Klorollenepiphanie

Als ich vor einigen Tagen, wie viele andere Westeuropäer auch, auf dem Porzellanthron saß, um wieder einmal meinen Darminhalt zu entleeren, waren streng nach Murphys Gesetz natürlich nur noch drei Blatt Klopapier auf der Rolle und der weitere Nachschub, wie sollte es auch anders sein, außer Reichweite.

Da saß ich nun mit verschmutztem After und hoffte auf eines dieser Chanukkawunder, bei dem drei Blätter auf magische Weise für eine vollständige Hinterteilreinigung ausreichen. Als Atheist, der Wunder aller Art negiert, hat sich das aber natürlich schon in den nächsten Sekunden als Wunschvorstellung herauskristallisiert.

Während ich also, meine weiteren Schritte planend, so auf der Schüssel saß, fiel mein Blick auf die jetzt leere Papprolle. Just in diesem Moment hatte ich einen „Doc Brown“-Moment, der meine Gedanken auf eine Reise schickte und der Grund für diese Zeilen ist. Und dabei musste ich mir nicht mal den Kopf am Waschbecken stoßen.

Über leere Klorollen freuen sich in der Regel bisher nur Kinder für diverse Bastelprojekte. Als Erwachsener sind sie dagegen meist ein Ärgernis und bedeuten als Mülltrenner, die wir natürlich alle sind, abhängig von eurer Wohnsituation nach der Sitzung einen nervigen Umweg zur Papiertonne. o_O

Hinzu kommt, dass der Abriss des letzten Blatts eine bescheidene Lebensleistung darstellt – „Ha! Und wieder eine Rolle geschafft“ – und man als Belohnung enttäuschenderweise doch nur eine schnöde, graue Papierrolle in Händen hält!

Wieso nicht stattdessen auf die Rolle eine Reihe von Gewinnnummern aufdrucken und einmal im Monat eine Lotterie ausgespielen, in der ein Jahresvorrat Klopapier gewonnen werden kann? Mit etwas Glück würde ich Herrn Murphy für ein Jahr ein Schnippchen schlagen. 😉

Leere Klorolle mit Zahlen

Weit sind meine Überlegungen noch nicht gediehen, aber mir drängt sich gerade der Begriff Toilotto auf. Sofern euch der Jahresvorrat nicht wertvoll genug erscheint, könnte man auch über eine dieser exquisiten japanischen Washlets nachdenken, die gerne einen fünfstelligen Betrag kosten.

In der Angelegenheit der Klopapierbeschaffung keinen Zentimeter weitergekommen, versuchte ich mir gerade einzureden, wie blöd und unrealistisch die Idee ist und auf welche lotterie- und glücksspielrechtlichen Hindernisse ich stoßen würde, als sich meine Gedanken plötzlich um Charlie und die Schokoladenfabrik drehten.

Weniger wegen der Affinität zwischen menschlichen Exkrementen und Schokolade als viel mehr wegen des goldenen Tickets. Statt einiger Gewinnnummern könnte man wie in der Geschichte bzw. dem Film eine begrenzte Anzahl an goldenen Tickets um die Papprolle wickeln.

Goldenes Ticket

Die glücklichen Finder hätten damit eine Betriebsführung in der Klopapierfabrik gewonnen, wo sie das gesamte Produktsortiment ausprobieren und am Ende beim Gang durch den angeschlossenen Fabrikverkauf so viel Hygieneartikel mitnehmen dürften, wie sie tragen können. Wieso sollte sich ein Kofferraumdeckel mal nicht wegen zuviel Klopapier statt der üblichen, sperrigen IKEA-Möbel nicht mehr schließen lassen können?

Und wieder schweiften meine Gedanken weiter. Was könnte man denn noch als Unterhaltung oder Belohnung auf die Rolle packen? Spontan denke ich an die Fußball WM-Aufkleber in den Duplo- und Hanuta-Packungen von Ferrero. Was war das aufregend, wenn man wieder ein fehlendes Motiv gefunden hatte.

Schokoriegel mit Sammelbildern

Als bekennender Toilettenleser wäre im Zeitungsständer sogar genug Platz für das entsprechende Einklebealbum. Es stellt sich nur noch die Frage wie eine Erwachsenenversion aussehen könnte, in welche Themenbereiche das Album aufgegliedert würde bzw. welche Motive die Aufkleber zieren sollen. Schon beginnt sich in meinem Kopf eine erste Liste mit groben Ideen abzuzeichnen.

  1. Spektakuläre Spritzdurchfälle
  2. Die dreckigsten Toiletten der Welt
  3. Die besten Toilettenwandsprüche
  4. Bekannte Stuhlsorten
  5. Starschnitt des SquattyPotty-Einhorns
  6. Glitzeraufkleber

Bei dem Motiv für die Glitzeraufkleber will mir momentan nichts einfallen. Wenn ich aus früheren Panini-Sammelalben-Zeiten aber etwas gelernt habe, dann, dass Glitzeraufkleber unheimlich wichtig sind. 🙂

Wie Peter vor einigen Jahren so treffend unter einem anderen Beitrag bemerkte: „Das Thema Toilette ist ja so dankbar…“. Wem jetzt also ebenfalls eine Idee für weitere Aufklebermotive unter den Nägeln brennt oder einen Motivtipp zur Gestaltung der Glitzeraufkleber hat, ist gerne eingeladen, dies in den Kommentaren zu hinterlassen.

