Smartwatch-Zusatzgedanken

Diese Zeilen sind ein kleiner Nachtrag zu meinen im April geäußerten Smartwatch-Gedanken. Gemäß WordPress-Statistik nach Aufrufen einer der eher uninteressanteren Beiträge. Da ich das Blog aber auch für mich selbst schreibe, soll es mich nicht davon abhalten, das Gesamtbild mit einem weiteren Puzzle-Teil zu vervollständigen.

armbanduhr-selbstaufzug-armbewegung

Wie ich seinerzeit schon geschrieben habe, ist das Thema Akkulaufzeit in meinen Augen der entscheidende Faktor. Eine Armbanduhr, die ich spätestens alle zwei Tage zum Aufladen abnehmen muss oder bei der ich ständig Gefahr laufe, dass ihr mitten am Tag die Puste ausgeht, ist in Sachen Benutzerfreundlichkeit eine absolute Fehlentwicklung und käme mir nicht an mein Handgelenk.

Auch die sich selbst aufziehenden Automatikuhren vergangener Tage hatte ich erwähnt und was soll ich euch sagen — Potzblitz, stoße ich vor ein paar Wochen im heise-Newsticker doch tatsächlich auf die Meldung der Sequent Smartwatch mit eingebautem Mikro-Generator von Kinetron.

Besagtes Mikro-Generator-System generiert mit Hilfe eines pendelnden Gewichts aus der Armbewegung des Trägers Strom, der in einem Akku in der Uhr gespeichert wird. Genau so hatte ich mir das in meinen wildesten Träumen vorgestellt.

Meine nächsten Frage wäre jetzt:

  • Wie viel Energie produziert so ein Generator in einer üblich großen Armbanduhr und reicht das für den gelegentlichen Betrieb eines (ePaper-)Displays?
  • Können bei entsprechendem Energiebedarf mehrere Generatoren in eine Uhr eingebaut werden, die alle durch das gleiche Pendelgewicht angetrieben werden?
  • Reicht das Energiebudget für die ursprünglich erwähnten Einsatzzwecke, wenn man auf Aspekte wie Fitnessarmband (Schrittzähler, Herzrhythmus, …), Smartphone-Kopplung, … verzichtet?
  • Kann so ein Mikro-Generator auch durch manuelles Aufziehen an der Krone Energie erzeugen, wenn mal Not am Mann/an der Frau ist?

Ts, ts! Fragen über Fragen.

Apropos, nachdem mein derzeitiger Radiowecker scheinbar durch einen Defekt im Lautstärkeregler Radiomusik entweder nur„ultraschall-leise“ oder „herzstillstandauslösend-laut“ abspielt, habe ich mir mal einen Überblick über das aktuelle Marktangebot gemacht und bin relativ enttäuscht. Nichts auch nur annähernd Brauchbares, das mich per Radio oder wahlweise MP3 wecken kann.

Das brachte mich auf die naive Idee, ob man da nicht etwas aus einem Raspberry Pi Zero und einem LED Matrix-Display zaubern könnte. Und warum erzähle ich das alles?

Na, weil das ein weiterer Einsatzzweck für meine imaginäre Smartwatch wäre. Eine (Bluetooth-)Kopplung mit dem Open Source-Radiowecker, der bei Alarm zusätzlich die Uhr am Handgelenk vibrieren ließe. Selbstverständlich könnte ich mit dieser auch die Schlummertaste betätigen, ohne meine Hand unter der wohlig-warmen Bettdecke hervorstrecken zu müssen.

Wie schon erwähnt eben nicht nur faul, sondern „SnugWOW-Faul“ 😉

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Smartwatch-Gedanken

Die Vorstellung einer „Smartwatch“ hat mich eigentlich schon als Kind total fasziniert. Nicht, weil Michael Knight ständig in seine Armbanduhr gequatscht hat, sondern weil man diese immer dabei hat und nicht wie sein Smartphone versehentlich irgendwo liegen lassen kann. Außerdem hat man im Gegensatz zum Smartphone weiterhin seine Hände frei, um andere Dinge zu tun. Alltags-Minimal-Invasiv sozusagen.

Smartwatch mit Display

Genau das ist auch der Grund, warum die meisten, wenn nicht alle derzeitigen Smartwatches für meine Begriffe ein Reinfall sind. Eine Armbanduhr, die ich alle ein bis zwei Tage zum Aufladen abnehmen muss oder die ständig Gefahr läuft, mitten am Tag wegen leerem Akku auszufallen, verfehlt völlig den Sinn und Zweck.

