Die Cloud klaut …

… und zwar die Privatsphäre. Den Gedanken hatte ich jedenfalls wieder, als ich kürzlich in der aktuellen Ausgabe der c’t den Test zu Nokias neuem Schlafsensor und Smart Home Pad namens Nokia Sleep gelesen habe.

auge-spion-verfolgung

Besonders wichtig waren dabei für mich die folgenden Feststellungen des Autors:

Die von Nokia Sleep ermittelten Daten lassen sich wahlweise auf der „Health Mate“-App oder über das Internetportal „Nokia Health“ abrufen — ein Konto beim Hersteller ist auf jeden Fall Pflicht. …

Der Internetzwang durch die Verbindung über IFTTT nervt aber etwas. …

Da wurden sofort wieder Erinnerungen an das vor zwei Jahren getestete „Gardena smart system“ wach. Dieses „smarte“ System aus Gateway, Pflanzensensor, Bewässerungsventil und Mähroboter ließ sich bei Ausfall des eigenen Internetanschlusses nicht mehr per App fernsteuern, selbst wenn das heimische Netzwerk noch seinen Dienst tat. Auch hier lief ohne die entsprechende Anbindung an die Gardena-Server nicht viel.

Als der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Demokraten im US-Senat Dick Durbin bei den Anhörungen in der Causa „Cambridge Analytica“ Herrn Mark Zuckerberg mit seinen Fragen nach dessen Hotelaufenthalt und den zuletzt kontaktierten Personen ins Schwitzen brachte, wurde er dafür zu Recht gefeiert.

Wie lange wird es aber noch dauern, bis endlich jemand Verantwortliche wie die von Gardena oder Nokia vor ein Gremium schleift und Antworten darüber verlangt, wie feucht deren Rasen ist, wann sie in der Regel zu Bett gehen oder ob sie zum Schnarchen neigen?

Wie schon bei meinem Beitrag über autonome Autos kann ich auch hier nur konstatieren, dass es diese Leute doch einen „Scheißdreck“ angehen sollte, was ich mit meinem bezahlten Eigentum anstelle.

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie wütend es mich regelmäßig macht, wenn ich wieder über einen Hersteller stolpere, der seine übergriffigen Händen in meine „Daten-Keksdose“ steckt. Ernsthaft — wieso werden Produkte nicht mehr mit eingebautem Datenschutz (Privacy by design) entwickelt? Wieso muss ich für Datenschleudern jeder Art einen stattlichen Kaufpreis bezahlen, mir das Eigentum der Daten aber über die Politik bzw. Gesetze sichern?

Der Zakdorn in mir sieht hier natürlich statt „Ungleichheit“ die „Herausforderung“ 😀 und damit ein riesiges Potential für entsprechende Produkte.

Wie heißt es im Gegensatz zum röhrenden Hirschen vor Bergsee-Idyll in amerikanischen Filmen auf den ungezählten Stickbildern so schön:

My home is my castle

Ist die Zeit nicht reif für eine auf Open-Source-Software basierende, einfach zu bedienende, modulare und eigene persönliche Cloud?

Ein geschlossenes System. Einfach zu installieren, zu warten und zu bedienen. Das meine E-Mails, Termine, Kalender, Gesundheitsdaten, Video- und Audiodateien, … und alle anderen, denkbar anfallenden Daten auf standardisierter, günstiger Hardware verschlüsselt in meinen eigenen vier Wänden speichert? Über dessen Zugriff durch Dritte ich im Einzelfall selbst entscheiden und den ich jederzeit widerrufen kann? Spricht da heute technisch noch etwas dagegen? Wäre das machbar?

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8 Gedanken zu “Die Cloud klaut …

  1. Es gibt garantiert schon eine auf Linux-basierende OpenSource-Lösung einer richtigen Home-Cloud. Zumindest einer freien Heimlösung für Datenspeicherung, z.B. http://www.freenas.org/

    Aber solange Billigstprodukte aus Fernost mit lachhaftem „Datenschutz“ daher kommen und selbst Kaffeemaschinen unkontrolliert im Netz umhereiern, während unsere Politiker 20 Jahre nach offiziellem Start des Internets(!) immer noch von Neuland faseln… das wird nix. Sicherheit gilt als teuer, teuer verkauft sich schlechter als Klicki-Bunti, also nix mit großartiger Sicherheit.
    Solange Marketingfritzen der IT-Technik hineinlabern dürfen, wird weiterhin Idiotenfasching gefeiert. Ich kenne niemanden, der noch nie Ärger mit der Cloud hatte, es sei denn er/sie war grenzdebil blöd und konzern-/technikgläubig und -blauäugig. Die einzige Sicherheit, die einem da geboten wird, ist „Security by Obscurity“. Man versteckt sich in der Masse – frei nach dem Motto der Fischer-Chöre : Wenn so viele falsch singen, fällt es nicht auf.

