Talkshow-Rant

Als ich vor einigen Tagen beim zappen wieder mal unabsichtlich in eine Talkshow gestolpert bin, musste ich wie immer ungläubig und leicht angewidert umschalten. Ungläubig deshalb, weil mir das Konzept deutscher Talkshows in vielen Aspekten einfach nur Rätsel aufgibt.

Da wäre zum einen das Studiopublikum.

Im Großteil der deutschen Talkshows erstreckt sich dessen Beteiligung lediglich auf das gelegentlich frenetische Klatschen in Form des moralischen Selbstschulterklopfers, wenn einer der C-Promis eine These in den Raum schmettert, die man selbst unhinterfragt sein ganzes Leben vertreten hat. Besonders beliebt sind dabei Plattitüden der Sorte „Wenn Frauen an der Macht wären, gäbe es nie wieder Krieg!

Der Volksmund spricht verächtlich vom „Klatschvieh.“

Warum die Verantwortlichen Publikum in ihre Kulissen setzen, ohne dies z.B. in Form von Zuschauerfragen mit einzubinden, will mir bis heute nicht in den Kopf. Nicht nur, dass es nach meiner Meinung keinen Sinn macht, wirkt sich die klatschende Horde störend auf die Intimität der Gesprächsrunde aus.

Wären die Gespräche nicht tiefgründiger/direkter, wenn der Druck wegfallen würde, für das anwesende Publikum zu „performen? Würden uns vielleicht ein paar der penetranten Selbstdarsteller erspart bleiben?

Der zweite Punkt, der mich regelmäßig erschauern lässt, ist die mangelnde Gesprächskultur. Da sind auf der einen Seite die Moderatoren, denen es offenbar körperliches Unbehagen bereitet, wenn ein Gast mehr als eine Minute ununterbrochen redet. Deswegen muss dieser Menschenschlag seinem Gegenüber mindestens alle 15 Sekunden verbal in die Parade fahren um „nachzuhaken“. Unerträglich!

Auf der anderen Seite haben wir dann die geladenen Diskutanten, die offenbar nicht gelernt haben oder nicht gewillt sind, das Gegenüber ausreden zu lassen. Bei mehr als zwei geladenen Gästen artet eine Diskussion in deutschen Talkshows für mein Befinden regelmäßig in eine Gesprächskakophonie aus, der man als Zuschauer nicht mehr folgen kann oder will.

Spätestens an diesem Punkt fängt in meinem Inneren eine gefährliche Mischung aus Frustration, leichter Misanthropie, Ratlosigkeit und komplettem Unverständnis an zu brodeln und ich muss den Sender wechseln. Ansonsten laufe ich wahrscheinlich Gefahr, es Al Bundy irgendwann gleich zu tun.

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Der (L|l)eibhaftige Zuckerberg

Ich denke, aus meiner Antipathie gegen Mark Zuckerberg und sein Facebook habe ich kein großes Geheimnis gemacht. Diverse Beiträge wie „Computer bäh!“ oder „Brain Hacking“ legen Zeugnis darüber ab.

Gerade ist er im Zusammenhang mit Cambridge Analytica wieder mal in aller Munde. Die investigative Reportage von Channel 4 News dazu lässt übrigens tief blicken.

Weit weniger beachtet und für meine Begriffe fast schon sträflich übersehen, ist der Einfluss Facebooks bei den ethnischen Säuberungen in Myanmar. Vielen vielleicht auch bekannt als Rohingya Flüchtlingskrise. Gemäß der Newstickermeldung bei heise kamen UN-Beobachter zu dem Schluss, dass

… Facebook grundlegend zu dem öffentlichen Grad an Verbitterung, Meinungsverschiedenheit und Konflikt in dem Land beigetragen [hat]

Dies und die Beteiligung am Ausverkauf der amerikanischen Demokratie für ein paar russische Anzeigendollars würden mich doch ernsthaft an meinem Lebenswerk zweifeln lassen.

Vielleicht sollten die gleichen UN-Beobachter nach getaner Arbeit in Myanmar im Anschluss die oft beschwörte Spaltung der amerikanischen Gesellschaft untersuchen, die letztens ein Experte soweit ich mich erinnere als „zivilen Bürgerkrieg“ bezeichnet hat.

Es würde mich nicht wundern, wenn auch hier Facebook einen nicht unerheblichen Anteil Schuld daran trägt.

Monster unterwegs!

Habt ihr schon den neuen Werbespot von Monster.de gesehen, in dem eine lila befellte Kreatur in der Tradition King Kongs für das berufliche Wohl eine weibliche Angestellte zwangsweise in eine neue Anstellung versetzt?

