Wired 11.2014

Wenn ich dem ausbleibenden Rascheln in der Blogosphäre und sozialen Netzwerken – oder meinen eigenen Filterblase – trauen darf, ist die aktuelle, neue Ausgabe der deutschen WIRED weitgehend unbemerkt geblieben.

Deswegen mein kurzer Hinweis an alle Interessierten – es gibt sie wieder, die WIRED. Ab jetzt dann auch endlich zehnmal jährlich.

Ich finde die neue Ausgabe ist lesenswert und sie hat mich wie jede Vorangegangene das eine oder andere Mal zum Nachdenken angeregt.

reddit-Probleme

Man mag es kaum glauben, aber nach über fünf Jahren habe ich doch tatsächlich mal wieder die Zeit und Muße gefunden, einen Cartoon zu basteln. Von der Idee bis zur Umsetzung hat es wie immer lange gedauert.

Jetzt will ich euch aber nicht weiter auf die Folter spannen. Hier ist das Meisterwerk. ;)

reddit-Alltagsgefahren

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Da ein Witz, den man erst erklären muss, per Definition ein schlechter Witz ist, hoffe ich, der Cartoon erschließt sich von selbst. *daumendrück*

Ich hatte sogar kurzzeitig erwogen, den Kopf des reddit-Alien irgendwie als Emblem mit auf das Auto zu kleben, aber auf das ganze Lizenzierungsgedöns mit schriftlicher Genehmigung hatte ich dann doch keine Lust.

Zum Abschluß noch für alle, die in irgendeiner Form am Entstehungsprozess oder den Cartoonbestandteilen interessiert sind bzw. wissen wollen, wo ich mir die Teile zusammengeklaut ;) habe, hier noch diese kleine Liste:

Summe der Erfahrungen

Als ich vor ein paar Tagen beim obligatorischen Herumzappen bei einer dieser neumodischen Doku-Soaps hängenblieb, und der Sprecher aus dem Off angesicht dreier Seemänner von “zusammengenommen 120 Jahren Erfahrung in der Seefahrt” sprach, fiel mir wieder das deutschsprachige Mythbusters Intro ein.

Wer sind die Mythbusters? Adam Savage und Jamie Hyneman – zusammen haben sie über 30 Jahre “Special Effects”-Erfahrung …

Wenn wir der Fairness und Einfachkeit halber annehmen, die beiden hätten jeweils 15 Jahre “Special Effects” Erfahrung, macht es dann wirklich Sinn, von 30 Jahren Erfahrung zu sprechen? Ich meine nicht nur bezogen auf diesen speziellen Fall, sondern ganz allgemein. Für mich hört sich das Aufsummieren von Erfahrungen jedesmal dämlich an, wenn es mir wieder einer vorrechnet.

Summe-Erfahrung

Würde ich einen ganzen Tag lang Schach spielen lernen und mir dann 36.524 Gleicherfahrene suchen, wäre unsere illustre Gruppe mit ihrer 100jährigen Schachspielerfahrung dann der Schrecken aller Großmeister?

Bei jeweils 15 Jahren Erfahrung, um bei dem Mythbuster-Beispiel zu bleiben, kann man doch annehmen, dass sich ein nicht ganz unerheblicher Teil davon gleicht. Soll heißen, rein Mengenlehren-mäßig müssten die beiden Lebenserfahrungen im Bezug auf “Special Effects” eine große Schnittmenge aufweisen.

Zwei 15-Jahres-Erfahrungen dürften also niemals die eines Individuums aufwiegen, das tatsächlich 30 Jahre vorweisen kann. Warum erzählt mir dann der Sprecher etwas von “zusammen 30 Jahren Erfahrung”? Lässt sich der Zuschauer wirklich von solchen Zahlen beeindrucken?

Im schlechtesten Fall — wenn nämlich beide die gleiche Erfahrung gemacht haben — bleibt es bei 15 Jahren. Andernfalls ist es ein Ratespiel, aber mehr als 22,5 Jahre würde ich konservativ geschätzt nicht bieten.

Geigenakrobatik

Hatte von euch schon mal jemand das Vergnügen den Werbespot der neuen „Internetsensation“ Lindsey Stirling zu sehen?

Die Musik gefällt mir eigentlich ganz gut auch wenn sie wahrscheinlich nicht für meine Generation geschrieben wurde. Etwas befremdlich finde ich nur die seltsamen Körperverrenkungen während des Spiels. Ist das der hyperaktiven Jugend geschuldet, die nicht mehr still sitzen kann und jeden ruhigen Moment mit ihrem Smartphone füllen muss?