    • Bei den schlecht abgesicherten Billigprodukten muss ich dir recht geben. Der ganze IoT-Kram wird uns in den nächsten Jahren kräftig in den „Hintern beißen“ – um es mal höflich auszudrücken. Da bekommen besorgte Bürger einerseits Schnappatmung, wenn ein Google Streetview-Auto auf einer öffentlichen Straße ein paar Bilder schießt, nur um dann per ungesicherter IP-Kamera das Geschehen im heimischen Kinderzimmer in die Welt herauszufunken. Idiotisch.

      Vielen Dank für den Tipp mit FreeNAS und natürlich auch das von ‚dergrafvonborg‘ erwähnte Owncloud. Das wäre auf alle Fälle schon mal ein guter Anfang. Allerdings ist das natürlich noch weit von der ‚BlackBox‘ entfernt‘, die ich eigentlich im Sinn hatte. Leider war mein Betrag in dem Punkt aber auch sehr vage.

      Mit „… einfach zu bedienende, modulare und eigene persönliche Cloud“ schwebte mir natürlich ein richtiges ‚Familiencenter‘ vor, dass zudem recht einfach einzurichten ist. Also ein kurzer Einrichtungsassistent, in dem ein paar kurze Angaben gemacht werden, damit das ganze System hinter den Kulissen sicher eingerichtet wird. Naiv gedacht also Stecker und Datenverbindung zum Router rein, ein paar Eingabefelder und Betriebsbereit. 😀

      Ich denke wir sind uns alle einig, dass FreeNAS und Owncloud nichts ist, dass z.B. meine Eltern einrichten könnten.

      Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird klar, dass das wohl etwas für einen weiteren Blogbeitrag ist, um meine Gedanken zu dem Thema zu ordnen. 😀

  2. Bezüglich solcher Produkte wie Beregnung, Staubsauger, Smarthome und sonstiger, die nur mit dem Server des Herstellers funktionieren:
    GANZ EINFACH NICHT KAUFEN und andere animieren, dies auch zu tun !!!
    Vielleicht wundern sich dann zwar die Hersteller, warum die Produkte nicht einschlagen – aber so what? Ich weigere mich jedenfalls, eine Investition zu tätigen, bei der ich nicht sicher weiß, ob ich das Teil wenn der Hersteller in einem Jahr den Betrieb einstellt noch nutzen kann! Abgesehen davon, dass meine Ess- Schlaf- und sonstigen Gewohnheiten oder meine Gesundheit keinen Konzern was angehen…
    Und die Attackenanfälligkeit der heute auf den Markt geschmissenen Systeme wird uns noch böse einholen und die Netze lahmlegen… Wie ist das eigentlich mit selbstfahrenden Autos, wenn die gehackt wurden?

    • GANZ EINFACH NICHT KAUFEN und andere animieren, dies auch zu tun !!!

      Genau das praktiziere ich so im Alltag. 😀

      Ich wundere mich nur, wieso nicht längst jemand die Chance gesehen hat, hier ein Produkt auf den Markt zu werfen, dass es besser macht. Ständig lese ich Produkttests, höre Beschwerden von Personen, … aber kein Hersteller scheint zu begreifen, dass hier ein riesiger Markt ist, der bedient werden könnte.

      Muss erst wieder jemand wie Jeff Bezos (Amazon) irgend ein kleines Mistgerät hypen, dass mehr schlecht als recht seinen Dienst tut, aber dann wieder brav in die USA tickert, wann ich meinen Rasensprenger an stelle?

      Selbiges gilt für IFTTT.com. Die Motivation/Idee mag ja noch ganz gut sein, aber wieso ich z.B. meine heimische Kaffeemaschine über einen Server in den USA antriggern muss, will mir einfach nicht in den Kopf gehen.

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