Für mich sollte eine Armbanduhr mindestens ein halbes Jahr durchhalten können, bevor ich sie zum Aufladen abnehmen muss. Dabei bin ich noch großzügig. Besser wäre ein Jahr oder mehr. Sonst droht Smartwatches meiner Meinung nach langfristig das gleiche Schicksal wie dem 3D-Fernseher oder mit Vorbehalt auch der aktuellen VR-Technik, wenn diese den Benutzer mit Kabeln an ein Gerät fesseln möchte.

Das mag angesichts dessen, was ich weiter unten in diesem Beitrag schreibe, furchtbar naiv klingen, aber wenn man mit der aktuellen Technologie und Akkutechnik nicht hinkommt, muss man eben Mittel und Wege finden, wie die benötigte Energie in der Uhr oder am Körper generiert werden kann oder die Verbraucher in der Uhr soweit auf Energiesparsamkeit trimmen, dass ein kleineres Energiebudget ausreicht.

Energiegewinnung

Was ist nur aus den Automatikuhren geworden, die sich durch die eigene Armbewegung ständig aufgezogen haben? Könnte man das Konzept einer sich selbst aufziehenden Feder nicht irgendwie mit einer Art „Minidynamo“ kombinieren, der die Federenergie in elektrische Energie umwandelt und damit den Uhrenakku immer wieder auflädt? Forscher in der Schweiz experimentieren gerade damit, durch die Herzmuskelbewegungen eines Patienten seinen Schrittmacher anzutreiben. Wäre da der Sprung zur Smartwatch so weit?

Wenn der „Minidynamo“ dann schon in der Uhr drin ist, wieso sollte man nicht bei leerem Akku durch manuelles Drehen an der Uhrenkrone selbst Arbeit in Energie umwandeln können? Fünf Minuten an der Uhr gedreht und der Akku wäre wieder voll genug für den nächsten halben Tag?

Vielleicht kann man ja auch noch irgendwie eine kleine Solarzelle einbauen um zusätzlich auch das Sonnenlicht anzuzapfen? Keine Ahnung ob so etwas technisch umsetzbar wäre, aber ein Energiemix würde Sinn machen. 😀

Smartwatch fürs Smarthome

Wenn die Energie- bzw. Aufladeproblematik gelöst wäre, stellt sich die Frage, wofür die Smartwatch nutzen? Im Gegensatz zu der heutigen App-Spielerei, welche die Uhr nur zur Verlängerung des in der Hosentasche befindlichen Smartphones macht, entspringt mein Interesse an einer Smartwatch meiner exorbitanten Faulheit.

Und wir reden da nicht von der Art üblicher Faulheit im Vorbeigehen den Briefkasten auszuleeren, sondern von „SnugWow„-Dimensionen. 😉

Faulheit solcher Ausprägung, dass ich auf der Couch vor dem Fernseher liegend, lieber einen Katheter von meiner Blase bis ins Badezimmer legen lassen würde, als aufzustehen. Sollte jemals eine dieser Portalkanonen erfunden werden, würde ich damit wohl ganz profan und völlig unbeeindruckt mein Toilettenproblem lösen. 😉

Damit ohne Umschweife weiter zu den Wunschfeatures, die mir in den letzten Jahren in den Sinn gekommen sind.

Indoor-Positionsbestimmung

Meine Smartwatch ermittelt per Bluetooth-Beacon oder WLAN die Position in der Wohnung und bietet mir darauf basierend entsprechende Aktionen auf dem Touch-Display an.

Lichtsteuerung

Liege ich auf der Couch und habe vergessen in einem anderen Zimmer das Licht aus zu machen, genügt eine kleine Berührung und der leuchtende Störenfried erlischt. Tragen alle Mitbewohner eine Smartwatch, würde die Lampen in momentan nicht genutzten Räumen automatisch ausgeschaltet werden.

Anruferkennung

Klingelt das Festnetztelefon? Ein Blick auf die Uhr und schon weiß man, ob es sich lohnt aufzustehen. Ein kurzes Antippen leitet den Anrufer entweder auf den Anrufbeantworter um oder lehnt das Gespräch gleich ab.

