Jason Lanier zu Social Media

Nachdem mich bisher niemand meiner Leser auf Knien angefleht hat, mit Beiträgen zur Social-Media-Kritik aufzuhören, folgt hier aufgrund der sich bietenden Gelegenheit ein weiteres, kürzlich entdecktes Bonbon. 😀

Im Rahmen der Promo-Tour zu seinem neuen Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ tritt Jaron Lanier — seines Zeichens VR-Pionier — zur Zeit in allerlei Talk Shows auf.

Gesehen habe ich eigentlich seinen Auftritt bei Christiane Amanpour auf CNN, aber das Interview für Channel 4 News ist in meinen Augen noch ausführlicher und erhellender.

Interessant fand ich vor allem die Ausführungen zu den auf den Plattformen (Google, Facebook, Twitter, …) herrschenden Algorithmen und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

Überraschenderweise hält Herr Lanier den US-Präsidenten für eines der bekanntesten Opfer, da er ihm aufgrund dessen exzessiver Twitter-Nutzung im Vergleich mit früheren persönlichen Begegnungen eine massive, ‚Social Media‘-typische Änderung seines Charakters attestiert.

Zu erwähnen wäre wohl auch noch, das Herr Lanier ‚Social Media‘ nicht per se verteufelt, sondern die These vertritt, man könnte die positiven Aspekte nutzen und müsste nur das dahinter stehende Geschäftsmodell ändern.

Weg von der Werbefinanzierung/Kaufentscheidungsmanipulation/Profilerstellung hin zu einem bezahlten Dienst wie Netflix.

Alles in allem ein wirklich sehenswerter Beitrag.

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Zeittöter – MonkeyHappy.com

feature-icon-gamesErschreckt musste ich kürzlich feststellen, dass ich meine lockere Reihe über zeittötende Browserspiele seit über eineinhalb Jahren sträflich vernachlässigt habe.

Angesicht der immer noch erdrückend heißen Temperaturen – abgesehen von den kurzen mit versicherungsschädlichen Spontangewittern einhergehenden Abkühlungen – passt diese „leichte Kost“ dementsprechend gut in den aktuellen geistigen Ernährungsplan. 😉

Ein bisher unerwähntes Spielgenre in dieser Reihe sind die Point-and-Click Adventures. Spiele, in denen man in guter Abenteurermanier per Mausklick Gegenstände in sein Inventar zusammen klickt und diese miteinander oder der Spielszene kombiniert. Garniert mit ein paar Logik- und Denkrätseln et voilà hat man ein Point-and-Click Adventure.

Meine Lieblingsanlaufstelle für diese Art Zeitannihilation, um die es in diesem Beitrag gehen soll, ist MonkeyHappy.com

Games-Monkeyhappy

Die Rätsel bzw. Level sind wie ich finde recht kurzweilig und bis auf ein paar persönliche Ausnahmen mit Beobachtungsgabe, ein bisschen Room-Escape-Erfahrung und Geduld leicht zu lösen. Einer der angenehmeren Zeitvertreibe.

Da der Autor sich mittlerweile dem 200. Level nähert, ist es zudem eine wunderbare Gelegenheit für das, was unsere Instagram-ende und Snapchat-ende Jugend wohl einen Shout-Out nennen würde.

Martin Holland + Digital Blacksmiths Network

Aufgrund der durch hohe Umgebungstemperaturen verminderten Denkgeschwindigkeit belasse ich es für diese Woche bei zwei Leseempfehlungen. 🙂

Bei der ersten handelt es sich um mein altes Steckenpferd der asozialen Silicon-Valley-Milliardäre. Angesichts Apples gerade stattfindender WWDC 2018 (Entwicklerkonferenz) und dem frisch heraufziehenden neuen Facebook-Datenskandal, den die NewYork-Times mit ihrem sonntäglichen Artikel angestoßen hat, ist der Kommentar von Martin Holland auf heise.de unter dem Titel „Musk, Zuckerberg, Cook & Co. schaden der Gesellschaft“ finde ich eine prima Ergänzung und liegt zu dem auf einer Linie mit früheren Beiträge zu dem Thema.

