O₂ Free – Musik braucht Mann

Da ich an „sexistischen“ Werbespots momentan einen Narren fresse, will ich mal den zur Zeit versendeten O₂ Free Spot erwähnen.

Zunächst mal verstehe ich das Konzept nicht, dass wir uns allem Anschein nach kilometerweit unter Wasser im New York Central Park befinden, in dem ungeachtet der, verglichen mit Luft sehr viel höheren Dichte von Wasser, ein Vogel durchs Bild fliegt.

Will O₂ uns auf eine Zukunft vorbereiten, in der die Polkappen geschmolzen sind und das direkt am Atlantik gelegene New York besonders stark betroffen ist? #KlimawandelRulez #Waterworld

Wenn ich den Claim „Wenn anderen die Luft ausgeht …“ höre, wäre mein erster Gedanke jedenfalls nicht eine überschwemmte Großstadt. Mir würde spontan wohl eher der Autopilot aus dem Film „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ in den Sinn kommen. Das zum Thema Sexismus. 😉

Aber genug von den Nebensächlichkeiten. Viel interessanter ist die Tatsache, dass die junge Frau auf der Parkbank in Sachen Musikgenuss immer auf einen männlichen Gegenpart angewiesen ist. Wieso wird ihr hier kein eigenes Smartphone zugestanden? Wieso muss sie sich von männlichen Parkbesuchern „aushalten“ lassen? Haben wir es hier mit einer neuen Form der Landstreicherei oder Musikprostitution zu tun?

Eine Frau ohne eigenes Smartphone spiegelt überhaupt nicht meine Lebenserfahrung wider. Deswegen finde ich den Anblick zwar nicht direkt verstörend, aber ein „Geschmäckle“ hat er für meine Begriffe schon. Heutzutage führt doch wirklich jede Person ungeachtet des Geschlechts das eigene Smartphone spazieren und kapselt sich per Kopfhörer von der Umwelt ab. So erlebt in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Damit aber noch nicht genug. Es stellt sich natürlich die Frage, ob der bedauernswerte Protagonist, der sein Datenvolumen aufgebraucht hat, in einer wie auch immer gearteten Beziehung zu der Frau steht. Das Bild der beiden auf der Parkbank vermittelt mir zumindest den Eindruck. Falls das so ist, wirft der Spot auch hier kein gutes Licht auf die Charaktere.

Da hätten wir auf der einen Seite die promiskuitive Musikliebhaberin, die sich den Nächstbesten schnappt, wenn der eigene Partner mangels Datenvolumen oder Guthaben ausfällt und auf der anderen Seite den entschwebenden Mann, der das Feld einem Datenvolumen-potenteren Widersacher überlassen muss, weil er das stereotype Rollenbild des Ernährers nicht ausfüllt.

Zugegeben, die Sache ist etwas an den Haaren herbeigezogen, aber so empfinde ich eben, wenn ich den Spot sehe. Beziehungsweise, es ärgert mich, dass hier wie schon so oft niemand protestiert, wenn ein weiteres Exemplar von „trotteligem Mann“ ganz unverhohlen durch ein Anderes ausgetauscht wird, nur weil sich dieser entweder finanziell nicht in der Lage sieht oder prinzipiell weigert die überhöhten Datentarife eines Mobilfunkproviders zu zahlen.

Vermutlich sind es gerade die Mobilfunkbetreiber, die hinter den Kulissen am stärksten gegen frei zugängliche WLAN Hotspots und für die Störerhaftung lobbyieren. Sollte die Politik es jemals schaffen, dieses Problem zur allgemeinen Zufriedenheit zu lösen, könnten alle Beteiligten zu fairen Preisen die Musik ihrer Wahl hören und niemand müsste wegen fehlendem Datenvolumens entschweben.

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2 Gedanken zu “O₂ Free – Musik braucht Mann

  1. Ganz abgesehen davon, dass O²-Werbung immer wieder gerne mit Wasser herumhantiert. Weil vermutlich irgendein trotteliger Werbefritze keine Ahnung davon hat, dass O² Sauerstoff und nicht H2O (Wasser) bedeutet. Oder er so ein Schnösel ist, der kein normales Wasser trinkt, sondern dieses total bescheuerte Yuppi-Selters gleichen Namens, das so wahnsinnig viel mehr Sauerstoff hat (was Quatsch ist. Gibt’s den Mist eigentlich noch zu kaufen ?). Das Werbetreibende den Kunden immer wieder als Idioten hinstellen, ist ja ein alter Hut. Aber bei diesem einfallslosen Spot kann man eigentlich nur vermuten, dass der Typ diesmal wieder schlechtes Koks geschnupft hat. Und trotzdem ein Gehalt im höheren 4- oder 5-stelligen Bereich nach Hause schleppt.

    • Soweit ich das sehen kann, gibt es dieses Wässerchen immer noch. Ich kann mich auch noch an den Kommentar irgend eines Experten erinnern, der gesagt hat, man müsste sich das Zeug schon in die Lunge gießen, um etwas von dem Sauerstoff zu haben.
      Zudem sollte angeblich noch nicht erforscht sein, wie schädlich sich der Sauerstoff auf die anaerobe Darmflora auswirkt.

      Im Zweifelsfall ist es, wie du schon sagst, überteuertes Yuppi-Selters zu Apothekerpreisen. Wobei diese ja offenbar gerade abgeschafft werden sollen. 😉

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