IP-Kamerabild

Ein schmieriger Vertreter oder Zeuge Jehovas steht vor der Tür und stört durch Bestätigen der Türklingel das häusliche Idyll? Ein schneller Blick auf die Uhr und das Live-Videobild der IP-Kamera macht den Gang zum Türspion überflüssig.

Wenn eine kurze Berührung auf dem Display Auszüge aus dem berühmten „Angels With Filthy Souls“-Sample aus „Kevin allein zu Haus“ in der Gegensprechanlage abspielt, um den Eindringlich zu vertreiben, wäre das natürlich ein willkommener Bonus. 😉

Smarthome-Steuerung

Die Raumtemperatur ist zu hoch oder niedrig? Meine Smartwatch steuert natürlich auch die smarten Heizkörperthermostate. Gleiches gilt für die Fenster und Türkontakte. Hoffentlich kann man in naher Zukunft Fenster und Türen auch gleich elektronisch schließen.

Anwesenheitskontrolle

Wenn jeder Bewohner eine entsprechende Smartwatch trägt, erkennt die smarte Alarmanlage, dass niemand zu Hause ist und aktiviert sich von selbst. Auch in diesem Szenario werden alle Fenster und Türkontakte geprüft und Fenster und Türen gegebenenfalls geschlossen. Bei smarten Türschlössern könnte auch gleich ganz abgeschlossen werden.

Sprachsteuerung

Zum Schluß sei nochmal die Sprachsteuerung à la „Michael Knight“ erwähnt. Prinzipiell hätte ich nichts gegen eine Sprachsteuerung einzuwenden. Sie müsste allerdings ohne Cloudanbindung funktionieren.

Wieso muss bei Systemen wie Microsofts Cortana, Amazons Alexa oder Apples Siri jeder Sprachfetzen auf irgend welche US-Cloudserver übertragen werden, wenn mein uraltes Siemens-Mobiltelefon schon eine Sprachwahl hatte?

Fazit

Soviel Gehirndurchfall von mir heute zu dem Thema. Da mir diese Ideen bzw. Gedanken bei jeder Faulheit-bietenden Gelegenheit durch den Kopf gehen, habe ich mir gedacht, warum nicht mal einen Beitrag darüber verfassen.

Wem weitere Einsatzgebiete oder Ideen zu meiner „Smartwatch“ einfallen oder nur seinem Ekel ob der widerwärtig zur Schau gestellten Faulheit Ausdruck verleihen möchte, ist eingeladen, dies in den Kommentaren unter diesem Beitrag zu tun.

Ich freue mich über jede Stimme oder Hinweis auf entsprechende Kickstarterprojekte. 😀

Männergrippe

Wieso muss ich mir als jemand, der sich nach Tagen auszehrender, Ebola-ähnlicher 😉 Grippesymptome endlich wieder den Weg zurück ins Licht und das Leben gekämpft hat, ständig diese augenzwinklerischen Artikel und Videos über die „Männergrippe“ lesen und ansehen?

Grippe-Virus

Warum muss ich mir nach wie vor das Gerede entnervter und belustigter Frauen anhören, die an Grippe erkrankt noch ihre drei Kinder einkleiden und satt bekommen, nebenbei ein multinationales Unternehmen leiten, abends drei Stunden schwerer Feldarbeit ableisten und schlussendlich am gesamten familiären Fuhrpark noch als krönenden Abschluss die Winterreifen aufziehen?

Offenbaren doch die ebenfalls zur typischen Grippewellenzeit erscheinenden Artikel und Videos der Gegenseite, dass an dem Phänomen „Männergrippe“ bedingt durch die genetische Disposition und unterschiedlich starker Immunsysteme bei Mann und Frau durchaus etwas dran sein könnte.

Wie können Frauen uns ob unserer Unfähigkeit Kinder zu gebären stets mangelndes Einfühlungsvermögen in Sachen Geburtsschmerzen vorwerfen, dann aber so wenig Empathie an den Tag legen, uns Männer zu jeder neuen Grippesaison in Funk und Fernsehen als jammernde Memmen abzustempeln. Wenn da mal nicht wieder mit zweierlei Maß gemessen wird. 😉

Aber lassen wir das Thema. Der ursprüngliche Grund für den Beitrag ist die schon in einem früheren Beitrag erwähnte Frustration über „verlorene Lebenszeit“ angesichts der alljährlichen Beiträge, Artikel, Videos, Kommentare, … über jammernde Grippemänner, belustigte Frauen und gut gemeinter Gegenbeiträge, die wissenschaftlich eine Lanze für das männliche (schwache) Geschlecht brechen wollen. Ist hiermit alles für den „goldenen Einheitsbrei“ nominiert.

