Wer riecht Rauch?

Ich weiß nicht, ob es mein fortschreitendes Alter ist, das meinen Eindruck sich wiederholender geschichtlicher Muster verstärkt oder einfach nur mein pessimistisches Naturell, aber in letzter Zeit riecht es nach meiner Meinung immer öfter nach aufziehender Wirtschaftskrise.

Da wären zum einen die beängstigend guten Quoten für Renovierungsshows wie Fixxer Upper auf sixx. Ältere unter euch werden sich vielleicht noch erinnern, dass der letzte Zenit dieser Formate ein Vorbote für die Subprime Loan Krise gewesen ist. Renoviert wird nämlich nicht das Eigenheim, sondern irgend ein zwangsversteigerter Schuppen, der dann mit ein bisschen Renovierung wieder gewinnbringend/spekulierend weiterverkauft werden soll.

Die Nachricht in der FAZ über eine steigende Nachfrage nach Privatflugzeugen tat dann sein Übriges und bescherte mir einen Flashback der drei Vorstände von GM, Ford und Chrysler, die bei einer Kongressanhörung „Oliver Twist“-mäßig um Steuergeld bettelten aber jeder für sich mit einem Privatjet anreiste.

Vermischt man das Ganze mit dem Erstarken der AfD und einem an den Grundfesten der WTO herumzündelnden Donald Trump, bekomme ich es wirklich langsam mit einem Anflug von German Angst zu tun.

Vielleicht sollte ich ja schon mal in Schreibutensilien, Paketschnur und Papptransparente investieren. Wenn wir nämlich erst Zustände wie 1929 haben, könnte das ganz nützlich sein.

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Spiegeleiform²

Eines der größten Rätsel des Alltags ist für mich immer noch die „Quadratische Spiegeleierformverschwörung.“

So habe ich sie jedenfalls benannt, als ich mich schon vor Jahren auf die bis heute erfolglose Suche nach entsprechenden Küchen-/Bratutensilien aufgemacht habe.

Lasst uns für einen tieferen Einstieg in die Materie aber zunächst einen Blick auf das Beweisstück A werfen.

toastbrot-belegbereich

Belegbereich handelsüblicher Toastbrotscheiben

 

Es handelt sich, wie hoffentlich unschwer zu erkennen, um eine stilisierte Scheibe Toast.

Der mit Lebensmitteln belegbare Bereich wurde in unzähligen Arbeitsstunden durch eine rot gestrichelten Linie hervorgehoben. Selbst das ungeübte Auge wird nach kurzer Zeit erkennen, dass hier eine gewisse Quadratur vorliegt. 😉

Wer nun so wie ich auf den anscheinend völlig abwegigen Gedanken kommt, zwei frisch zubereitete Scheiben Toast für ein Sandwich mit einem gebratenen Spiegelei belegen zu wollen, würde logischerweise den Versuch unternehmen, käuflich geometrisch annähernd passende Spiegeleiformen erwerben zu wollen. Da man schon so einiges über Silikonbratformen gehört hat oder sich zumindest gefahrenmäßig etwas einbildet, sollten sie selbstverständlich aus Metall sein.

Mit eben diesem Anliegen ist man unversehens Teil der quadratischen Spiegeleierformverschwörung geworden. Was ich nämlich bei meinen stundenlangen Recherchen einzig und allein finde, sieht in etwa folgendermaßen aus.

spiegeleiform-stern

Neben dem Stern finden sich zugegebenermaßen Klassiker wie Kreis, Herz oder Blume. Es geht aber auch abenteuerlicher in Richtung Kleeblatt, Penis oder sogar Totenkopf. Was sich aber komischerweise nie findet, ist — Schock­schwe­re­not — das allseits beliebte QUADRAT!

Selbstredend gab es natürlich schon Selbstversuche mit Plätzchenformen und entsprechend geformten Speiseringen. Diese waren allerdings

  • … zu leicht, so dass das Ei unten heraus lief.
  • … nach dem Bratvorgang scheinbar auf molekularer Ebene mit dem Ei verschmolzen, so dass selbiges nur durch eilig von Feuerwehr und THW herangeschafftes Spezialgerät wieder aus der Form entfernt werden konnte.
  • … nach dem Bratvorgang so teuflisch heiß, dass es mangels Griff beim Herausnehmen aus der Pfanne mit verbrannten Fingern und dem Ausstoß wilder Flüche endete.

