Jason Lanier zu Social Media

Nachdem mich bisher niemand meiner Leser auf Knien angefleht hat, mit Beiträgen zur Social-Media-Kritik aufzuhören, folgt hier aufgrund der sich bietenden Gelegenheit ein weiteres, kürzlich entdecktes Bonbon. 😀

Im Rahmen der Promo-Tour zu seinem neuen Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ tritt Jaron Lanier — seines Zeichens VR-Pionier — zur Zeit in allerlei Talk Shows auf.

Gesehen habe ich eigentlich seinen Auftritt bei Christiane Amanpour auf CNN, aber das Interview für Channel 4 News ist in meinen Augen noch ausführlicher und erhellender.

Interessant fand ich vor allem die Ausführungen zu den auf den Plattformen (Google, Facebook, Twitter, …) herrschenden Algorithmen und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.

Überraschenderweise hält Herr Lanier den US-Präsidenten für eines der bekanntesten Opfer, da er ihm aufgrund dessen exzessiver Twitter-Nutzung im Vergleich mit früheren persönlichen Begegnungen eine massive, ‚Social Media‘-typische Änderung seines Charakters attestiert.

Zu erwähnen wäre wohl auch noch, das Herr Lanier ‚Social Media‘ nicht per se verteufelt, sondern die These vertritt, man könnte die positiven Aspekte nutzen und müsste nur das dahinter stehende Geschäftsmodell ändern.

Weg von der Werbefinanzierung/Kaufentscheidungsmanipulation/Profilerstellung hin zu einem bezahlten Dienst wie Netflix.

Alles in allem ein wirklich sehenswerter Beitrag.

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Martin Holland + Digital Blacksmiths Network

Aufgrund der durch hohe Umgebungstemperaturen verminderten Denkgeschwindigkeit belasse ich es für diese Woche bei zwei Leseempfehlungen. 🙂

Bei der ersten handelt es sich um mein altes Steckenpferd der asozialen Silicon-Valley-Milliardäre. Angesichts Apples gerade stattfindender WWDC 2018 (Entwicklerkonferenz) und dem frisch heraufziehenden neuen Facebook-Datenskandal, den die NewYork-Times mit ihrem sonntäglichen Artikel angestoßen hat, ist der Kommentar von Martin Holland auf heise.de unter dem Titel „Musk, Zuckerberg, Cook & Co. schaden der Gesellschaft“ finde ich eine prima Ergänzung und liegt zu dem auf einer Linie mit früheren Beiträge zu dem Thema.

Als Kontrast und für einen versöhnlichen Ausblick, empfehle ich eine faszinierende Artikelserie in der aktuellen Ausgabe des englischen Hackspace Magazins.

Sie beschreibt das Digital Blacksmiths Network der britischen Wohltätigkeitsorganisation TechforTrade.

Grob gesagt entwickelt und baut man in Entwicklungsländern 3D-Drucker mit Hilfe von recyceltem Elektroschrott, nutzt lokale Plastikabfälle wie Einwegflaschen und verarbeitet das gereinigte und geschredderte Grundmaterial zu Filament für schon erwähnte Drucker. Alles fair gehandelt und bekämpft als Bonus gleichzeitig das Plastikmüllproblem.

Ein dritter Artikel (neben 3D-Drucker und Filament Extruder) schreibt über die Bemühungen mit den neuen Möglichkeiten im kenianischen Bildungssystem die MINT-Fächer (im englischen „STEM“) zu fördern.

Ein genanntes Beispiel dafür sind aus 3D-Druckteilen und einem Raspberry Pi samt Kameramodul zusammengesetzte billige Mikroskope, die aufgrund des geringen Preises kenianischen Schulen in größerer Zahl zur Verfügung gestellt werden können.

Illusionsland

Kopfhöher um Gehirn mit OhrwurmNachdem die Finebrothers mit der 2018er Ausgabe „reagierender Amerikaner“ einen Schlusspunkt unter den diesjährigen Eurovision Song Contest gesetzt haben, passt es wohl ganz gut, dass mein derzeitiger Ohrwurm-Song ebenfalls von einem (viel) früheren ESC-Gewinner stammt.

