Smartwatch-Gedanken

Die Vorstellung einer „Smartwatch“ hat mich eigentlich schon als Kind total fasziniert. Nicht, weil Michael Knight ständig in seine Armbanduhr gequatscht hat, sondern weil man diese immer dabei hat und nicht wie sein Smartphone versehentlich irgendwo liegen lassen kann. Außerdem hat man im Gegensatz zum Smartphone weiterhin seine Hände frei, um andere Dinge zu tun. Alltags-Minimal-Invasiv sozusagen.

Smartwatch mit Display

Genau das ist auch der Grund, warum die meisten, wenn nicht alle derzeitigen Smartwatches für meine Begriffe ein Reinfall sind. Eine Armbanduhr, die ich alle ein bis zwei Tage zum Aufladen abnehmen muss oder die ständig Gefahr läuft, mitten am Tag wegen leerem Akku auszufallen, verfehlt völlig den Sinn und Zweck.

Für mich sollte eine Armbanduhr mindestens ein halbes Jahr durchhalten können, bevor ich sie zum Aufladen abnehmen muss. Dabei bin ich noch großzügig. Besser wäre ein Jahr oder mehr. Sonst droht Smartwatches meiner Meinung nach langfristig das gleiche Schicksal wie dem 3D-Fernseher oder mit Vorbehalt auch der aktuellen VR-Technik, wenn diese den Benutzer mit Kabeln an ein Gerät fesseln möchte.

Das mag angesichts dessen, was ich weiter unten in diesem Beitrag schreibe, furchtbar naiv klingen, aber wenn man mit der aktuellen Technologie und Akkutechnik nicht hinkommt, muss man eben Mittel und Wege finden, wie die benötigte Energie in der Uhr oder am Körper generiert werden kann oder die Verbraucher in der Uhr soweit auf Energiesparsamkeit trimmen, dass ein kleineres Energiebudget ausreicht.

Energiegewinnung

Was ist nur aus den Automatikuhren geworden, die sich durch die eigene Armbewegung ständig aufgezogen haben? Könnte man das Konzept einer sich selbst aufziehenden Feder nicht irgendwie mit einer Art „Minidynamo“ kombinieren, der die Federenergie in elektrische Energie umwandelt und damit den Uhrenakku immer wieder auflädt? Forscher in der Schweiz experimentieren gerade damit, durch die Herzmuskelbewegungen eines Patienten seinen Schrittmacher anzutreiben. Wäre da der Sprung zur Smartwatch so weit?

Wenn der „Minidynamo“ dann schon in der Uhr drin ist, wieso sollte man nicht bei leerem Akku durch manuelles Drehen an der Uhrenkrone selbst Arbeit in Energie umwandeln können? Fünf Minuten an der Uhr gedreht und der Akku wäre wieder voll genug für den nächsten halben Tag?

Vielleicht kann man ja auch noch irgendwie eine kleine Solarzelle einbauen um zusätzlich auch das Sonnenlicht anzuzapfen? Keine Ahnung ob so etwas technisch umsetzbar wäre, aber ein Energiemix würde Sinn machen. 😀

Smartwatch fürs Smarthome

Wenn die Energie- bzw. Aufladeproblematik gelöst wäre, stellt sich die Frage, wofür die Smartwatch nutzen? Im Gegensatz zu der heutigen App-Spielerei, welche die Uhr nur zur Verlängerung des in der Hosentasche befindlichen Smartphones macht, entspringt mein Interesse an einer Smartwatch meiner exorbitanten Faulheit.

Und wir reden da nicht von der Art üblicher Faulheit im Vorbeigehen den Briefkasten auszuleeren, sondern von „SnugWow„-Dimensionen. 😉

Faulheit solcher Ausprägung, dass ich auf der Couch vor dem Fernseher liegend, lieber einen Katheter von meiner Blase bis ins Badezimmer legen lassen würde, als aufzustehen. Sollte jemals eine dieser Portalkanonen erfunden werden, würde ich damit wohl ganz profan und völlig unbeeindruckt mein Toilettenproblem lösen. 😉

Damit ohne Umschweife weiter zu den Wunschfeatures, die mir in den letzten Jahren in den Sinn gekommen sind.

Indoor-Positionsbestimmung

Meine Smartwatch ermittelt per Bluetooth-Beacon oder WLAN die Position in der Wohnung und bietet mir darauf basierend entsprechende Aktionen auf dem Touch-Display an.

Lichtsteuerung

Liege ich auf der Couch und habe vergessen in einem anderen Zimmer das Licht aus zu machen, genügt eine kleine Berührung und der leuchtende Störenfried erlischt. Tragen alle Mitbewohner eine Smartwatch, würde die Lampen in momentan nicht genutzten Räumen automatisch ausgeschaltet werden.

Anruferkennung

Klingelt das Festnetztelefon? Ein Blick auf die Uhr und schon weiß man, ob es sich lohnt aufzustehen. Ein kurzes Antippen leitet den Anrufer entweder auf den Anrufbeantworter um oder lehnt das Gespräch gleich ab.

IP-Kamerabild

Ein schmieriger Vertreter oder Zeuge Jehovas steht vor der Tür und stört durch Bestätigen der Türklingel das häusliche Idyll? Ein schneller Blick auf die Uhr und das Live-Videobild der IP-Kamera macht den Gang zum Türspion überflüssig.

Wenn eine kurze Berührung auf dem Display Auszüge aus dem berühmten „Angels With Filthy Souls“-Sample aus „Kevin allein zu Haus“ in der Gegensprechanlage abspielt, um den Eindringlich zu vertreiben, wäre das natürlich ein willkommener Bonus. 😉

Smarthome-Steuerung

Die Raumtemperatur ist zu hoch oder niedrig? Meine Smartwatch steuert natürlich auch die smarten Heizkörperthermostate. Gleiches gilt für die Fenster und Türkontakte. Hoffentlich kann man in naher Zukunft Fenster und Türen auch gleich elektronisch schließen.

Anwesenheitskontrolle

Wenn jeder Bewohner eine entsprechende Smartwatch trägt, erkennt die smarte Alarmanlage, dass niemand zu Hause ist und aktiviert sich von selbst. Auch in diesem Szenario werden alle Fenster und Türkontakte geprüft und Fenster und Türen gegebenenfalls geschlossen. Bei smarten Türschlössern könnte auch gleich ganz abgeschlossen werden.

Sprachsteuerung

Zum Schluß sei nochmal die Sprachsteuerung à la „Michael Knight“ erwähnt. Prinzipiell hätte ich nichts gegen eine Sprachsteuerung einzuwenden. Sie müsste allerdings ohne Cloudanbindung funktionieren.

Wieso muss bei Systemen wie Microsofts Cortana, Amazons Alexa oder Apples Siri jeder Sprachfetzen auf irgend welche US-Cloudserver übertragen werden, wenn mein uraltes Siemens-Mobiltelefon schon eine Sprachwahl hatte?

Fazit

Soviel Gehirndurchfall von mir heute zu dem Thema. Da mir diese Ideen bzw. Gedanken bei jeder Faulheit-bietenden Gelegenheit durch den Kopf gehen, habe ich mir gedacht, warum nicht mal einen Beitrag darüber verfassen.

Wem weitere Einsatzgebiete oder Ideen zu meiner „Smartwatch“ einfallen oder nur seinem Ekel ob der widerwärtig zur Schau gestellten Faulheit Ausdruck verleihen möchte, ist eingeladen, dies in den Kommentaren unter diesem Beitrag zu tun.

Ich freue mich über jede Stimme oder Hinweis auf entsprechende Kickstarterprojekte. 😀