Schließlich – wer hätte es gedacht – steht schon in einer der Erstausgaben der Bauernregeln aus dem Jahre 1681:

Ist’s Männergeschlecht bei Grippe voll Jammer und unzufrieden,
liegt’s an der genetischen Disposition und Immunsystemunterschieden.

Ähnliche Beiträge:

Altersbedingtes Déjà-vu

Als ich letztens bei einer TV-Sendung hängen geblieben bin, in der ein Metzger interviewt wurde und dem aufgrund seiner Körperfülle augenzwinkernd die Frage gestellt wurde, wie gern und oft er seine eigenen Produkte konsumiert, ist mir schlagartig aufgefallen, wie sich Déjà vu-Erlebnisse in den letzten Jahren bei mir zu häufen scheinen.

Déjà-vu

Ich merke das daran, dass ich mir immer häufiger die letzten fünf Minuten Lebenszeit zurückwünsche, wenn sich eine Handlung oder Situation in einer Weise entwickelt, dass sich über deren leider vorhersehbaren Ausgang aufgrund fortgeschrittener TV-Erfahrung Enttäuschung breit macht. In extrem entnervten Gemütszuständen neige ich inzwischen sogar dazu, dem Fernseher bzw. imaginären Sendungsverantwortlichen ein lautstarkes und verächtliches „Und wieder fünf Minuten Lebenszeit, die mir keiner zurückbringt“ entgegenzuschleudern.

Das soziale Umfeld reagiert erwartungsgemäß nicht sehr positiv, wenn es ob der verschwendeten Sendeminuten unerwartet aus mir herausbricht. Eine andere Lösung als das Fernsehen komplett einzustellen ist mir bisher nicht eingefallen. 😉

Ich erwäge allerdings ernsthaft, mit einer Materialsammlung zu beginnen und mir dafür eine Kategorie auszudenken, unter der ich solche Lebenszeitfresser veröffentlichen kann. Ihr habt nicht zufällig eine Idee?

Könnte man ja auch mit einem Award für Fantasie- & Einfallslosigkeit garnieren. Wie wäre es z.B. mit der „goldenen Schüssel Einheitsbrei“?

Anfangen würde ich wie gesagt mit dem korpulenten, wohlstandsbäuchigen Metzger, dem man die latenten Bluthochdruckprobleme an den rosigen Wangen und dem hochroten Kopf förmlich ansehen kann und dessen Interviews oder Gesprächsbeiträge stets mit der Erkenntnis enden, dass ihm oder ihr die eigene Wurst einfach „zuuu guuuuut“ schmecken würde.

Zu meiner Überraschung wurde im bewussten Metzgerbeitrag übrigens weder ein Cutter noch Autoklav erwähnt. Zumindest das ist mir also erspart geblieben. #Silberstreif

Ähnliche Beiträge:

Deutscher Abkassierterror

Zwei Figuren reden über DeutschlandAls jemand der in unregelmäßigen Abständen gern auf YouTube in „Germany“-Videos stöbert (siehe meine Kategorie „Germæntion“), ist mir bei den Beschreibungen der Unterschiede zwischen Deutschland und im speziellen der USA ein immer wieder erwähnter Punkt aufgefallen, den ich hier gerne einmal ansprechen möchte.

Es geht dabei um das Abkassieren und anschließende Einpacken der Waren im Supermarkt. Ihr wisst schon, der Teil nachdem man diese hübsch säuberlich auf das „Kassenband“ gelegt und auf selbigem mit den entsprechenden „Warentrennern“ sein Revier markiert hat. Beides komischerweise Wörter, die es offenbar nicht in den amerikanischen Sprachwortschatz geschafft haben.