Als Kontrast und für einen versöhnlichen Ausblick, empfehle ich eine faszinierende Artikelserie in der aktuellen Ausgabe des englischen Hackspace Magazins.

Sie beschreibt das Digital Blacksmiths Network der britischen Wohltätigkeitsorganisation TechforTrade.

Grob gesagt entwickelt und baut man in Entwicklungsländern 3D-Drucker mit Hilfe von recyceltem Elektroschrott, nutzt lokale Plastikabfälle wie Einwegflaschen und verarbeitet das gereinigte und geschredderte Grundmaterial zu Filament für schon erwähnte Drucker. Alles fair gehandelt und bekämpft als Bonus gleichzeitig das Plastikmüllproblem.

Ein dritter Artikel (neben 3D-Drucker und Filament Extruder) schreibt über die Bemühungen mit den neuen Möglichkeiten im kenianischen Bildungssystem die MINT-Fächer (im englischen „STEM“) zu fördern.

Ein genanntes Beispiel dafür sind aus 3D-Druckteilen und einem Raspberry Pi samt Kameramodul zusammengesetzte billige Mikroskope, die aufgrund des geringen Preises kenianischen Schulen in größerer Zahl zur Verfügung gestellt werden können.

YouTube = Lorbeerenausruher?

Dieser Beitrag ist streng genommen ein reiner Gehirnfurz, dem lediglich eine Art Bauchgefühl zu Grunde liegt. Aber mangels einer besseren Idee flatuliere ich eben einfach mal ins Blaue.

Wie der Titel schon andeutet, soll das Thema YouTube sein. Speziell mein Bauchgefühl, das darin besteht, dass Google sich mit YouTube meiner Meinung nach auf früher erworbenen Lorbeeren und dem fast schon monopolistisch anmutenden Marktanteil ausruht.youtube-icon-bigWenn einem ‚Silicon Valley‘-basierten Unternehmen normalerweise innovative und schnell iterierende Qualitäten nachgesagt werden, drängt sich mir bei YouTube in letzter Zeit eher der Eindruck einer ehemaligen Bundespost oder die „letzten großen Tage“ des Nokia Konzerns vor der Einführung des ersten iPhones auf.

Dabei will ich gar nicht mal von der ganzen negativen PR in jüngster Zeit reden. Ob nun die Logan Paul ‚Suicide Forest‘-Geschichte (siehe das Robert Kyncl-Interview bei Casey Neistat), weglaufende Werbekunden, der Missbrauch des Copyright-Systems, ständige ungewollte Änderungen am Benutzererlebnis, … die Liste ließe sich bestimmt unendlich verlängern. Ich rede viel mehr von der technischen Seite.

Soll das, was auf YouTube in Sachen Video passiert, wirklich schon das höchste der Gefühle gewesen sein?

Wieso sehen alle Channel so aus, als kämen sie aus einem Homepage-Baukasten? Wieso haben die Channel-Betreiber nicht mehr gestalterische Freiheit was das Design betrifft? Und sei es nur die Hintergrund- und Schriftfarbe ihrer Kanäle? Wieso die kryptischen Channel-URLs und keine eigenen, aufschaltbaren Domains?

Sind „More info“-Links und „Related Videos“ wirklich das interaktivste, was ein YouTube-Video hergibt? Wieso waren Annotations immer nur schnöde Rechtecke, wenn selbst der alte HTML 4.0 Standard schon polygone Verweisflächen kannte? Kann man da – zugegeben naiv gefragt – nichts mit SVG zaubern, was sowohl am Desktop als auch dem Smartphone funktioniert?

Wieso gibt es noch keine automatische Songerkennung inklusive entsprechendem Tab in den Video-Infos? Stattdessen Millionen von Kommentaren, die nach den Songs bei bestimmten Zeitstempeln fragen? Kann man das nicht während des Konvertieren des hochgeladenen Videos erledigen, wenn Apps wie Shazam die technische Machbarkeit beweisen?