Muss ich mir als Mann die übliche stereotype Darstellung des Vorgesetzten als Pascha/Bösewicht/Dummkopf gefallen lassen? Wo bleiben die empörten Aufrufe einer #ManToo-Bewegung, die es langsam satt hat, in der Popkultur ständig wahlweise als sexuell diskriminiernder Pascha oder naiver, übertölpelter Dummdödel hingestellt zu werden, um einen Punkt zu verdeutlichen? (siehe z.B. VW Tiguan Trailer Assist oder O₂ Free)

Das aber nur nebenher. Viel mehr böte sich der Spot doch prima für ein Crossover mit dieser Kampagne über Jugendarbeitslosigkeit an.

Ich finde leider keinen Hinweis oder Link mehr, aber das dazugehörige Video porträtiert, soweit ich mich erinnere, die Lebenslinien zweier junger Leute. Während eine Frau beruflich alles auf die Reihe bringt, sehen wir im Hintergrund ständig einen jungen Mann mit augenscheinlich schlechten Chancen im Arbeitsmarkt. Dazu erzählt eine Off-Stimme etwas über „… das Gefühl nicht gebraucht zu werden …“ bzw. „… kein Teil der Gesellschaft zu sein …“. Am Ende des Videos drückt der Lebensabschnittsgefährte der jungen Frau beim abendlichen Spaziergang mit seiner Angebeteten dem verzweifelten „Chancenlosen“ eine angebrochene Flasche Sekt/Wein in die Hand und fordert ihn auf, sich einen „schönen Abend zu machen“. So oder ähnlich. Kennt jemand das Video und hat einen Link?

Wie wäre es denn, wenn unser haariger, lila Freund bei der beruflichen Versetzung unserer Verwaltungsangestellten zufällig an dem Geschäft vorbeigeht, das unser „Chancenloser“ unverrichteter Dinge, geknickt und mit Lebenslauf unter dem Arm verlässt und es diesen wahlweise mit einem Finger weg schnippt oder zertritt? Nicht gesellschaftskritisch genug?

Wenn nach dem monsterlichen Berufsaufstieg der Dame und dem Zertreten der armen Seele noch Zeit für ein bisschen Freizeitgestaltung ist, könnte sich unser bepelzter Freund gerne ins Kino begeben und diesem Popcorn-werfenden Jobware-Unsympathen, der während der Kinovorstellung offenbar nicht auf die Dienste seines Smartphones verzichten kann, durch Hochlegen der übergroßen Füße auf dessen Rückenlehne die Denkmurmel eindrücken.

So lange es dabei seine Augen ausmacht, hätten alle was davon. 😉

AfD vs. Zeitmaschine

Nachdem ich letztens über das Thema Zeitreisen im Zusammenhang mit der Verkürzung von Adolf Hitlers Lebenszeit geschrieben hatte, ist mir letztens noch ein Gedanke gekommen, den ich noch ergänzen wollte.

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Gekommen ist er mir, nachdem ich über das plastische, amerikanische Sprichwort

Sweating Like A Whore In Church

– zu deutsch „Schwitzen wie eine Prostituierte in der Kirche“ – gestolpert bin.

Als ich einige der unrühmlichen AfD-Auftritte im Deutschen Bundestag zu meinem Leidwesen mit ansehen musste, habe ich mich nämlich gefragt, ob diese „lupenreinen“ Demokraten bei der Vorstellung von Zeitreisen momentan ähnliche Schweißausbrüche erleben?

Wenn an der Sache mit den Zeitreisen auch nur irgend etwas Wahres dran ist, wäre beim Gang zum Podium jede meiner Nervenfasern bis zum Zerreißen gespannt. Schließlich könnte im nächsten Augenblick (rein zufällig) rechts von mir ein gleißend heller Blitz aufzucken und eine futuristisch, in gelbem Strahlenanzug gekleidete Figur meiner hypothetischen AfD-Bundestagskarriere zum Wohle der Zukunft ein schnelles Ende setzen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass wir uns selbst mit demokratischen Mitteln um das Problem AfD kümmern müssen und uns in einer ähnlichen Situation befinden wie Sheldon und Leonard beim Unterzeichnen der Mitbewohnervereinbarung. 😉

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Kleiderschrankangst

Noch heute frage ich mich manchmal, welche ungewöhnlichen Umstände Robin Williams seinerzeit dazu bewogen haben, sich an der Tür seines Kleiderschrankes zu erhängen.

Welche Dämonen auch immer da am Werk gewesen sein mögen, hat es mich doch immer getröstet, dass mein klappriger IKEA-Kleiderschrank so einem Unterfangen erfolgreich im Weg steht. Als ich allerdings letztens über die alte Aufbauanleitung stolperte, wurde mir schlagartig bewusst, dass mein PAX Kleiderschrank im Lateinischen für „Frieden“ steht.