Auch wenn die britischen „Bucks Fizz“ 1981 mit „Making your mind up“ gewonnen haben, ist es ihr Song „The Land of Make Believe“, der scheinbar einige meiner ’80s‘-Synapsen im Gehirn feuern lässt.

Außerdem war es natürlich auch wieder mal Zeit für einen musikalischen Beitrag. Die Stille hier hält ja keiner auf Dauer aus. 😀

Was geht, Deutschland?

Zwei Figuren reden über DeutschlandDer letzte Beitrag in Sachen Germæntion ist, man höre und staune, schon annähernd ein Jahr her. Da trifft es sich gut, dass ich unlängst auf eine Artikelserie bei bento.de gestoßen bin, die unter dem Motto „Was geht, Deutschland“ verschiedene Nicht-Deutsche über unsere Eigenheiten zu Wort kommen lässt bzw. genauer gesagt Fragen stellen lässt.

Gefragt wurde dabei bisher nach der uns eigenen Verschlossenheit, der Liebe zum Brot, unserer „Schamlosigkeit“ auf der Toilette, dem Wunsch nach Alleinsein, unserem Kleidungsstil und natürlich dem effektiven Zeitmanagement.

Lesenswert macht die Artikel, dass hier tatsächlich Experten zu Wort kommen, die die jeweilige Frage sachkundig und stellenweise sogar kulturhistorisch beantworten.

Wieder mal eine gute Gelegenheit etwas über den Deutschen in sich zu lernen und obendrein ein Erkenntnisgewinn, wie undeutsch man in gewissen Aspekten des täglichen Lebens sein kann. Entgegen der landläufigen Meinung in einem der Artikel habe ich nämlich durchaus Probleme mit dem Pissoir-Urinieren in Bedürfnisanstalten.

Sobald eine andere Person neben mir steht, schließt da mental irgend ein Ventil in meiner Blase und nichts geht mehr. Nach einer Minute stehender Untätigkeit kommen dann die quälenden Gedanken hinzu, was Miturinierer ob des ausbleibenden Plätschergeräusches denken werden. Das gibt mir und meiner Blase dann den Rest und schickt mich in Richtung Toilettenkabine.

Auf meinem Weg dorthin werde ich dank des ausführlichen Artikels zukünftig wohl auch noch meinen vor langer Zeit verstorbenen Nazi-Großvater hören, der mir hinterherschreit: „Mann, bist du heute wieder undeutsch!“. Danke Bento – nicht 😉

 

Der (L|l)eibhaftige Zuckerberg

Ich denke, aus meiner Antipathie gegen Mark Zuckerberg und sein Facebook habe ich kein großes Geheimnis gemacht. Diverse Beiträge wie „Computer bäh!“ oder „Brain Hacking“ legen Zeugnis darüber ab.

Gerade ist er im Zusammenhang mit Cambridge Analytica wieder mal in aller Munde. Die investigative Reportage von Channel 4 News dazu lässt übrigens tief blicken.

Weit weniger beachtet und für meine Begriffe fast schon sträflich übersehen, ist der Einfluss Facebooks bei den ethnischen Säuberungen in Myanmar. Vielen vielleicht auch bekannt als Rohingya Flüchtlingskrise. Gemäß der Newstickermeldung bei heise kamen UN-Beobachter zu dem Schluss, dass

… Facebook grundlegend zu dem öffentlichen Grad an Verbitterung, Meinungsverschiedenheit und Konflikt in dem Land beigetragen [hat]

Dies und die Beteiligung am Ausverkauf der amerikanischen Demokratie für ein paar russische Anzeigendollars würden mich doch ernsthaft an meinem Lebenswerk zweifeln lassen.

Vielleicht sollten die gleichen UN-Beobachter nach getaner Arbeit in Myanmar im Anschluss die oft beschwörte Spaltung der amerikanischen Gesellschaft untersuchen, die letztens ein Experte soweit ich mich erinnere als „zivilen Bürgerkrieg“ bezeichnet hat.

Es würde mich nicht wundern, wenn auch hier Facebook einen nicht unerheblichen Anteil Schuld daran trägt.