Das sind nur einige unausgegorene Ideen und Fragen, die mich beschäftigen und meinen Eindruck über YouTube verstärken. Die Gesamtsituation wirkt so uninspiriert, festgefahren, fresskomafaul, innovationsarm, … sucht euch etwas aus. 😉

Fast fühle ich mich an das Jahr 2004 erinnert, als der Markt für Blogsysteme von Movable Type dominiert wurde und niemand ernsthaft Platz für ein weiteres Blogsystem gesehen hat. Der Siegeszug von WordPress nach Six Aparts Änderung des Preismodells ist längst genauso Geschichte wie die des iPhones über Nokia.

Wenn ich mir den gegenwärtigen Zustand von YouTube ansehe, gewinne ich jedenfalls immer mehr den Eindruck, dass auch hier die Zeit gekommen ist, dass ein hungriger Aufsteiger das sicher geglaubte Marktumfeld von hinten aufrollt. Oder bin ich der einzige, der so einen leichten YouTube-Muffgeruch in der Nase hat?

Wie ist eure Meinung? Ist da was dran oder bin ich auf dem Holzweg? Welches Features fehlen euch auf YouTube oder sollten erfunden werden? Alles dazu gerne in die Kommentare. 😀

Illusionsland

Kopfhöher um Gehirn mit OhrwurmNachdem die Finebrothers mit der 2018er Ausgabe „reagierender Amerikaner“ einen Schlusspunkt unter den diesjährigen Eurovision Song Contest gesetzt haben, passt es wohl ganz gut, dass mein derzeitiger Ohrwurm-Song ebenfalls von einem (viel) früheren ESC-Gewinner stammt.

Auch wenn die britischen „Bucks Fizz“ 1981 mit „Making your mind up“ gewonnen haben, ist es ihr Song „The Land of Make Believe“, der scheinbar einige meiner ’80s‘-Synapsen im Gehirn feuern lässt.

Außerdem war es natürlich auch wieder mal Zeit für einen musikalischen Beitrag. Die Stille hier hält ja keiner auf Dauer aus. 😀

Was geht, Deutschland?

Zwei Figuren reden über DeutschlandDer letzte Beitrag in Sachen Germæntion ist, man höre und staune, schon annähernd ein Jahr her. Da trifft es sich gut, dass ich unlängst auf eine Artikelserie bei bento.de gestoßen bin, die unter dem Motto „Was geht, Deutschland“ verschiedene Nicht-Deutsche über unsere Eigenheiten zu Wort kommen lässt bzw. genauer gesagt Fragen stellen lässt.

Gefragt wurde dabei bisher nach der uns eigenen Verschlossenheit, der Liebe zum Brot, unserer „Schamlosigkeit“ auf der Toilette, dem Wunsch nach Alleinsein, unserem Kleidungsstil und natürlich dem effektiven Zeitmanagement.

Lesenswert macht die Artikel, dass hier tatsächlich Experten zu Wort kommen, die die jeweilige Frage sachkundig und stellenweise sogar kulturhistorisch beantworten.

Wieder mal eine gute Gelegenheit etwas über den Deutschen in sich zu lernen und obendrein ein Erkenntnisgewinn, wie undeutsch man in gewissen Aspekten des täglichen Lebens sein kann. Entgegen der landläufigen Meinung in einem der Artikel habe ich nämlich durchaus Probleme mit dem Pissoir-Urinieren in Bedürfnisanstalten.

Sobald eine andere Person neben mir steht, schließt da mental irgend ein Ventil in meiner Blase und nichts geht mehr. Nach einer Minute stehender Untätigkeit kommen dann die quälenden Gedanken hinzu, was Miturinierer ob des ausbleibenden Plätschergeräusches denken werden. Das gibt mir und meiner Blase dann den Rest und schickt mich in Richtung Toilettenkabine.