Kleiderschrank

Seither kann ich mich nicht des Eindrucks verwehren, dass meine Schrankwand mich verhöhnt. Ist da vielleicht irgend eine Verschwörung im Gange? Basiert «John Carpenter’s Sie leben» am Ende auf einer wahren Geschichte?

Auf jeden Fall habe ich jetzt Angst, dass eines – hoffentlich fernen – Tages in meiner Todesanzeige so etwas stehen wird wie „Er hat seinen Frieden gefunden!“ und der Pfarrer bei eben jenen hohlen Worten der Trauergemeinde ein verschmitztes Augenzwinkern herüber werfen wird. Too soon?

Megadeutsch!

stickman-altersackIn der Reihe Generationenkonflikt bzw. gealterter Vierziger, der von besseren Zeiten lamentiert, gebe ich hier und heute offiziell zu Protokoll, dass mir der übermäßige und grammatikalisch falsche Gebrauch des Wortes „Mega“ mittlerweile abwechselnd die Fussnägel hochrollen oder die Magensäfte in Mund und Rachenraum hochsteigen lässt.

Find ich MEGA!!!
Das is ja voll MEGA!!!
MEGA, alda!!!

So und ähnlich klingt es mittlerweile aus Funk, Fernsehen und jedem drittklassigen YouTube-Video. Wider besseren Wissens würde ich vermuten, es handelt sich um „Dieter Bohlen-Sprech“. Oder war es am Ende doch Mario Barth? Wer hat damit nur angefangen?

Zeternd sitze ich, die Mattscheibe explosiv mit einem Speicheltröpfchenbombardement eindeckend vor dem Bildschirm und rufe: „MEGA-geil?, MEGA-anstrengend?, MEGA-zum-Teufel-nochmal-WAAAAAAAS?

Zum meiner Verteidung kann ich leider nicht viel mehr sagen als:

Heut‘ bin ich der Großvater, und was sonst wohl würde ich den jungen Leuten sagen, als „I bims, der Teilzeitmisanthrop!“ 😉

CNN – weil wir so geil sind!

Hat jemand von euch schon mal regelmäßig in den internationalen Ableger von CNN News reingesehen, um zu erfahren, wie die amerikanische Volksseele so tickt?

Bevor jetzt wieder jemand ein großes Aber auspackt, natürlich habe ich hin und wieder auch in den Fox News Livestream auf Youtube reingeschaut. Außerdem bin mir bewusst, dass die USA momentan so stark polarisiert ist, dass man eigentlich gar nicht von einer Volksseele sprechen kann. Um all das soll es hier gar nicht gehen.

Viel mehr geht es um die Programmgestaltung bei CNN und meine bohrende Frage, wie jemand der beim Begriff Nachrichten vornehmlich an die Tagesschau denkt, länger als 30 Minuten zusehen kann, ohne seinen Verstand zu verlieren? Ernsthaft, meine größte Erkenntnis beim Konsum eines 24h-Nachrichtenformats ist glaube ich, dass man nicht länger als eine Stunde zuschauen kann und vor allem sollte.

Die gefühlten fünfminütigen Nachrichtenschnipsel mit blinkendem „Breaking News“-Ticker – der schriftlich nochmal festhält, was dem gerade abgelichteten „Experten“ verbal aus dem Mund fällt – wird abwechselnd durch einen ebenso langen Werbeblock mit anschließenden Einspielern unterbrochen, in denen man sich verbal selbst minutenlang auf die Schulter klopft, wie geil man doch bei CNN ist.

Einer dieser Einspieler, dem in den letzten Wochen nicht zu entkommen war, endet mit dem Claim „go there“ und zeigt ihren Newsanchor Wolf Blitzer.

Eben jenen Spot müsste man als entsprechendes Spott-Video nochmal mit anderen Berufsgruppen wie Feuerwehrmännern, Polizisten, Metzgern, Bäckern, …. nachdrehen.

Sie bekommen also in der früh einen Anruf, bereiten sich vor, schleppen sich in die Arbeit und erledigen – man stelle sich das mal vor – ihren Job.

Für die Abblende mit dem Claim und Logo fehlt mir noch die zündende Idee. Vom Sinn her irgendwas in der Richtung:

Uns fragt auch keiner und wir erledigen dennoch unseren Job, ohne dass wir alle 10 Minuten mental masturbieren, was für geile Leute wir doch sind

Fällt jemandem von euch etwas dazu ein? Die Vorstellung ist zugegeben etwas größenwahnsinnig aber vielleicht juckt es ja einem Redakteur bei der Heute Show oder dem NEO Magazin Royale unter den Fingern.

Würde mich jedenfalls freuen, etwas (mit dem zweiten) zu sehen. 😀