Wortschatz #9

Wenn einer den nächsten Wortschatz-Beitrag so schnell erwartet hätte, dann wohl am allerwenigsten ich. Als ich gestern allerdings online einen Artikel beim Spiegel über den Auftritt des FBI-Chefs im Geheimdienstausschuss gelesen habe, wurde ich Zeuge eines ausgesprochen seltenen Moments.

Nicht nur eines, sondern gleich zwei Wörter innerhalb eines Satzes ließen mich mal wieder ernsthaft an meinem Bildungsstand und Vokabular zweifeln. Jetzt seid ihr bestimmt neugierig geworden. Also gut, der „schlimme Teil“ des Satzes lautet:

… wie Trump-Sprecher Sean Spicer neulich insinuiert hatte, sagte Comey indigniert.

Es ist zwar noch nicht so schlimm, dass ich in Unkenntnis von „neulich“ und „sagte“ einen Arzttermin für einen Check auf „Midlife-Demenz“ vereinbaren müsste, aber insinuiert und indigniert sind und waren bis heute keine festen Bestandteile in meinem Wortschatz.

Mein in solchen Fällen üblicher Ausflug ins Wiktionary lieferte folgende Ergebnisse.

insinuieren:

  • [1] bildungssprachlich: unterstellen, andeuten

indigniert:

  • [1] von etwas unangenehm, peinlich berührt, weil es zum Beispiel die Normen oder die Würde verletzt

Mit diesen beiden Bildungslücken schreibt sich der letzte Satz fast von selbst. Insinuieren sie doch, wie indigniert ich beim Studium ihrer Bedeutung war. 😉

Wortschatz #8

Alternative Fakten belegen, dass die lange Pause der „Wortschatz-Reihe“ von über eineinhalb Jahren auf eine Vokabelexplosion (siehe Kambrische Explosion) bildungssprachlicher Art in meiner Großhirnrinde zurückgeht. 😉

Trotzdem stieß ich gestern beim „mit halbem Ohr hinhören“ im Programm von n-tv auf ein Wort, das einen unverzüglichen Recherchebesuch im Wiktionary auslöste. Da es sich diesmal nicht um ein Netzfundstück handelt, bekomme ich das Zitat leider nicht mehr zusammen. In meiner Erinnerung hörte es sich aber folgendermaßen an:

… Donald Trump behandelte seinen „Travel Ban“ apodiktisch …

Mein erste Gedanke war natürlich „Hä, wie … was haben Apotheken damit zu tun?“. Zu apodiktisch heißt es aber:

  • [1] keinen Widerspruch zulassend
  • [2] Philosophie: nicht widerlegbar

Da ich nicht mit apodiktischer Bestimmtheit behaupten kann, dass oben erwähnte Vokabelexplosion tatsächlich stattgefunden hat, werdet ihr wohl auch zukünftig in den Genuss dieser „great and absolutely fantastic posts“ kommen. It’s great. 😀

Wortschatz #7

Dass ich letztens tatsächlich wieder mal Duden.de konsultieren musste, weil mir in einem Online-Artikel ein Wort nicht geläufig war, versetzt mich in die Lage, endlich einen weiteren Wortschatz-Beitrag zum Besten geben zu können. :mrgreen:

Gefunden habe ich das Schmuckstück der deutschen Sprache in einem Telepolis-Artikel zur Dieter Nuhr Griechentweet-Kontroverse.

Nuhr verstieg sich in seiner Suada zu einer für einen Provokateur fragwürdigen Selbstinszenierung …

Wie immer habe ich zu „Suada“ das bekannte Wiktionary befragt.

  • [1] abwertend: langatmige Rede

Bleibt zu hoffen, dass die Beitragsreihe meiner bildungssprachlichen Vokabularwissenslücken früher oder später nicht selbst als Suada in die Geschichte eingehen wird. 😉

Wortschatz #6

Nicht zu glauben, aber nach längerer Zeit reicht es doch wirklich wieder mal für einen Beitrag in der Kategorie Wortschatz. Den heutigen Kandidaten habe ich im Blog der Wirtschaftswoche gefunden.

Sie stehen für das Brüsseler Bürokratie-Monster, verschwiemelte Hinterzimmerpolitik und eine Wirtschaftspolitik, in der …

Wiktionary hat diesmal nichts zu verschwiemelt ausgespuckt. Deswegen habe ich den Duden befragt.

  • so [verschwollen, verquollen] aussehend, als ob jemand eine ausschweifende o. ä. Nacht gehabt hätte

Wer hätte gedacht, dass aufgrund der unchristlichen Übertragungszeiten der Fußball-WM-Spiele das Wort genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. „Hast du gestern das Fußballspiel gesehen? Du bist total verschwiemelt“

Wortschatz #5

Heute legen wir den nächsten Stopp auf meiner Reise durch die Bildungslücken meines Wortschatzes ein. Auch diesem Kleinod bin ich auf meinem Streifzug durch Deutschlands Onlinemedien bei n-tv begegnet.

Die mächtigen Rinderzüchter aus dem andalusischen Süden haben aktiv antichambrieren lassen, …

Wiktionary schreibt zu antichambrieren:

  • [1] veraltend: im Vorzimmer warten
  • [2] abwertend, übertragen: katzbuckeln, sich um Gunst bemühen

Damit soll wieder Schluß mit der Antichambriererei bei meinen geneigten Bloglesern sein. Als Mitglied der Bildungslückler schließe ich mit unserem Wahlspruch „Mind the gap“. 😉

Wortschatz #4

Heute mal wieder etwas leichte Wortschatzlektüre. Wie in so vielen anderen Fällen, bin ich auf das folgende Wort wieder bei meinen Streifzügen durch die deutsche Online-Presse gestoßen.

Bei diesem Fund hat sich wieder Spiegel.de als die Wortgoldgrube erwiesen.

Desavouiert ist auch die Europapolitik des Franzosen.

Wiktionary schreibt zu desavouieren:

  • [1] leugnen, widersprechen, nicht anerkennen
  • [2] bloßstellen, herabwürdigen, im Stich lassen, brüskieren
  • [3] herausdrängen, entfernen
  • [4] schänden (in Kulturgeschichte durch Anspielung auf Symbolträchtigkeit ohne deren Gehalt od. Wirkung zu rühmen)

Da ich meinen lückenhaften Wortschatz überhaupt nicht desavouieren will, gebe ich unumwunden zu, dass mir dieses Wort bis heute nicht gewahr war. 😉

Wortschatz #3

Und wieder so ein Wort, das einem beim Lesen schmerzlich die Grenzen des eigenen Vokabulars aufzeigt und einen verschämt zum Duden oder einer entsprechenden Wortsuchmaschine greifen lässt.

Der heutige Kandidat ist mir beim Studium eines tagesschau.de Artikels unter die Augen gekommen.

Keineswegs verzagt und auch nicht larmoyant.

Wiktionary schreibt zu larmoyant:

  • [1] gehoben: weinerlich, rührselig, mit allzuviel Gefühl und Selbstmitleid

Damit soll mit dem larmoyanten Gejammer über meinen begrenzten Wortschatz für heute wieder Schluß sein. Ich weiß gar nicht, warum ich vor dem „Y“ bei Scrabble immer solche Angst hatte. 😉

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