Sollte also jemand unter euch Lesern eine zuverlässige Bezugsquelle für quadratische Edelstahl-Spiegeleiformen parat haben oder auf sonstigen Wegen meine diesbezüglichen physischen und psychischen Leiden lindern können, der möge mir doch bitte einen hilfreichen Tipp in den Kommentaren hinterlassen. 😀

Warmwasserrecycling

Kann man nach all den Belästigungsskandalen rund um Harvey Weinstein, Louis C.K, Bill O’Reilly, Matt Lauer, Charlie Rose, … und dem hoffentlich damit einhergehenden Kulturwandel dann eigentlich als Mann auch gefahrlos seine Vorliebe für heiße Duschen offenbaren? Oder funktioniert dieser Wandel nur in eine Richtung und man wird von Geschlechtsgenossen weiterhin als der obligatorische „Warmduscher“ verspottet?

warmduscher-piktogramm

Ich jedenfalls kann kalte Duschen nicht ausstehen und gestehe hiermit, dass ich ohne das dem Deutschen inhärente schlechte Gewissen über all das verschwendete Wasser wahrscheinlich stundenlang in einer brühend heißen Dusche stehen würde.

Salat würde ich deswegen aber noch nicht dort zubereiten. 😉

Dennoch habe ich mich letztens gefragt, ob es nicht eine Art Erfindung/Technik gibt, mit der man, sagen wir nach zehn Minuten Duschzeit, einen Hebel umlegen und das abfließende heiße Wasser gleich wieder zum Duschen verwenden kann?

So könnte man auch mal eine halbe Stunde ohne schlechtes Gewissen duschen und das warme Wasser laufen lassen. 😀 Sauber genug müsste man nach dem Einseifen und dem gelegentlichen Schamponieren doch eigentlich sein, oder?

Gibt es hygienische Gründe, die dagegen sprechen? Würden da irgend welche Bakterienkolonien im Duschkopf wachsen? Könnte man das abfließende Wasser in dem Fall eventuell mit UV-Licht desinfizieren? Nie ist ein Klemptner da, wenn man mal einen braucht.

Hitler vs. Zeitmaschine

Als ich letztens zufällig ein Best-of-Video von Norm MacDonalds Hitlerwitzen entdeckt habe, war es natürlich unvermeidlich, an irgendeiner Stelle auf das übliche Szenario „Hitler per Zeitmaschine töten“ zu stoßen.

Zeitreise-Wurmloch

Wie so oft versichert man sich in froher Runde, dass man den Schneid hätte, Hitler auf diese Weise zu töten. Ich habe das schon so oft gehört, dass ich zwangsweise auch schon darüber nachgedacht habe.

Allerdings bin ich entgegen der landläufigen Meinung/Mär zu der Überzeugung gelangt, dass ich in keinem denkbaren Fall bereit wäre, Hitler per Zeitmaschine zu töten und es unverantwortlich wäre, dies auch nur in Erwägung zu ziehen.

Nehmen wir doch mal den Fall an, ich würde zurück reisen und dem kleinen Adolf als Kind begegnen. Tobias Haase hatte als „First Steps Award“ Gewinner 2013 zwar den Mut, den kleinen Racker per Mercedes zu überrollen, aber wer keine Skrupel hat, ein zu dem Zeitpunkt unschuldiges Kind zu ermorden, ist vielleicht nicht Teil der Lösung sondern selbst das Problem (vgl. Looper).

Nicht zu vergessen das in Sachen Zeitreisen oft erwähnte Problem des Großvaterparadoxons. Ich will jetzt sicher keine Diskussion über die Gräueltaten des Naziregimes vom Zaun brechen, diese banalisieren oder verharmlosen, aber wenn man diese im Kontext Zeitreisen betrachtet, muss man leider feststellen, das sie einen eklatanten Einfluss auf viele Lebensfäden hatten.