Um die Geschichte noch abzuschließen, konnte das Prokrastinieren natürlich nicht ewig weitergehen. Deshalb habe ich dann wohl oder übel in den saueren Apfel gebissen und bin mit heruntergelassener Hose in einem unbeobachteten Moment zweibeinig zum Vorratsschrank gehüpft, und habe mit unter dem Arm geklemmten Nachschub ebenfalls hüpfend den Rückweg angetreten.

Als einer der üblichen „Schönwetter-Christen“ hätte ich Gott gedankt, dass mich dabei niemand beobachtet hat. So habe ich stoisch das Reinigungsprozedere abgeschlossen, gespült und habe nach dem Waschen meiner Hände sofort mit dem Verfassen dieses Blogbeitrags begonnen.

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16 Gedanken zu “Klorollenepiphanie

    • Genauer gesagt, dem fehlenden Klopapier. 😉

      Ich hatte übrigens gehofft, in den aufgeklärten, feministischen Zeiten von heute, würden sich auch Frauen Gedanken ums Klopapier machen. Auf dem „Pott“ sind wir schließlich alle gleich. 🙂

      • 😀 Ich glaube wir Frauen schauen vorher ob genug Klopapier da ist, bevor wir auf den Pott gehen. Ich jedenfalls. Bei mir zu Hause liegen die Vorratsrollen aber auch immer griffbereit 🙂

        • Auch in meinem Badezimmer gibt es einen griffbereiten Vorrat. Nur habe ich vergessen, diesen wieder aufzufüllen, als ich die letzte Rolle verwendet habe. Deswegen die Hüpfeinlage zum Vorratsschrank.

          Das „vorher schauen“ sollte ich wohl auch in mein Toilettengangritual einbauen. 🙂

  1. In genau der gleichen Situation werden bei mir die gnädigen drei Blätter patentgefaltet in Vorhalte geklemmt und so schnell wie möglich ein üppiger ausgestatteter „Thron“ gesucht. Ist nur noch die Rolle übrig, wird das ganze eine Ecke ungemütlicher.

      • Etwas weniger gewählt ausgedrückt : Die Auslassöffnung wird mittels der drei Blatt so abgedeckt, dass die Unterwäsche nicht leiden muss, sofern man schnell eine neue Rolle findet. Erstaunlich, dass das Wort Vorhalte nirgends wörtlich im Sinne von „davor halten“ benutzt wird. Da ist nur mal wieder meine linguitische Schindmähre mit mir durchgegangen – im Versuch Eloquenz vorzutäuschen. Ich sollte weniger Kaffee trinken, dann bin ich auch nicht mehr so in Quassellaune.

        • Jetzt ist der Groschen gefallen und ich muss sagen deine Lösung ist schlicht und einfach „genial“.

          Schäme mich fast, dass mir das nicht eingefallen ist. Hätte mir zumindest die peinlichen Hüpfer zum Vorratsschrank erspart.

          • Ich schäme mich fast, weil ich immer wieder in so eine Situation gerate. Fluchtwege im Gebäude gemerkt ? Check! Feuerlöscherstandort germerkt? Check! Erste-Hilfe-Kasten / Defibrilatorstandort ? Check! Klopapier ? Oh, sh….!!!

            • Vielleicht wird es ja doch Zeit für ein „Herrenhandtäschchen“ mit persönlichem Vorrat. Das Klopapier in den meisten fremden Orten (Büro, Restaurant, …) ist nach meiner Erfahrung sowieso nur ein zweilagiges Schleifpapieräquivalent.

              • In meinem Reisegepäck ist immer Reserve vorhanden. Allerdings schleppe ich nicht gerne einen Rucksack mit auf’s Klo. Es gibt da so wenig saubere Abstellmöglichkeiten, weil so viele Leute ernsthafte Probleme beim Zielen haben.

  2. Pingback: Wenn Willy Wonka einem auf dem Klo begegnet… Dreibeinblog

  3. Der Gewinn, egal was, sollte aber nur dann wirksam werden, bzw. eine Teilnahme darf nur für denjenigen möglich werden, der eine neue Rolle holt. So gesehen müßten die Toilotto-Zahlen auf der leeren Kernrolle mit einem Bingofeld auf dem ersten Blatt der neuen Rolle korrespondieren.
    Erst das würde uns vor dem Hüpfen bewahren.

    • Prinzipiell hast du Recht, wenn man sicherstellen will, dass der Leidtragende bzw. Hüpfer auch derjenige sein soll, der den Jahresvorrat gewinnt. So weit waren meine Überlegungen allerdings noch nicht gediehen. Auf alle Fälle klingt das jetzt schon kompliziert. 😉

      Ursprünglich bin ich nur davon ausgegangen, man würde die Rolle mit den „Toilotto“-Zahlen bis zur wöchentlichen Ziehung im TV oder Internet aufheben. Alles andere wäre wohl zu kompliziert.

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