelt es sich um eine stilisierte Mohnblume.

Unsere austrittsfreudigen britischen Freunde gedenken damit jedes Jahr am 11. November der gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg (Anm. mittlerweile auch der des 2. Weltkriegs) am sogenannten „Remembrance Day“ (auch „Poppy Day“ oder „Armistice Day“). Das Datum geht auf den Waffenstillstand von Compiègne zurück, in dem das Ende aller Kriegshandlungen am „Elften Tag des elften Monats um elf Uhr“ festgeschrieben wurde.

Die Mohnblume (Remembrance Poppy) geht dabei auf das berühmte Gedicht „In Flanders Fields“ von John McCrae zurück, in dem

… der rot blühende Klatschmohn an das vergossene Blut der Gefallenen erinnert und dennoch die Hoffnung nährt, dass das Leben weitergeht.

„Mister Duncan“ erklärt das ganze für alle Interessierten nochmal hübsch und in leicht verständlichem Englisch in seinem YouTube-Video.🙂

Fällt euch bei der Gelegenheit ein, was wir in unseren Gefilden am 11. November so kurz nach elf Uhr feiern, während auf der Insel die Toten betrauert werden? Ob das zu unserem Ruf der „ugly germans“ beigetragen hat?😉

Sei es wie es mag – wieder mal was gelernt.

Zum Abschluß hier noch ein kleines Bonbon in Form eines Beitrags des oft in meinem Blog erwähnte Comedians Henning Wehn. Auch er hat das Thema „Remembrance Day“ in einem seiner TV-Auftritte verarbeitet.😀

Meine Mühn mi’m Akronym

Trotz einer gewissen Internetaffiniät habe ich auch heute noch enorme Schwierigkeiten mit einer Vielzahl der netztypischen Akronyme, die Leute gerne in ihren Chat-/WhatsApp-/Slack-Sitzungen verwenden. Mit ein Grund, wieso die Website Acronymfinder einen festen Platz in der Lesezeichenleiste meines Browsers hat.

Da ich einen Großteil der Kürzel nicht aktiv nutze, vergesse ich recht schnell wieder wofür sie stehen und muss deshalb jedes mal aufs Neue nachschlagen. Am frustrierendsten ist aber das Déjà-vu, wenn man einen Eintrag bereits zum x-ten Mal nachgeschlagen hat, aber dies erst dann merkt, wenn man das Suchergebnis wieder vor Augen hat.

Usericon mit Sprechblase FML

Vorgestern hatte ich zum ersten Mal den entgegengesetzten Fall. Ich habe ein Chatlog gelesen und bin unvermittelt auf die Abkürzung LMAO gestoßen. Statt der üblichen Verwirrung hätte ich als süddeutscher Nordbayer in dem Moment Stein und Bein geschworen, es steht für das in unserem Kulturkreis oft bemühte „Leckst mi am Oasch“.

Gemäß der lesenswerten Wikipedia-Seite sprechen wir hier vom sogenannten Schwäbischen Gruß. Wer hätte gedacht, dass das auf einen alten Nacktheits- und Abwehrzauber zurückgeht. 😂

Da LMAO im Original für „Laughing my ass off“ steht – also in etwa „Ich lach mit tot“ – das „Leck mich am Arsch“ aber gemäß Thaddäus Trolls Auslegung und meinem Verständnis eher für einen Ausdruck der Überraschung steht, war ich erneut verwirrt.

Werde wohl demnächst damit anfangen, mich lauthals über die unverständliche Jugend zu beschweren und von besseren Zeiten zu schwärmen. Wer könnte es mir in den Zeiten der Prä-Trump-Präsidentschaft schon verübeln. Scheint mir jedenfalls ein Bonus zu meinen mittlerweile üppig wachsenden Nasenhaaren zu sein, die mich immer öfter in der Nase kitzeln und mich damit in den Wahnsinn treiben.

Wieso wählt die USA Dienstags?

Wie viele von euch wissen, wählen unsere amerikanischen Freunde just heute ihren nächsten Präsidenten. Dieser heißt entweder Hillary Clinton oder Donald Trump, wenn man mal die chancenlosen, unabhängigen Kandidaten außen vor lässt.

Nachdem ich den „Brexit“ für ziemlich unwahrscheinlich gehalten habe und eines Besseren belehrt wurde, rechne ich dieses Mal fest mit einem Präsidenten Donald Trump.😉

Ansteck-Button mit der Aufschrift „Vote“

Er wäre gut in einer Runde mit Frauke Petry, Marine Le Pen, Geert Wilders, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan aufgehoben. Man kann dem Zeitgeist des Isolationismus förmlich bei der Arbeit zusehen.

Darum soll es aber gar nicht gehen. Viel mehr interessiert mich, ob sich einer von euch schon gewundert hat, wieso in den USA ausgerechnet an diesem Dienstag gewählt wird? Macht doch auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn.

