Komposita & german humor

Zwei Figuren reden über Deutschland

Im Rahmen der losen Germæntion-Reihe, bei der es hauptsächlich um das Fremdbild Deutschlands bzw. die Eindrücke geht, die „nicht-Deutsche“ über uns und das Land in Schrift und Video verfassen, bin ich letztens über zwei interessante Artikel in Sachen „compound words“ gestoßen.

Ein Germanist würde dazu wohl Komposita sagen. Der Volksmund versteht darunter ein zusammengesetztes Wort wie „Backpfeifengesicht“.

Beide englischsprachigen Artikel beschreiben die Faszination über die unnachahmlichen, Bandwurmwörter in der deutschen Sprache und wie durch die Kombination augenscheinlich widersprüchlicher Wörter komplexen Sachverhalten wie „Verschlimmbesserung“ oder Gefühlen wie „Schadenfreude“ in einem einzigen Wort höchsteffizient Ausdruck verliehen werden kann.

Man bewundert die Fähigkeit der deutschen Sprache, aus dem Nichts neue Wörter zu erschaffen, die trotzdem sofort jeder versteht.

Auffällig finde ich, dass die sonst oft und viel zitierte „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“ in letzter Zeit durch das bekannte „Fussbodenschleifmaschinenverleih“-Meme ersetzt wird. 😉

Dazu passt, dass auch Edward Snowden, der kürzlich im Scherz die Frage nach einem deutschen Wort stellte, welches die fehlende Überraschung über das Handeln einer Regierung bei gleichzeitiger Enttäuschung ausdrücken soll, prompt eine Antwort erhielt.

Das soll es zum Thema „Komposita“ gewesen sein.

Als kleine Belohnung oder Bonbon folgen jetzt noch zwei kleine YouTube-Videos in Sachen „german humor„, um den Beitrag gut verdaulich abzurunden. 🙂

Im ersten begibt sich Brooks Wheelan in Deutschland auf die Spur des deutschen Humors. Bei uns hier kaum bekannt, wird uns Deutschen nämlich international nachgesagt, keinen solchen zu besitzen.

Das zweite Video ist ein Auftritt von Derick Lengwenus aus dem Jahr 2005 auf dem „Just 4 Laughs“-Festival in Melbourne, dass sich thematisch in großen Teilen um seinen deutschen Vater dreht.

Leider müsst ihr auch für diese beiden Videos des Englischen mächtig sein. Falls das so ist, wünsche ich euch viel Spaß. 😀

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16 Gedanken zu “Komposita & german humor

  1. Die verstehen eben tiefrgründigen Humor nicht. Ich finde wir sind ein ziemlich lustiges Völkchen, wenn wir einander kennen. Meine Freunde bringen mich ständig zum lachen und brauchen dafür keine englische Fäkaliensprache wie die meisten Amerikanischen Comedians 😀

  2. Kein Humor ? Verstehe ich nicht. Kaum bringe ich im Internet über Mikrofon eine Adolf-Hitler-Parodie, schmeissen sich Engländer vor Lachen in die Ecke – gerade weil sie wissen, dass ich Deutscher bin.

    • Ich wiederhole ja nur, was ich immer wieder höre und sehe. Da heißt es dann immer – wenn auch manchmal mit Augenzwinkern – „germans don’t have any sense of humor“ 😉 Ein Beispiel wäre z.B. Faulty Towers.

      Mein Kritikpunkt am ersten Video wäre, dass Brooks Wheelan zu Recht die These aufstellt, der Deutsche Humor würde in der Übersetzung verloren gehen, aber dann stellt sich heraus, dass er kein Deutsch spricht. Wie könnte er also „Deutschen Humor“ studieren oder seine These be- oder entkräften?

  3. Selbst eine Parodie ist zu viel Ehre für Hitler, dieses Er ist wieder da Buch und neuerdings Film finde ich ganz grausig. Bei dem Namen sollte es nichts zu Lachen geben, sonder einfach nur ein Gefühl von tiefer Abscheu.

    • Ich muss zugeben, ich habe einige Zeit über deinen Kommentar nachgedacht und muss bedingt widersprechen. Sich über Hitler lustig zu machen ist für mich Anzeichen eines gesunden Prozesses.