Wie kann man bei all diesen vernichteten Leben und Vertreibungen ernsthaft annehmen, nach der Ermordung Hitlers wieder in seine eigene Zeitlinie zurückzureisen?

Meine Familie ist sowohl von väterlicher als auch mütterlicher Seite geprägt durch Vertreibung aus dem heutigen Polen und Tschechien. So schrecklich es sich auch anhört, ohne Hitler wäre ich heute nicht auf der Welt. Meine Eltern wären sich schlichtweg nie über den Weg gelaufen.

Per Zeitreise Hitler zu töten hat für mich deshalb ebenso viel Gehalt, wie die unzähligen Eskimo-Wörter für Schnee. Schnell und unüberlegt als „gefühlt richtig“ ausgesprochen, hält es keiner näheren Betrachtung stand.

Die einzig richtige Antwort auf die Frage „Würdest du in der Zeit zurückreisen und Adolf Hitler töten“ kann also eigentlich nur Nein! lauten, oder nicht?

Healther statt Birther

Generell stehe ich auf dem Standpunkt, dass „Donald Trump“ nicht so sehr unser Problem, sondern das der Amerikaner ist. Sich über dieses oder jenes aufzuregen, was der alte Mann gerade wieder getan und gesagt hat, ist verschwendete Lebenszeit und schlecht für den Blutdruck.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich eigentlich sogar beruhigt zurück lehnen und die Reality-Show einfach nur die nächsten vier Jahr genießen.

Donald Trump mit wenig schmeichelhafter Wortwolke

Dennoch kann auch ich in gewissen Situationen nicht widerstehen, mich durch dieses Relikt aus den 80ern triggern zu lassen, um einen Kommentar abzugeben bzw. mir Fragen zu stellen.

Eine die mir kürzlich durch den Kopf ging war, wieso die linke Presse und Verschwörungstheoretiker nicht längst und vehement die Vorlage eines notariell beglaubigten Gesundheitszeugnisses von Trump fordern? In schöner Regelmäßigkeit wird angesichts der geistigen Ausfälle und der per Twitter verkündeten Falschaussagen lautstark und per Ferndiagnose über eine Demenzerkrankung spekuliert.

Wer erinnert sich nicht noch an die „Birther“-Attacken Trumps auf Barack Obama, in denen er diesem unterstellte, nicht in den USA geboren zu sein und öffentlichkeitswirksam das „Long Form Birth Certificate“ einforderte.

Wieso bleiben bisher die Forderungen nach einem „Long Form Brain Scan“ aus? Wieso gibt es noch keine „Healther“-Verschwörergruppe mit entsprechenden Hüten und Merchandising-Artikeln, die erst Ruhe geben, wenn zweifelsfrei fest steht, dass ihm nachweislich nicht von einem KGB-Agenten oder Außerirdischen ins Gehirn geschissen wurde? 😉

Ach, und weil wir gerade dabei sind – wieso schafft es Twitter angesichts der vielen kostenlosen Werbung eigentlich nicht, ein paar Dollar zu verdienen?

Fragen über Fragen.

Männergrippe

Wieso muss ich mir als jemand, der sich nach Tagen auszehrender, Ebola-ähnlicher 😉 Grippesymptome endlich wieder den Weg zurück ins Licht und das Leben gekämpft hat, ständig diese augenzwinklerischen Artikel und Videos über die „Männergrippe“ lesen und ansehen?

Grippe-Virus

Warum muss ich mir nach wie vor das Gerede entnervter und belustigter Frauen anhören, die an Grippe erkrankt noch ihre drei Kinder einkleiden und satt bekommen, nebenbei ein multinationales Unternehmen leiten, abends drei Stunden schwerer Feldarbeit ableisten und schlussendlich am gesamten familiären Fuhrpark noch als krönenden Abschluss die Winterreifen aufziehen?

Offenbaren doch die ebenfalls zur typischen Grippewellenzeit erscheinenden Artikel und Videos der Gegenseite, dass an dem Phänomen „Männergrippe“ bedingt durch die genetische Disposition und unterschiedlich starker Immunsysteme bei Mann und Frau durchaus etwas dran sein könnte.

