Infrastruktur statt Innovation

In Ermangelung einer guten Idee für einen neuen Beitrag habe ich heute leider nur wieder eine Linkempfehlung für einen „Longread“ parat. Wie oft in solchen Fällen, müsst ihr leider eure Englischkenntnisse entstauben. 🙂

schild mit schraubenschlüssel und schraubenzieher

Der Artikel „Hail the maintainers“ beschäftigt sich mit der fast religiös wahnhaften Verehrung der Konzepte „Innovation“ (technische Neuerung) und „Entrepreneurship“ (Existenzgründung) als Antwort auf die Fragen der Zukunft, hinterfragt die Idealisierung des Silicon Valley und feiert „Infrastruktur“ und deren Instandhalter und Reparateure als die wahren Helden.

Da der Artikel einige „schwierige Wörter“ enthält, befürchte ich, dass meine verkürzte Darstellung dem Text überhaupt nicht gerecht wird. Am besten lest ihr einfach selbst. 😉

Nichts desto trotz sei erwähnt, dass inzwischen sogar Donald Trump die Wichtigkeit einer intakten Infrastruktur erkannt hat und mit einem milliardenschweren Programm die bröckelnden Straßen, Brücken und Dämme seines Landes sanieren will.

Da im Artikel explizit die Show „Last Week Tonight mit John Oliver“ und dessen Special zum Thema „Infrastructure“ erwähnt wird, füge ich das YouTube-Video der Vollständigkeit halber unten mit ein.

Selbstoptimierung

Heute habe ich wieder mal eine Leseempfehlung für euch. Ich bin auf den „Longread“, was in der heutigen Zeit kurzer Aufmerksamkeitsspannen für einen längeren Beitrag oder Zeitungsartikel steht, über das Blog von Rachel (Happiness Engineer bei Automattic) gestoßen.

Der Artikel im Guardian trägt den Titel „Why time management is ruining our lives“ und beschäftigt sich kritisch mit dem Phänomen des Zeitmanagements bzw. der eigenen Produktivitätssteigerung.

Panik Emoticon

Leider ist der Artikel, wie so oft bei meinen Leseempfehlungen, in Englisch verfasst. Ich hoffe, das tut dem Erkenntnisgewinn keinen Abbruch.

Mir begegnen in den letzten Jahren immer öfter diese Selbstoptimierer-Tipps mit Schlagworten wie Inbox Zero, Getting Things Done (GTD), Kanban, und was es da sonst noch so alles geben mag.

Ein Erkenntnisgewinn in dem Artikel ist, dass all diese neuartigen Methoden trotzdem nicht dazu führen, dass die durch die Optimierung frei werdende Zeit für Freizeit und Entspannung zur Verfügung steht, sondern nur mit mehr Arbeit gefüllt wird.

Vielleicht ist dies der richtige Moment, um unseren SupermarktkassiererInnen wieder die Zeit zu geben, bis der abkassierte Kunde seine Waren eingepackt hat. 😉

Die Erbsünde des Internets

Da mir diese Woche so rein gar nichts einfallen wollte, was ich in einen Beitrag schreiben könnte, will ich es dieses Mal bei einer Leseempfehlung belassen. Dabei handelt es sich um den (leider englischen) Artikel „The Internet’s Original Sin“ von Ethan Zuckerman.

Er war einer der ersten Mitarbeiter von Tripod.com. Den Älteren unter euch vielleicht noch als einer der ersten Dienste bekannt, auf dem man unkompliziert seine erste persönliche Homepage erstellen konnte, welche zumeist kreischbunt war und nur so vor animierten .gif-Dateien strotzte. Sicher fühlt sich der eine oder andere von euch dabei auch an Homer Simpsons erste „Web Page“ erinnert. 😉

Ethan Zuckerman gilt heute als unrühmlicher Erfinder der Popup-Werbeanzeigen. In seinem Artikel beschreibt er die Gründe dafür und schildert die fatalen Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass heutzutage im Internet nur Geschäftskonzepte existieren, die sich vorwiegend auf Einnahmen aus Werbung stützen.

Als Konsequenz der Abhängigkeit von Werbegeldern folgte das systematische Ausspionieren aller Internetnutzer, um immer detaillierte Profile zu erstellen und Werbung noch zielgerichteter gestalten und zustellen zu können. Jedes neue Start-Up musste seither für eine erfolgreiche Finanzierung noch ausgefeiltere Methoden vorweisen, um ein Stück des Kuchens abzubekommen.

Dies führte in letzter Konsequenz zu den heutigen Zeiten der Google Adwords und Facebook, dem sozialen Netzwerk, auf dem wir mittlerweile freiwillig unsere eigenen Benutzerprofile pflegen, damit diese gewinnbringend an die Werbeindustrie verhökert werden können.

Jedem, der Interesse daran hat, wie diese ungesunde Entwicklung einmal angefangen hat, sei deswegen dieser Artikel wärmstens empfohlen.