Kassenband im Supermarkt mit Waren

Our typical shop at Morrisons“ von Kai Hendry ist lizensiert unter CC BY 2.0

Während einem in den USA offenbar ein sogenannter „bagger“ (abgeleitet vom englischen „bag“ → Tüte oder Beutel und nicht Bodos Arbeitsgerät) die Einkäufe direkt transportfertig in Tüten einpackt, und es diese Kunst zu solcher Blüte getrieben hat, dass dieser Berufsstand schon nationale Meisterschaften veranstaltet, herrscht in unseren Supermärkten nach meiner Erfahrung das Prinzip „Friß oder stirb“ bzw. eben die viel zitierte „Servicewüste Deutschland.“

Seit Einführung der modernen Scannerkassen, über die man die Ware zum Scannen des Barcodes nur noch herüberziehen muss, hat sich die Situation nach meinem Empfinden sogar noch verschlimmert. Ich kann meinen Einkaufswagen mittlerweile gar nicht mehr schnell genug an das Ende der Kasse manövrieren, um das Stakkato des Stroms an abkassierten Waren vom Herabfallen auf den Boden zu bewahren.

Vermutlich wird das Kassenpersonal in knallharten, menschenschinderischen Seminaren darauf trainiert in solchem Momenten jedweden Blickkontakt zum Kunden zu vermeiden. Ansonsten würden sie nämlich in meine gehetzten und hilflosen Augen blicken, die um Gnade und eine Pause flehen.

Unterstützt durch den genervten Blick der nachfolgenden Kunden, denen der Vorgang offenbar immer noch nicht schnell genug von statten zu gehen scheint, gesellt sich dann noch das Gefühl der Un­zu­läng­lich­keit hinzu. Offenbar bin ich stets der einzige Kunde im Laden, der nicht fähig ist, seine Einkäufe „deutsch“, „zackig“ und „effizient“ in den Einkaufswagen zu verfrachten, um den Kassenbereich zügig zu räumen. Das lese ich zumindest aus dem leicht angewiderten Gesichtsausdruck der in der Kassenschlange nachfolgenden Mitmenschen. Fehlt eigentlich nur, dass einer von denen den moralischen Zeigefinger hebt und ein Gespräch eröffnet mit den Worten: „Wenn ich ihnen da mal einen Tipp geben darf …

Dabei bin ich sogar schon dazu übergegangen, die Waren nach Grad der Schwere auf das Kassenband zu legen, damit mir beim hastigen Wiedereinräumen nicht die schwere Dose Tomaten auf den Karton mit den Eiern fällt. Erfahrungswerte eben.

Selbst ein kurzzeitiger Stau veranlasst die Kassierer in meinem lokalen Supermarkt nicht, die Tätigkeit kurz einzustellen. Nein, die Ware wird gnadenlos weitergescannt und bedrohlich kunstvoll in die Höhe gestapelt. Man fühlt sich fast an die berühmte Fließbandszene aus Charlie Chaplins „Modern Times“ erinnert.

Ich wette in diesen ominösen Seminaren wird auch eine Unterrichtseinheit Jenga gelehrt. 😉

Während ich noch im Einkaufswageneinräumprozess gefangen bin, bellt mir die „nette“ Dame nach Beendigung ihres „Waren über eine Glasplatte schieben“-Prozesses einen Geldbetrag entgegen, dessen Bezahlung – unterstrichen durch die fordernde Geste einer mir entgegengestreckten, geöffneten Hand – natürlich keinen Aufschub duldet. Na gut, dann eben erst bezahlen und dann den Rest einräumen.

Wer an dieser Stelle widererwartend ein bisschen Mitgefühl und menschliche Wärme seitens unserer Kassiererin erwartet, die uns unter wohlwollendem und mitleidigem Blicken noch ein paar Sekunden gewährt, um den Rest unserer Einkäufe im Wagen zu verstauen, der irrt sich. Die Waren des nächsten Kunden wandern unbeeindruckt ans Ende der Kasse und mischen sich mit meinem kläglichen Rest, der noch immer nicht den Weg in meinen Einkaufswagen gefunden hat.

Das Ende vom Lied ist, dass dort jetzt schon zwei aufgelöste Kunden stehen, die mit Argusaugen sich und die vermischenden Einkäufe bewachen, weil jeder von uns die Angst umtreibt, das Gegenüber würde in einem unbeobachteten Moment zum gemeinen Dieb avancieren und sich am Glas mit den Gewürzgurken vergreifen. Oder habe am Ende nur ich so wenig Vertrauen in meine Mitmenschen, dass ich so niedere Motive unterstelle?