Auf meinem Weg dorthin werde ich dank des ausführlichen Artikels zukünftig wohl auch noch meinen vor langer Zeit verstorbenen Nazi-Großvater hören, der mir hinterherschreit: „Mann, bist du heute wieder undeutsch!“. Danke Bento – nicht 😉

 

Die Cloud klaut …

… und zwar die Privatsphäre. Den Gedanken hatte ich jedenfalls wieder, als ich kürzlich in der aktuellen Ausgabe der c’t den Test zu Nokias neuem Schlafsensor und Smart Home Pad namens Nokia Sleep gelesen habe.

auge-spion-verfolgung

Besonders wichtig waren dabei für mich die folgenden Feststellungen des Autors:

Die von Nokia Sleep ermittelten Daten lassen sich wahlweise auf der „Health Mate“-App oder über das Internetportal „Nokia Health“ abrufen — ein Konto beim Hersteller ist auf jeden Fall Pflicht. …

Der Internetzwang durch die Verbindung über IFTTT nervt aber etwas. …

Da wurden sofort wieder Erinnerungen an das vor zwei Jahren getestete „Gardena smart system“ wach. Dieses „smarte“ System aus Gateway, Pflanzensensor, Bewässerungsventil und Mähroboter ließ sich bei Ausfall des eigenen Internetanschlusses nicht mehr per App fernsteuern, selbst wenn das heimische Netzwerk noch seinen Dienst tat. Auch hier lief ohne die entsprechende Anbindung an die Gardena-Server nicht viel.

Als der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Demokraten im US-Senat Dick Durbin bei den Anhörungen in der Causa „Cambridge Analytica“ Herrn Mark Zuckerberg mit seinen Fragen nach dessen Hotelaufenthalt und den zuletzt kontaktierten Personen ins Schwitzen brachte, wurde er dafür zu Recht gefeiert.

Wie lange wird es aber noch dauern, bis endlich jemand Verantwortliche wie die von Gardena oder Nokia vor ein Gremium schleift und Antworten darüber verlangt, wie feucht deren Rasen ist, wann sie in der Regel zu Bett gehen oder ob sie zum Schnarchen neigen?

Wie schon bei meinem Beitrag über autonome Autos kann ich auch hier nur konstatieren, dass es diese Leute doch einen „Scheißdreck“ angehen sollte, was ich mit meinem bezahlten Eigentum anstelle.

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie wütend es mich regelmäßig macht, wenn ich wieder über einen Hersteller stolpere, der seine übergriffigen Händen in meine „Daten-Keksdose“ steckt. Ernsthaft — wieso werden Produkte nicht mehr mit eingebautem Datenschutz (Privacy by design) entwickelt? Wieso muss ich für Datenschleudern jeder Art einen stattlichen Kaufpreis bezahlen, mir das Eigentum der Daten aber über die Politik bzw. Gesetze sichern?

Der Zakdorn in mir sieht hier natürlich statt „Ungleichheit“ die „Herausforderung“ 😀 und damit ein riesiges Potential für entsprechende Produkte.

Wie heißt es im Gegensatz zum röhrenden Hirschen vor Bergsee-Idyll in amerikanischen Filmen auf den ungezählten Stickbildern so schön:

My home is my castle

Ist die Zeit nicht reif für eine auf Open-Source-Software basierende, einfach zu bedienende, modulare und eigene persönliche Cloud?

Ein geschlossenes System. Einfach zu installieren, zu warten und zu bedienen. Das meine E-Mails, Termine, Kalender, Gesundheitsdaten, Video- und Audiodateien, … und alle anderen, denkbar anfallenden Daten auf standardisierter, günstiger Hardware verschlüsselt in meinen eigenen vier Wänden speichert? Über dessen Zugriff durch Dritte ich im Einzelfall selbst entscheiden und den ich jederzeit widerrufen kann? Spricht da heute technisch noch etwas dagegen? Wäre das machbar?