Früher hätte das Geigenspiel an sich ausgereicht.

Als der Werbespot gelaufen war, habe ich jedenfalls sofort einen Knallerfrauen-Sketch mit Martina Hill vor meinen Augen gesehen. Lindsey Sterling kocht Spaghetti Bolognese, wechselt ihr Motoröl oder beim 100m-Lauf. Alles während sie munter vor sich hinfiedelt. :lol:

My imagination rocks. ;)

Wortschatz #6

Nicht zu glauben, aber nach längerer Zeit reicht es doch wirklich wieder mal für einen Beitrag in der Kategorie Wortschatz. Den heutigen Kandidaten habe ich im Blog der Wirtschaftswoche gefunden.

Sie stehen für das Brüsseler Bürokratie-Monster, verschwiemelte Hinterzimmerpolitik und eine Wirtschaftspolitik, in der …

Wiktionary hat diesmal nichts zu verschwiemelt ausgespuckt. Deswegen habe ich den Duden befragt.

  • so [verschwollen, verquollen] aussehend, als ob jemand eine ausschweifende o. ä. Nacht gehabt hätte

Wer hätte gedacht, dass aufgrund der unchristlichen Übertragungszeiten der Fußball-WM-Spiele das Wort genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. „Hast du gestern das Fußballspiel gesehen? Du bist total verschwiemelt“

Doppelfunktionstür

Vor ein paar Tagen bin ich auf reddit.com wieder auf eine neckische, innenarchitektonische Spielerei gestoßen, die mich minutenlang innehalten ließ, um das Foto aufmerksam zu studieren.

Vielleicht wird es auf dem Bild nicht auf den ersten Blick klar, aber es handelt sich sozusagen um eine Tür mit doppelter Funktion. Man kann das Badezimmer entweder komplett abschließen oder alternativ nur den Toilettenbereich.

Das erste Bild links oben ist innerhalb des Badezimmers aufgenommen und zeigt die verschlossene Toilette mit rechts angrenzender Dusche. Oben rechts wurde von außen mit Blick in das Badezimmer aufgenommen. Unten links sind wir im Badezimmer mit geschlossener Tür und offenem Toilettenbereich und rechts unten befinden wir uns schließlich wieder außen vor der geschlossenen Badezimmertür.

Wie oben rechts zu erkennen, kann im Fall eines besetzten Throns ;) eine zweite Person immer noch duschen oder sich die Hände waschen. Wirklich clever, wie ich finde.

Den Kommentaren auf reddit zufolge handelt es sich übrigens um das Standard-Badezimmer der Holiday-Inn Hotelkette in verschiedenen Ländern.

Nachdem ich vor einiger Zeit schon eine Drehplattentür von Klemens Torggler bewundert habe, frage ich mich, ob sich hier eventuell ein abstruser Türenfetisch abzeichnet.

Ähnliche Beiträge:

Du Deutsch? Deutsch gut!

In letzter Zeit lese ich des Öfteren in der Presse über ein Revival der deutschen Sprache im Ausland. Vor allem bei unseren amerikanischen und britischen Freunden. Deutsch ist offenbar wieder chic, obwohl das vor einigen Jahren noch anders gesehen wurde (siehe zum Beispiel das Standup-Programm von Tim Allen, Robin Williams oder Dylan Moran).

Entdeckt habe ich das kürzlich in Eric Jarosinskis Artikel im Feuillton der FAZ mit dem Titel “Have you hier Schillers „Jungfrau von New Orleans“?

Darin schreibt er über das “trendy” und “coole” Deutsch in den USA, dessen Auswüchse in abenteuerlichen Restaurantnamen wie “Fette Sau” kulminieren. Wirklich lesenswert.

In der Fluent English Sprachkolumne beim Spiegel dreht sich dagegen alles um die neue “Uber”-ritis. Die geht inwzischen offenbar so weit, dass sich Peter Littger zu einem entnervten Artikel “Wann ist über endlich over?” veranlasst sah, um zu fragen, wie lange seine Qualen noch andauern sollen. ;)

Am Ende waren die weisen Wortes des Mannes auf seinem Esel im berühmten “Urlaubsparadies”-Sketch von Loriot demnach tatsächlich prophetisch.