Komposita & german humor

Zwei Figuren reden über Deutschland

Im Rahmen der losen Germæntion-Reihe, bei der es hauptsächlich um das Fremdbild Deutschlands bzw. die Eindrücke geht, die „nicht-Deutsche“ über uns und das Land in Schrift und Video verfassen, bin ich letztens über zwei interessante Artikel in Sachen „compound words“ gestoßen.

Ein Germanist würde dazu wohl Komposita sagen. Der Volksmund versteht darunter ein zusammengesetztes Wort wie „Backpfeifengesicht“.

Beide englischsprachigen Artikel beschreiben die Faszination über die unnachahmlichen, Bandwurmwörter in der deutschen Sprache und wie durch die Kombination augenscheinlich widersprüchlicher Wörter komplexen Sachverhalten wie „Verschlimmbesserung“ oder Gefühlen wie „Schadenfreude“ in einem einzigen Wort höchsteffizient Ausdruck verliehen werden kann.

Man bewundert die Fähigkeit der deutschen Sprache, aus dem Nichts neue Wörter zu erschaffen, die trotzdem sofort jeder versteht.

Auffällig finde ich, dass die sonst oft und viel zitierte „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“ in letzter Zeit durch das bekannte „Fussbodenschleifmaschinenverleih“-Meme ersetzt wird. 😉

Dazu passt, dass auch Edward Snowden, der kürzlich im Scherz die Frage nach einem deutschen Wort stellte, welches die fehlende Überraschung über das Handeln einer Regierung bei gleichzeitiger Enttäuschung ausdrücken soll, prompt eine Antwort erhielt.

Das soll es zum Thema „Komposita“ gewesen sein.

Als kleine Belohnung oder Bonbon folgen jetzt noch zwei kleine YouTube-Videos in Sachen „german humor„, um den Beitrag gut verdaulich abzurunden. 🙂

Im ersten begibt sich Brooks Wheelan in Deutschland auf die Spur des deutschen Humors. Bei uns hier kaum bekannt, wird uns Deutschen nämlich international nachgesagt, keinen solchen zu besitzen.

Das zweite Video ist ein Auftritt von Derick Lengwenus aus dem Jahr 2005 auf dem „Just 4 Laughs“-Festival in Melbourne, dass sich thematisch in großen Teilen um seinen deutschen Vater dreht.

Leider müsst ihr auch für diese beiden Videos des Englischen mächtig sein. Falls das so ist, wünsche ich euch viel Spaß. 😀

Webcam abkleben & Datensparsamkeit

Ich habe vor einigen Tagen bei den Krautreportern einen interessanten Artikel von Juliane Schiemenz zum deutschen Abklebedrang der Kamera an Notebook, Handy und Tabletcomputern gelesen, den ich gerne weiterempfehlen möchte.

Da es thematisch gut zum Thema Datensparsamkeit bzw. laut Ausland auch „German paranoia“ passt, folgt hier als zweiter Lesevorschlag gleich noch ein englischsprachiger Artikel von Grace Dobush.

Und nur, um das Bild abzurunden oder für Leute die weiteren Lesestoff suchen, ergänze ich hier noch einen Link auf den schon älteren Artikel „The German privacy paradox“ von Jeff Jarvis.

laptop-spying by EFF Photos

Die Datei „laptop_eye“ ist ein abgeleitetes Werk von laptop-spying von EFF Photos, genutzt unter CC BY 2.0. „laptop_eye“ ist lizensiert unter CC BY 2.0 von iqatrophie
Modifikationen: Hintergrund entfernt; Bild zugeschnitten & eingefärbt.

Bei all der Linkvorschlagerei bin ich aber ganz vom eigentlichen Grund des Beitrags abgekommen und der dreht sich um mein persönliches Unverständnis.

Wieso kommen uns die Gerätehersteller in dem Punkt nicht schon längst entgegen? Ist es wirklich so schwer, eine Laptop-Kamera zu konstruieren, die mit einem kleinen Plastikschieber auf eigenen Wunsch hin abgedeckt werden kann?

Aber statt uns in dem Punkt entgegen zu kommen, floriert eine bunte Industrie an professionellen Webcam-Cover-Herstellern. Getreu dem Motto „Bedarf geweckt, Bedarf gedeckt“.

Nun könnte man ja meinen, das wäre wegen der „german paranoia“ ein rein deutscher Wunsch und deswegen noch nicht bei den Geräteherstellern angekommen, aber sogar in den USA hat man doch schon Erfahrung mit Schulbehörden, die per Webcam ins Kinderzimmer spionieren.

So ungewöhnlich kann die Anforderung nach einer abdeckbaren Webcam also eigentlich nicht sein. Wo bleiben also die Plastikklappen für die Webcam?

Und weil wir gerade dabei sind, wie steht es eigentlich mit ergonomischen Tastaturen für Notebooks? Dabei spreche ich nicht von ansteckbarem USB-Equipment sondern von der im Gerät verbauten Tastatur.

Ist die sture, horizontale Anordnung der Tasten so sakrosankt? Könnte man das Tastenfeld nicht teilen und dann leicht schräg anordnen, damit einem nicht nach ein paar Minuten die Handgelenke schmerzen?