Es stellt sich heraus, dass das auf ein uraltes Gesetz aus dem Jahr 1845 zurückgeht.

Da sich seinerzeit die Abhaltung einer Wahl am Sonntag wegen der Heiligkeit des Sabbat verbat, war der nächstmögliche Termin eigentlich der Montag. Das vorherrschende Verkehrsmittel war damals allerdings Pferd und Pferdewagen. Eine Anreise damit zum Verwaltungssitz/Wahllokal nahm einige Zeit in Anspruch, weshalb man schließlich den Dienstag als nächstmöglichen Tag festschrieb. Mittwoch schied übrigens auch aus, weil das üblicherweise der Markttag war.

Nur aus diesem Grund wird auch heute noch in den USA am Dienstag nach dem ersten Montag im November die Wahl abgehalten.

Soweit ich das recherchieren konnte, gibt es bereits seit 1997 Bestrebungen, dies zu ändern  („Weekend Voting Act“), aber bisher ist das offenbar irgendwo versandet oder eine Änderung nicht erwünscht. Kenne mich in der amerikanischen Legislatur nicht gut genug aus.

Wenn da mal nicht ein „haben wir schon immer so gemacht“ zwischen den Zeilen mitschwingt. Oder wie gerne von mir von „Hamish Campbell“ aus Braveheart zitiert:

… die können sich nicht über die Farbe von Scheiße einigen!“

Für die des Englischen kundigen unter euch findet sich das ganze nochmal hübsch zusammengefasst in dem Beitrag aus der Kategorie „How is THIS still a thing“ aus der Sendung Last Week Tonight mit John Oliver.

Epischer Saxofon-Kerl

Mir ist letztens aufgefallen, dass ich im Gegensatz zu vielen der Blogs in meinem Reader eigentlich noch nie einen der Songs gepostet habe, den ich gerade höre. Warum also nicht?

Musikalisch bin ich zwar schwerpunktmäßig im 80er-Jahre Pop hängen geblieben, aber darauf reduzieren lassen würde ich mich dennoch nicht. Wenn ich meine historisch gewachsene MP3-Sammlung so durchstöbere, geht es eigentlich kreuz und quer durch alle Genres.

Bei dem Song, auf den ich kürzlich wegen eines albernen Memes in Form eines .gif-Bildes gestoßen bin, handelt es sich um einen Remix des „Epic Sax Guy“. Dieser war Teil des moldawischen Beitrags zum Eurovision Song Contest 2010 der Gruppe „SunStroke Project & Olia Tira“ mit dem Song Run Away.

Da bin ich angesichts des Jahres 2010 wohl wieder mal „extremly late to the party“ 😉

Wie immer bei solchen Fundstücken läuft der Song bei mir zur Zeit stundenlang – mancher würde sagen bis zum Erbrechen – in einer Schleife in meinem Kopfhörer. Keine Ahnung, wieso ich so gestrickt bin, aber nur so kriege ich den wieder aus dem Kopf bzw. breche seinen Fluch. *haha*

Was für eine Erleichterung. Viel länger hatte ich Recognizer aus dem TRON Legacy Soundtrack nämlich nicht mehr hören können. 😂

Se Brits and se Germans

Zwei Figuren reden über DeutschlandHeute gibt es mangels Ideen nicht wie sonst üblich eine Leseempfehlung, sondern eine waschechte Anseh-Empfehlung.😀

Bei meinen üblichen „Germany“-Streifzügen durch YouTube bin ich vor einiger Zeit schon auf die sechsteilige ARD-Alpha Dokumentation mit dem Titel „Best of Enemies – Die Briten und die Deutschen“ gestoßen.

Mary-Ann Ochota begibt sich darin auf eine Reise/ein Abenteuer durch ihre Heimat und ergründet, was Briten heutzutage über uns Deutsche denken. Da die Serie vor dem Brexit gedreht wurde, sind einige der Dialoge je nachdem wie ihr zum Brexit steht jetzt ungewollt komisch oder eben tragisch.

Man nehme beispielsweise den Kommentar von Tom Burke zum Themenkomplex „Zukunft der Energie“:

Die Kombination von London als Finanzhauptstadt und Deutschland mit großen Produktionsstätten wie Berlin oder Frankfurt ist wirklich eine gute Kombination. …

Wenn den Briten bis Weihnachten nicht einfällt, wie sie sich das EU-Passporting für ihre Finanzindustrie sichern können, wollen die in London ansässigen Banken schließlich peu à peu auf das Festland umziehen. Das wäre es dann mit der Finanzhauptstadt.

