Ist Geschmack Geschmackssache?

Ich gehe mal davon aus, dass inzwischen jeder schon einen Werbespot von Lieferdienstportalen wie Lieferando.de, Lieferheld.de, … und wie sie sonst noch so heißen mögen, gesehen hat. Wisst ihr was mein Problem mit diesen Diensten ist?

Es ist jedenfalls nicht mein schamlos zur Schau gestellter Narzissmus, der fest davon ausgeht, dass euch diese Probleme brennend interessieren. Ich sage das nur, falls es jemand gedacht hat. 😉

Mal abgesehen davon, dass sich die Portalbetreiber als „Mittelsmann“ ein dicke Scheibe Umsatz abschneiden, ohne für meine Begriffe selbst viel dafür zu tun, ist es vor allem der Grundgedanke, dass die Schwarmintelligenz allein es schon richten wird.

Jedes dieser Portale wirbt mit der Tatsache, dass die Unmenge an positiven Bewertungen durch die eigene Community dafür sorgt, dass sich die gute Qualität und das beste Essen automatisch durchsetzen wird.

Pizza

Aber was ist eine Benutzerbewertung heute eigentlich noch wert? Soweit es mich angeht, keinen Pfifferling. Ständig liest man vom Bewertungsbetrug auf Amazon.de, im App-Store von Apple und auch überall sonst, wo die Höhe und Anzahl der Bewertungen ausschlaggebend über den Verkaufserfolg sind. Es ist mittlerweile schon wie bei dem altbekannten Sprichwort mit den selbst gefälschten Statistiken.

Ein Bewertungssystem ist heutzutage doch nur noch ein Aufruf für die Hersteller, Lieferanten und Produzenten, die eigenen Produkte in einem möglichst guten Licht dastehen zu lassen, während der Rest mit schlechten Bewertungen diskreditiert wird. SEO für Fortgeschrittene.

In irgend einem TV-Beitrag habe ich, es war glaube ich Tim Mälzer, mal sagen hören, dass Leute, die von Kindesbeinen an im Hinblick auf die Qualität und den Geschmack des Essens nur „Abfall“ gegessen haben, auch später genau diesem den besten Geschmack attestieren würden.

Nicht nur, dass Bewertungen mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht werden, kann man also nicht mal solchen trauen, die von „ehrlichen“ Leuten abgegeben werden. Ich schätze mal, das ist ein ähnliches Phänomen wie bei Zeugenaussagen und dem unsichtbaren Gorilla. In der Hinsicht ist selbst auf Menschen mit den besten Absichten einfach kein Verlass.

Von den hygienischen Zuständen der einzelnen Restaurants habe ich noch gar nicht gesprochen. Ich habe mir mal den Spaß gegönnt, einige der gelisteten Restaurants in meiner Stadt im Vorbeifahren von außen zu inspizieren.

Bei manchen dieser „Klitschen“ könnte ich schon durch reinen Blickkontakt einen Durchfall entwickeln. Ich könnte mir vorstellen, wenn die notorischen 5-Sterne-Bewerter einige dieser „Hinterhof-Pizzaofen-Kombinate“ gesehen hätten, würden diese beim Klingeln an der Haustür schnell alle Lichter löschen und sich tot stellen, nur um den Fraß nicht annehmen und aufessen zu müssen.

Chinesisches Essen

Aus dem Grund möchte ich hier meinen Aufruf für ein besseres Lieferdienstportal formulieren, welches selbst ich nutzen würde.

Gourmets statt „gemeines Volk“
Schluss mit diesen Community-Bewertungen. Auch wenn ich weiter oben schreibe, dass Geschmack wohl Geschmackssache ist, muss es doch objektive Bewertungsmaßstäbe geben.

Stellt lieber ein paar Experten ein, die den Geschmack und die Qualität des Essens wirklich objektiv bewerten können. Der Guide Michelin schafft es auch.

Pflicht zu Außen- und Innenaufnahmen von Lokal & Küche
Nur Betriebe, die regelmäßig Fotos von Lokal und Küche einstellen, sollen im Portal gelistet werden. Ich möchte sehen, wo mein Essen zubereitet wird, bevor ich etwas bestelle. Wer traut sich, eine Live-Cam in der Küche zu installieren?

Unangemeldete Hygienekontrollen
Mir ist bewußt, dass hier in Deutschland die Ordnungsämter Gaststätten bereits kontrollieren. Leider bekommt man als Normalbürger aber bis auf eine Schließung des Lokals nichts von den Ergebnissen mit. In Dänemark läuft das viel besser.

Für eine Auflistung in meinem Traumportal müsste sich der „Lieferant“ verpflichten einem Portalmitarbeiter unangemeldet z.B. einmal im Jahr Küche und Kühlräume kontrollieren zu lassen. Wer dabei durchfällt, wird bei leichten Verstößen entweder öfter kontrolliert oder fliegt eben gleich aus dem Index.

Faire Konditionen für teilnehmende Betriebe
Im Gegenzug für die geschilderten Verpflichtungen, sollte eine Auflistung nicht viel kosten und vor allem nicht umsatzabhängig sein, damit kein Abhängigkeitsverhältnis oder andere Probleme wie bei den existierenden Portalen entstehen.

Auch wenn mir dieser Beitrag schon länger als Entwurf in meinem Kopf herumgespukt hat, fällt mir an diesem Punkt nichts mehr ein.

Jetzt dürft ihr mir gerne vorwerfen, dass diese Vorstellungen naiv sind. Ich möchte wie gesagt nicht mehr oder weniger als eine Art Portalvariante des „Guide Michelin“ für Take-away-Restaurants, bei dem ich die Sicherheit habe, dass ich keinen „Abfall“ fresse und vor allem authentische Gerichte zubereitet bekomme.

Gerne könnt ihr in den Kommentaren noch weitere Vorschläge und Ideen hinterlassen, wie eine bessere Version eines Lieferdienstportals aussehen könnte. Wenn mich ein Vorschlag überzeugt, setze ich ihn gern nachträglich auf die Liste.

Selbstverständlich bin ich auch an euren persönlichen Erfahrungen mit diesen Portalen oder Lieferdiensten interessiert. Nutzt ihr so etwas bzw. bestellt ihr irgendwo Essen, wenn ihr das Lokal nicht vorher in Augenschein genommen habt?

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