Falcon Heavy Ohrenfutter

Ich bin mir sicher, dass mittlerweile wirklich jeder den Testabschuss der Falcon Heavy Trägerrakete von SpaceX sowie die spektakuläre synchrone Landung derer beiden Booster gesehen hat.

Dem Jubel aus dem Kommandozentrum fehlt allerdings eine entscheidende Audiokomponente, die bei der Übertragung auf den flachen (2D) Bildschirm leider verloren geht. Die Rede ist vom ohrenbetäubenden Lärm der Raketentriebwerke beim Start und auch des mehrfachen Überschallknalls bei der Rückkehr der Antriebsbooster.

Wer so etwas noch nicht erlebt hat, ist laut Destin Sandlin — vor allem berühmt durch seinen YouTube-Kanal Smarter Every Day — nicht wirklich dabei gewesen.

Da in unseren Breiten leider keine Trägerraketen ins All geschossen werden und Startplätze wie Kourou, das Kennedy Space Center oder Wostotschny eine zu teure Flugreise entfernt sind, kommt Destin uns hier mit seinem zweiten YouTube-Kanal entgegen. 🙂

Dank The Sound Traveler mit seinem stereofonen 3D-Sound und einem hoffentlich guten Kopfhörer kann man jetzt tatsächlich das gleiche hören, wie die Zuschauer vor Ort.

Wenn zugezogene Anwohner hierzulande schon bei sonntäglichen Kirchenglocken Hass-Traktate ans örtliche Rathaus anschlagen, wundert es mich natürlich nicht mehr, dass bei so einer Geräuschkulisse (siehe z.B. 10:00) Weltraumbahnhöfe „weit draußen“ gebaut werden.

Brain Hacking

Auch auf die Gefahr hin, ständig das gleiche Thema durchzukauen, möchte ich unbedingt auf den Auftritt von Roger McNamee bei Real Time with Bill Maher hinweisen.

Roger McNamee – früher Facebook-Investor und seinerzeit Mentor von Mark Zuckerberg – spricht dort über die Gefahren der sozialen Medien. Ein Thema, über das meiner Meinung nach immer noch viel zu wenig gesprochen wird.

Ihr dürft mich gerne als fortschrittsfeindlichen Schwarzmaler bezeichnen, aber über die subtilen, gesellschaftszersetzenden und schädlichen Langzeitwirkungen von sozialen Medien wie Facebook und Snapchat sind wir uns glaube ich noch gar nicht richtig im Klaren.

Wenn es nicht völlig unangebracht wäre, würde ich es glatt als den Contergan-Skandal unserer Zeit bezeichnen. Mit dem Unterschied, dass durch die fatalen, spät erkennbaren Nebenwirkungen junge Generationen nicht körperlich sondern mental fehlgebildet aufwachsen. Wobei die Waschmittel-fressende Jugend in letzter Konsequenz ihrer Like-Sucht dann doch körperliche Schäden davonträgt.

Apropos „Tide Pod-Challenge“ — ich sähe es in Anlehnung an Meister Rörich gerne, wenn ein verantwortungsvoller Erziehungsberechtigter mal ein Video hochladen würde, wo er/sie dem Nachwuchs per Ohrfeige die Waschmittelkapsel aus dem Mund befördert und den Vorgang kommentiert mit:

Was soll der Zirkus hier – wieso fresst ihr mein Waschmittel? *SLAP*

Zurück zu Roger McNamee. Neben dem durch Tristan Harris (ehemaliger Produktmanager bei Google) in einem 60 Minutes Interview geprägten Begriff „Brain Hacking“, geht es um die Filterblasenproblematik, Aufmerksamkeitsökonmie, Smartphone-Suchtproblematik und selbstverständlich die Wahlbeeinflussung der Russen durch Bots auf Facebook und Twitter. Spannender Stoff wie ich finde.

Wenn ihr mich fragt, sollte statt dem gebetsmühlenartig geforderten Coden/Programmieren lieber mehr Medienkompetenz in den Grundschulen unterrichtet werden, um diesen schädlichen Einflüssen entgegenzuwirken.

Nachtrag ( 31.01.2018 ):

„… durch die fatalen, spät erkennbaren Nebenwirkungen …“ im vierten Absatz ergänzt, um das Argument zu verdeutlichen.