Die Kirsche auf dem Sahnetüpfelchen dieser Beschreibung meines durchschnittlichen Einkaufserlebnisses ist, dass die erwähnte Supermarktkasse durchaus mit so einer Trennfahne am Ende ausgestattet ist, die ein Vermischen der Einkäufe verhindern und mir genug Zeit geben würde den Kassenbereich in ruhigen Bahnen zu verlassen. Wie es scheint ist die Funktionsweise dieses Kassenmerkmals allerdings nicht Teil der Mitarbeiterschulung. Oh du grausame Welt.

P.S. Dana Newman vom YouTube-Channel „Wanted Adventure“ beschreibt in ihrem Video „Why I SUCK at Grocery Shopping in Germany“ ein verblüffend ähnliches Szenario.

Nachtrag ( 2.9.2016 ):

Wie es der Zufall so will, erwähnt Hayley Alexis, eine Amerikanerin (Florida) aus München, in einem ihrer letzten Videos das gleiche Problem. Man kann hier also wirklich von einem „Typisch Deutsch“-Phänomen sprechen. 🙂

Zitatenkiste

Der größte Feind des Wissens ist nicht Unwissenheit,
es ist die Illusion, wissend zu sein.

Ein Zitat das laut meiner Recherche irrtümlich Stephen Hawking zugeschrieben wird, aber wohl eigentlich vom amerikanischen Historiker und Schriftsteller Daniel J. Boorstin stammt.

Das aber nur am Rande. Wichtiger ist natürlich das Zitat selbst. Es löst zwar nicht meinen schon erwähnten Favoriten von Henry Louis Mencken ab, aber rangiert doch ziemlich weit oben.

Unwissenheit

Ich bin immer wieder erstaunt, wie schwer es vielen Menschen fällt, sich das eigene Unwissen einzugestehen oder das was man glaubt zu wissen kritisch zu hinterfragen. Ich vermute dabei handelt es sich um den gleichen Menschenschlag, der auf die Frage, warum dies oder jenes nun so oder so erledigt wird, immer mit einem lapidaren „weil wir das schon immer so gemacht haben“ antwortet.

Ich ziehe ein ehrliches „Das weiß ich nicht“ jederzeit dem Geschwätz eines Menschen vor, der versucht, mit Halbwissen und einer Portion Fantasie seine Wissenslücken zu überspielen.

Das Zitat passt aber auch erstaunlich gut für alle in der Facebook-Filterblase sitzenden Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten, Freizeit-Volksverhetzer und Leute, die glauben, IKEA-Möbel ohne Anleitung aufbauen zu können. 😉

Nicht zu vergessen die ganzen „Big Data“-Enthusiasten, die glauben in großen Datenhalden mit den richtigen Fragen und Algorithmen die ultimative Erkenntnis zu gewinnen aber am Ende Scheinkorrelationen hinterherrennen.

Tattoo-Dilemma

Was Tattoos angeht, ist mein Körper abgesehen von ein paar Muttermalen hier und da noch immer eine weiße, unbefleckte Leinwand. Der Traum und Alptraum jeden Malers.
Das hat natürlich mehrere Ursachen, welche ich mangels eines besseren Themas einfach völlig ungefragt in diesen Blogbeitrag gieße. 😉

Tätowierter Elefant

Da wäre zunächst mal meine Hypochondrie kombiniert mit den kolportierten Horrorgeschichten über nicht vorschriftsmäßig desinfizierte Tätowiernadeln und -studios und die etlichen Krankheiten, die man sich einfangen kann. Die bekannte Baywatch-Blondine Pamela Anderson hat sich an der Nadel ihres Mannes schließlich eine unschöne „Hepatitis C“ Infektion eingefangen.

Das allein war schon immer Grund genug, mich von jedem Tattoo-Studio fernzuhalten. In der Regel vermitteln diese ja auch nicht gerade den Eindruck eines gut desinfizierten, Krankenhauszimmers.

Den nächsten Punkt hat für mich der TV-bekannte Tätowierer Daniel Krause in mein Bewusstsein gerückt, als er einen Bundesverband Tattoo gründete, um einen einheitlichen Standard bzw. das professionelle Berufsbild des Tätowierers zu etablieren. Das umfasst z.B. einheitliche Arbeits- und Hygienestandards oder eine Nachweispflicht von Fachkenntnissen im Tattoogewerbe. Bisher kann sich nämlich wie bei den Nagelpflegern offenbar jeder Tätowierer nennen.