      Vielleicht ist die Tatsache, dass man sich hier in Deutschland lange Zeit nicht getraut hat, das Thema Hitler und das dritte Reich auch humoristisch aufzuarbeiten, mit ein Grund für das Vorurteil, dass Deutsche keinen Humor haben. Das Ausland hat sich schon seit jeher nicht zurückgehalten. Siehe z.B. Charlie Chaplin oder die Looney Tunes.

      Die Obersalzberg-Reihe von Switch Reloaded ist für meine Begriffe ein Fortschritt in Sachen Vergangenheitsbewältigung. 🙂

      • Der zweite Weltkrieg und der Holocaust sind ein tiefsitzendes und generationsübergreifendes Trauma. Ich glaube nicht das ein KZ Überlebender sich mit Vergnügen den Film „Er ist wieder da“ anschauen kann. Charlie Chaplin und die Looney Tunes waren weit weg, und nicht betroffen. Würdest du auch eine Parodie über Pädophile, Vergewaltiger und ihre Taten zum Lachen finden?Ich denke nicht. Trauma ist Trauma und sollte nicht mit Humor bagatellisiert. Und ich spreche als Überlebende von Traumata. Liebe Grüße Michi

        • Habe wie immer ein bisschen über deine Antwort nachdenken müssen.

          Als Stammleser deines Blogs ist mir dein persönliches Trauma bekannt. Weil ich mir gar nicht anmaßen möchte, auch nur im Ansatz zu verstehen, wie man damit lebt oder es bekämpft, wäre es schön, wenn wir die Diskussion auf das Thema Hitler/Drittes Reich beschränken könnten.

          Bis zu deinem Kommentar über „Er ist wieder da“ kannte ich den erwähnten Film gar nicht. Da aber mittlerweile ein paar Trailer gelaufen sind, kann ich nur sagen, nicht gerade OSCAR-verdächtig, aber jetzt auch nicht so schlimm, dass ich gleich die staatliche Zensur einschalten wollte. Ist einfach ein weiterer dieser „Was wäre wenn“-Filme. Ähnlich wie Iron Sky, denn ich zwar leicht dämlich und langweilig, aber nicht unbedingt anstößig fand.

          Wenn ich einer These deines Kommentars widersprechen würde, dann ist es die Annahme, dass eine humoristische Auseinandersetzung automatisch einer Bagatellisierung gleich kommt. Sicher sollte sie geschmackvoll sein und dennoch ist das finale Produkt immer noch persönliche Geschmackssache, aber deswegen die Kunstform zu verbieten, halte ich für falsch.

          Gerade die Tatsache, dass man Hitler, seine Schergen und dessen Ideologie der verdienten Lächerlichkeit preis gegeben hat, hat vielen Leute geholfen solche Traumata zu überwinden.

          • Hi Martin, ich denke ich vertstehe was du meinst, so in etwa wie… Humor ist nichts weiter, als die strikte Weigerung der Tragödie das letzte Wort zu überlassen… ??( Aus “ Das Lachen und der Tod“) Liebe Grüße Michi

            • Schönes Zitat. Etwas netter ausgedrückt als : Dem Schicksal ins Gesicht spucken und es auslachen. Man geht zwar meist als Verlierer hervor – aber bitte wenn, dann mit Stil. Und es ärgert die „Gewinner“ ungemein, wenn ihre Opfer sie lächerlich machen. Mit etwas Glück tritt man damit eine Lawine los. Das hat so manchen Machtmenschen den Hals gekostet.

  4. Das ist ein Beitrag ganz nach meinem Geschmack! Ich mag unsere Sprache eh, und wenn sie dann so analysiert wird, finde ich das richtig gut! Und zum deutschen Humor: Ich finde schon, dass wir Humor haben, aber so richtig albern sind wir selten – doch ein bisschen zu viel Ernsthaftigkeit im Hintergrund. Oder?

    • Ich würde „Mario Barth“ jetzt nicht gerade als „hintergründig“ oder „ernsthaft“ bezeichnen. 😉

      Mittlerweile können auch Deutsche albern genug sein. Deswegen finde ich den Mythos „Germans don’t have any sense of humor“ mittlerweile nur noch langweilig und blöd, wenn ich ihn höre.

      Ich weiß gar nicht, wie dieser Stereotyp überhaupt entstanden ist, aber es ist schon einigermaßen anmaßend, einem ganzen Volk Humorlosigkeit zu unterstellen. Ich halte es da mit Henning Wehn:

      „The British always say we Germans don’t have a sense of humor.
      Yeah, I don’t find that funny

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