Wie können Frauen uns ob unserer Unfähigkeit Kinder zu gebären stets mangelndes Einfühlungsvermögen in Sachen Geburtsschmerzen vorwerfen, dann aber so wenig Empathie an den Tag legen, uns Männer zu jeder neuen Grippesaison in Funk und Fernsehen als jammernde Memmen abzustempeln. Wenn da mal nicht wieder mit zweierlei Maß gemessen wird. 😉

Aber lassen wir das Thema. Der ursprüngliche Grund für den Beitrag ist die schon in einem früheren Beitrag erwähnte Frustration über „verlorene Lebenszeit“ angesichts der alljährlichen Beiträge, Artikel, Videos, Kommentare, … über jammernde Grippemänner, belustigte Frauen und gut gemeinter Gegenbeiträge, die wissenschaftlich eine Lanze für das männliche (schwache) Geschlecht brechen wollen. Ist hiermit alles für den „goldenen Einheitsbrei“ nominiert.

Schließlich – wer hätte es gedacht – steht schon in einer der Erstausgaben der Bauernregeln aus dem Jahre 1681:

Ist’s Männergeschlecht bei Grippe voll Jammer und unzufrieden,
liegt’s an der genetischen Disposition und Immunsystemunterschieden.

Ähnliche Beiträge:

Wieso wählt die USA Dienstags?

Wie viele von euch wissen, wählen unsere amerikanischen Freunde just heute ihren nächsten Präsidenten. Dieser heißt entweder Hillary Clinton oder Donald Trump, wenn man mal die chancenlosen, unabhängigen Kandidaten außen vor lässt.

Nachdem ich den „Brexit“ für ziemlich unwahrscheinlich gehalten habe und eines Besseren belehrt wurde, rechne ich dieses Mal fest mit einem Präsidenten Donald Trump. 😉

Ansteck-Button mit der Aufschrift „Vote“

Er wäre gut in einer Runde mit Frauke Petry, Marine Le Pen, Geert Wilders, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan aufgehoben. Man kann dem Zeitgeist des Isolationismus förmlich bei der Arbeit zusehen.

Darum soll es aber gar nicht gehen. Viel mehr interessiert mich, ob sich einer von euch schon gewundert hat, wieso in den USA ausgerechnet an diesem Dienstag gewählt wird? Macht doch auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn.

Es stellt sich heraus, dass das auf ein uraltes Gesetz aus dem Jahr 1845 zurückgeht.

Da sich seinerzeit die Abhaltung einer Wahl am Sonntag wegen der Heiligkeit des Sabbat verbat, war der nächstmögliche Termin eigentlich der Montag. Das vorherrschende Verkehrsmittel war damals allerdings Pferd und Pferdewagen. Eine Anreise damit zum Verwaltungssitz/Wahllokal nahm einige Zeit in Anspruch, weshalb man schließlich den Dienstag als nächstmöglichen Tag festschrieb. Mittwoch schied übrigens auch aus, weil das üblicherweise der Markttag war.

Nur aus diesem Grund wird auch heute noch in den USA am Dienstag nach dem ersten Montag im November die Wahl abgehalten.

Soweit ich das recherchieren konnte, gibt es bereits seit 1997 Bestrebungen, dies zu ändern  („Weekend Voting Act“), aber bisher ist das offenbar irgendwo versandet oder eine Änderung nicht erwünscht. Kenne mich in der amerikanischen Legislatur nicht gut genug aus.

Wenn da mal nicht ein „haben wir schon immer so gemacht“ zwischen den Zeilen mitschwingt. Oder wie gerne von mir von „Hamish Campbell“ aus Braveheart zitiert:

… die können sich nicht über die Farbe von Scheiße einigen!“

Für die des Englischen kundigen unter euch findet sich das ganze nochmal hübsch zusammengefasst in dem Beitrag aus der Kategorie „How is THIS still a thing“ aus der Sendung Last Week Tonight mit John Oliver.