Computer bäh!

Um den Einstieg ins Jahr 2018 kurz zu halten, bleibt es für den ersten Beitrag bei einer Leseempfehlung.

Ursprünglich wollte ich den Einstieg sogar als „einfach“ klassifizieren, musste aber aufgrund des bildungssprachlichen Niveaus in dem dreiteiligen Telepolis-Interview des Soziologen Werner Seppmann anlässlich seines neuen Buches Kritik des Computers zurückstecken.

Einige der Absätze waren trotz mehrfachem Lesen für mein Gehirn schwer bis gar nicht verdaulich. Bei Ideenmangel könnte ich aus besagter Artikelreihe locker einen Jahresvorrat an Wortschatz-Beiträgen generieren. 😉

Trotzdem und auch wenn man vielleicht nicht jeder These zustimmen möchte, hat mich das Interview doch einige meiner Ansichten überdenken lassen. In der zugegeben polemischen Ansicht, dass Mark Zuckerberg für mich der lebendig gewordene Teufel ist – so es ihn denn wirklich gibt – hat mich das Interview dagegen bestärkt. Ist doch auch schon etwas wert.

Schade, dass die Bildungssprache des Interviewten auf der einen und die teilweise abscheulich schlechte Rechtschreibung/Grammatik des Artikelautors auf der anderen Seite wohl dafür sorgen werden, dass die angerissenen Themen weiter keine breitere Öffentlichkeit finden werden. Auch bei Telepolis hat man offenbar das Lektorat abgeschafft. 😦

Wenn das Buch ähnlich sprachlich komplex verfasst wurde, ist in meinen Augen wieder mal eine Chance verspielt worden, die Leute intellektuell mitzunehmen.

Fast schon komisch, wenn das Internet als Informationsmedium einerseits dafür kritisiert wird, dass es keine sozialen Differenzen einebnet und Bildungsbarrieren abbaut, aber andererseits für das Verständnis des Interviews ein Universitätsstudium oder zumindest ein aktueller Fremdwörterduden von Nöten ist.

Selbst wenn der Vergleich hinkt, ist es damit leider nicht Teil der Lösung. Dazu muss man allerdings ergänzen, dass es laut eigener Aussage auch nicht Herrn Seppmanns Ziel war. Viel mehr geht es um eine

… schonungslose Bestandsaufnahme der problematischen Aspekte der Digitalisierung

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Demokratie

Erdogan, Putin, Maduro, Duterte, Orbán, Kaczyński, … wo man auch hinsieht, scheint die Demokratie auf dem Rückzug zu sein. Gerade deswegen will ich heute als Sommerlektüre bzw. Videoempfehlung die phoenix-Dokumentation „Mensch.Macht.Demokratie“ empfehlen, die ich am Sonntag auf dem gleichnamigen Sender als Wiederholung gesehen habe.

Da ich das gute Stück weder in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender noch im Sendearchiv auf deren Website gefunden habe, muss ein YouTube-Video ausreichen, dass hoffentlich lange genug online bleibt.

Wenn ihr mich fragt, absolut sehenswert, inspirierend und keinesfalls verschwendete 74 Minuten Lebenszeit. Fragt sich nur noch, wer das Konzept Donald Trump so erklärt, dass es in seine angeblich vierminütige Aufmerksamkeitsspanne passt. #Healther

Wortschatz #10

Anthony „The Mooch“ Scaramucci ist zwar schon seit einer Woche Geschichte, aber dennoch war der Spiegel-Artikel in dieser Angelegenheit wieder mal ein Quell bildungssprachlicher Vokabeln, der mich, wie so oft in diesen Situationen, auf eine wilde Online-Recherche in Richtung Duden und Wiktionary geschickt hat.

Der erste Kracher findet sich in dem Satz:

Dann die erfrischend vulgären Pejorativa, …

Das führende „vulgär“ lässt neugierig aufhorchen. Erstaunlicherweise war Wiktionary recht ahnungslos, aber der Duden wies mit dem Suchergebnis Pe­jo­ra­ti­vum zumindest schon mal in die korrekte Richtung. Dessen Erklärung verweist in der Bedeutungsübersicht mit „pejoratives Wort“ auf das Adjektiv. Mit diesem wusste dann auch Wiktionary wieder etwas anzufangen.

pejorativ:

  • [1] abwertend hinsichtlich der (eigenen) Sprache, eines Wortes oder einer Redewendung

Beim zweiten Wort hatte ich zwar zunächst einen leichten Anflug von Déjà-vu, der sich dann aber doch als vollwertige Ahnungslosigkeit entpuppte:

Sein doch nicht klandestines Abendessen mit Trump, …

klandestin:

  • [1] veraltet: unbeobachtet, im Verborgenen befindlich, geheim gehalten

In manch klandestinen Momenten frage ich mich gelegentlich, ob mein soziales Umfeld pejorative Bemerkungen über die Lücken in meinem bildungssprachlichen Wortschatz macht. Andererseits wär das nich gerade mega und voll low von meinen Homies. 😉

Wortschatz #9

Wenn einer den nächsten Wortschatz-Beitrag so schnell erwartet hätte, dann wohl am allerwenigsten ich. Als ich gestern allerdings online einen Artikel beim Spiegel über den Auftritt des FBI-Chefs im Geheimdienstausschuss gelesen habe, wurde ich Zeuge eines ausgesprochen seltenen Moments.

Nicht nur eines, sondern gleich zwei Wörter innerhalb eines Satzes ließen mich mal wieder ernsthaft an meinem Bildungsstand und Vokabular zweifeln. Jetzt seid ihr bestimmt neugierig geworden. Also gut, der „schlimme Teil“ des Satzes lautet:

… wie Trump-Sprecher Sean Spicer neulich insinuiert hatte, sagte Comey indigniert.