Auch sein Kampf für gesundheitlich unbedenkliche Tattoofarben hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass noch gar nicht richtig erforscht ist, was wir da unter unsere Haut stechen. Bei vielen Tätowierern fehlt erschreckend oft das Problembewusstsein. Den Leuten ist vielfach gar nicht bekannt, was genau da dem Kunden unter die Haut gestochen wird. Blau ist eben blau.

Der dritte und höchstwahrscheinlich wichtigste Grund, wieso meine Haut noch immer unbebildert erstrahlt, ist allerdings die Frage nach dem Motiv.

Es heißt ja immer, stechen sollte man sich nur solche Motive, die einem auch dann nicht peinlich sind, wenn man als bettlägriger, alter Sack im Pflegeheim zur Vermeidung eines Dekubitus-Geschwürs stündlich umgelagert werden muss und die Schwester einen Blick auf das Kunstwerk werfen kann.

Genau das ist die Krux an der Sache. Bisher will mir einfach kein Motiv einfallen, das dieses Kriterium erfüllt. Nichtsdestotrotz habe ich mir schon oft über Motive Gedanken gemacht, die mich alle Bedenken über Bord werfen ließen. Und was soll ich sagen, über all die Jahre, sind nur zwei Kandidaten übrig geblieben bzw. haben sich herauskristallisiert.

Da wäre zum einen die bildliche Darstellung meines inneren Schweinehundes, den ich zwar „liebevoll Krastro“ nenne, der in meiner Vorstellung aber nichts mit einem treu doofen, schwanzwedelnden Hund gemein hat, sondern eher an die Bilder von unter der Wasseroberfläche lauernden Monstern (1, 2, 3, 4, 5) erinnert.

Leider hat die Tatsache, dass „Krastro“ ein Monster ist, nie ausgereicht, ihn mir auch bildlich vorstellen zu können. Deswegen – bisher kein Tattoo.

In Tim Urbans TED Talk ist es übrigens kein Schweinehund, sondern ein Affe. Auch das hat „Krastros“ Bild in meiner Vorstellung zu meinem Bedauern nicht schärfer gezeichnet.

Das zweite Motiv wäre eine bildliche Darstellung des berühmten Richard Dawkins Zitats aus seinem Buch „Der entzauberte Regenbogen

Wir alle müssen sterben, das heißt, wir haben Glück gehabt. Die meisten Menschen sterben nie, weil sie nie geboren werden. Die Männer und Frauen, die es rein theoretisch an meiner Statt geben könnte und die in Wirklichkeit nie das Licht der Welt erblicken werden, sind zahlreicher als die Sandkörner in der Sahara. Und unter diesen ungeborenen Geistwesen sind mit Sicherheit größere Dichter als Keats, größere Wissenschaftler als Newton. Das wissen wir, weil die Menge an Menschen, die aus unserer DNA entstehen könnten, bei weitem größer ist als die Menge der tatsächlichen Menschen. Und entgegen dieser gewaltigen Wahrscheinlichkeit gibt es gerade Sie und mich in all unserer Gewöhnlichkeit.

Die Tatsache, dass von allen denkbaren Kombinationsmöglichkeiten der DNS meiner Eltern nur ich das Licht der Welt erblickt habe, empfand ich zu verschiedenen Zeiten schon immer als Motivation, etwas Besonderes aus meinem Leben zu machen.

Für eine symbolische, knackige Darstellung in einem Tattoo fehlt mir bisher die Fantasie. Den Spruch selbst zu stechen, wäre in meinen Augen fantasielos. Da könnte ich mir genauso gut die chinesischen Schriftzeichen für „Toilette“ als Schlampenstempel eintätowieren lassen.

Sollte ich also jemals einen entsprechenden Geistesblitz haben, meine Hypochondrie überwunden haben und die Tattoofarbe klinisch nachgewiesen unbedenklich sein, könnt ihr sicher sein, dass ich der erste in der Schlange vor einem Tattoo-Studio bin. 🙂

Nachtrag ( 13.7.2016 ):

Wie schon früher, ist einige Tage später auf bento, welches zu Spiegel-Online gehört, ein thematisch verwandter Artikel erschienen, den ich hier der Vollständigkeit halber nachreiche.

Wenn mein Blog nicht der Inbegriff des „Long Tail“-Blogs wäre, müsste ich glatt davon ausgehen, die Spiegel-Online-Redaktion scannt in regelmäßigen Abständen mein  unbedeutendes Blog auf der Suche nach den Stories von morgen. 😉