Apropos, weil es gerade so gut passt – angesprochen auf den „Brexit-Vote“ hat der hier im Blog schon öfter erwähnte deutsche StandUp-Comedian Henning Wehn in der britischen TV-Show „8 Out of 10 Cats Does Countdown“ folgendes gesagt:

Well, you have to take the rough with the smooth and there is upsides to living in an attic. So it’s all very peaceful. Might even get a book out of it.

Einfach köstlich. 😂

Ich kann die Serie wirklich empfehlen. Voller interessanter Fakten und Einsichten. Hättet ihr zum Beispiel gewußt, dass Joseph Goebbels ein großer Bewunderer der englischen Propaganda war und diese als Lehrmaterial mit ins eigene Ministerium gebracht hat?

Zum Abschluss hier für den erleichterten Konsum noch eine klickbare Liste der einzelnen Episoden. Für einige Zusatzfakten lohnt sich dennoch ein Blick auf die schön gemachte und oben bereits verlinkte Homepage.

P.S. Kennt jemand von euch die Melodie bzw. den Song, der zu Beginn und am Ende jeder Episode gespielt wird? Konnte das leider nicht ermitteln.

O₂ Free – Musik braucht Mann

Da ich an „sexistischen“ Werbespots momentan einen Narren fresse, will ich mal den zur Zeit versendeten O₂ Free Spot erwähnen.

Zunächst mal verstehe ich das Konzept nicht, dass wir uns allem Anschein nach kilometerweit unter Wasser im New York Central Park befinden, in dem ungeachtet der, verglichen mit Luft sehr viel höheren Dichte von Wasser, ein Vogel durchs Bild fliegt.

Will O₂ uns auf eine Zukunft vorbereiten, in der die Polkappen geschmolzen sind und das direkt am Atlantik gelegene New York besonders stark betroffen ist? #KlimawandelRulez #Waterworld

Wenn ich den Claim „Wenn anderen die Luft ausgeht …“ höre, wäre mein erster Gedanke jedenfalls nicht eine überschwemmte Großstadt. Mir würde spontan wohl eher der Autopilot aus dem Film „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ in den Sinn kommen. Das zum Thema Sexismus.😉

Aber genug von den Nebensächlichkeiten. Viel interessanter ist die Tatsache, dass die junge Frau auf der Parkbank in Sachen Musikgenuss immer auf einen männlichen Gegenpart angewiesen ist. Wieso wird ihr hier kein eigenes Smartphone zugestanden? Wieso muss sie sich von männlichen Parkbesuchern „aushalten“ lassen? Haben wir es hier mit einer neuen Form der Landstreicherei oder Musikprostitution zu tun?

Eine Frau ohne eigenes Smartphone spiegelt überhaupt nicht meine Lebenserfahrung wider. Deswegen finde ich den Anblick zwar nicht direkt verstörend, aber ein „Geschmäckle“ hat er für meine Begriffe schon. Heutzutage führt doch wirklich jede Person ungeachtet des Geschlechts das eigene Smartphone spazieren und kapselt sich per Kopfhörer von der Umwelt ab. So erlebt in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Damit aber noch nicht genug. Es stellt sich natürlich die Frage, ob der bedauernswerte Protagonist, der sein Datenvolumen aufgebraucht hat, in einer wie auch immer gearteten Beziehung zu der Frau steht. Das Bild der beiden auf der Parkbank vermittelt mir zumindest den Eindruck. Falls das so ist, wirft der Spot auch hier kein gutes Licht auf die Charaktere.

Da hätten wir auf der einen Seite die promiskuitive Musikliebhaberin, die sich den Nächstbesten schnappt, wenn der eigene Partner mangels Datenvolumen oder Guthaben ausfällt und auf der anderen Seite den entschwebenden Mann, der das Feld einem Datenvolumen-potenteren Widersacher überlassen muss, weil er das stereotype Rollenbild des Ernährers nicht ausfüllt.

Zugegeben, die Sache ist etwas an den Haaren herbeigezogen, aber so empfinde ich eben, wenn ich den Spot sehe. Beziehungsweise, es ärgert mich, dass hier wie schon so oft niemand protestiert, wenn ein weiteres Exemplar von „trotteligem Mann“ ganz unverhohlen durch ein Anderes ausgetauscht wird, nur weil sich dieser entweder finanziell nicht in der Lage sieht oder prinzipiell weigert die überhöhten Datentarife eines Mobilfunkproviders zu zahlen.

Vermutlich sind es gerade die Mobilfunkbetreiber, die hinter den Kulissen am stärksten gegen frei zugängliche WLAN Hotspots und für die Störerhaftung lobbyieren. Sollte die Politik es jemals schaffen, dieses Problem zur allgemeinen Zufriedenheit zu lösen, könnten alle Beteiligten zu fairen Preisen die Musik ihrer Wahl hören und niemand müsste wegen fehlendem Datenvolumens entschweben.