Es ist zwar noch nicht so schlimm, dass ich in Unkenntnis von „neulich“ und „sagte“ einen Arzttermin für einen Check auf „Midlife-Demenz“ vereinbaren müsste, aber insinuiert und indigniert sind und waren bis heute keine festen Bestandteile in meinem Wortschatz.

Mein in solchen Fällen üblicher Ausflug ins Wiktionary lieferte folgende Ergebnisse.

insinuieren:

  • [1] bildungssprachlich: unterstellen, andeuten

indigniert:

  • [1] von etwas unangenehm, peinlich berührt, weil es zum Beispiel die Normen oder die Würde verletzt

Mit diesen beiden Bildungslücken schreibt sich der letzte Satz fast von selbst. Insinuieren sie doch, wie indigniert ich beim Studium ihrer Bedeutung war. 😉

Wortschatz #8

Alternative Fakten belegen, dass die lange Pause der „Wortschatz-Reihe“ von über eineinhalb Jahren auf eine Vokabelexplosion (siehe Kambrische Explosion) bildungssprachlicher Art in meiner Großhirnrinde zurückgeht. 😉

Trotzdem stieß ich gestern beim „mit halbem Ohr hinhören“ im Programm von n-tv auf ein Wort, das einen unverzüglichen Recherchebesuch im Wiktionary auslöste. Da es sich diesmal nicht um ein Netzfundstück handelt, bekomme ich das Zitat leider nicht mehr zusammen. In meiner Erinnerung hörte es sich aber folgendermaßen an:

… Donald Trump behandelte seinen „Travel Ban“ apodiktisch …

Mein erste Gedanke war natürlich „Hä, wie … was haben Apotheken damit zu tun?“. Zu apodiktisch heißt es aber:

  • [1] keinen Widerspruch zulassend
  • [2] Philosophie: nicht widerlegbar

Da ich nicht mit apodiktischer Bestimmtheit behaupten kann, dass oben erwähnte Vokabelexplosion tatsächlich stattgefunden hat, werdet ihr wohl auch zukünftig in den Genuss dieser „great and absolutely fantastic posts“ kommen. It’s great. 😀

Dunning & Kruger

Was könnte in diesen Sommertagen nützlicher sein, als seinen Wortschatz für tief schürfende Strandgespräche ein bisschen zu erweitern. Unterhaltungen über Wetter, Essen oder die Sauberkeit des eigenen Hotels können schließlich schnell ermüdend sein.

Wieso also nicht einmal das Thema „Kognitive Verzerrungen“ anschneiden. Das gibt doch einigen Gesprächsstoff her. 🙂

Smiley-Face-Dumb

Mein absoluter Favorit ist dabei der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt. Der Einfachheit halber zitiere ich hier die Wikipedia:

Als Dunning-Kruger-Effekt wird eine kognitive Verzerrung bezeichnet, bei der relativ inkompetente Menschen die Tendenz haben, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen.

Bisher sind leider keine Pillen dafür erfunden worden. Wo ist die Pharmaindustrie, wenn man mal eine Anti-AfD-Pille braucht? 😉

vemödalen sei Dank

Ich bin ein großer Fan des Dictionary of Obscure Sorrows (frei übersetzt: Lexikon der unbestimmten Sorgen) von John Koenig. Mit dem Projekt versucht er, schwer zu vermittelnde Emotionen mit Hilfe von frei erfundenen Wörtern einen Platz in der Alltagssprache zu geben.

Masken mit Emotionen

Ich war fast versucht, seine Mission clever mit den vielbeschworenen Wortvarianten für Schnee in der Sprache der Inuit zu vergleichen, wenn meine Recherche dazu nicht ergeben hätte, dass es sich dabei um einen weitverbreiteten Irrtum handelt.

Nicht nur, dass es die eine Inuit-Sprache gar nicht gibt, haben Eskimos auch nicht mehr Wörter für Schnee als z.B. wir Deutschen. Kann es kaum erwarten, bis sich ein zukünftiger Gesprächspartner damit zum Narren macht und ich ob meiner neuen Erkenntnis brillierend in die Bresche springe. 😉

Aber genug davon, denn ich schweife ab. Die „unbestimmte Sorge“ bzw. Emotion um die es hier gehen soll, heißt wie der Titel schon vermuten lässt „vemödalen“.

vemödalen

n. the frustration of photographing something amazing when thousands of identical photos already exist—the same sunset, the same waterfall, the same curve of a hip, the same closeup of an eye—which can turn a unique subject into something hollow and pulpy and cheap, like a mass-produced piece of furniture you happen to have assembled yourself.

Auch ein Video existiert bereits auf dem dazugehörigen YouTube-Channel.

Das Lustige ist, dass „vemödalen“ als Ausdruck der Frustration etwas gefühlt Einzigartiges aber im Endeffekt doch nicht Einzigartiges zu fotografieren mich irgendwie innerlich ein Stück befreit hat, auf alles und jeden die Kamera zu richten. Wieso die Mühe machen, wenn Millionen andere Hobbyfotografen das gleiche Motiv abgelichtet haben? Lässt einen doch gleich ein bisschen bewußter leben. 😀

Jetzt fehlt eigentlich nur noch das intelligente, neuronale Bilderkennungsnetzwerk im Smartphone, welches beim obligatorischen Sonnenuntergangsfoto den Sprachassistenten – sei es nun Siri, Cortana, Google Now oder Amazon Echo – auffordert, den Besitzer lautstark mit einem genervten „Das soll wohl ein Witz sein!“, einem schnippischen „Das war ja so klar!“ oder einem sarkastischen „Wie ausgesprochen einfallsreich“ auf die Nutzlosigkeit seines Unterfangens hinweist.