Summe der Erfahrungen

Als ich vor ein paar Tagen beim obligatorischen Herumzappen bei einer dieser neumodischen Doku-Soaps hängenblieb, und der Sprecher aus dem Off angesicht dreier Seemänner von “zusammengenommen 120 Jahren Erfahrung in der Seefahrt” sprach, fiel mir wieder das deutschsprachige Mythbusters Intro ein.

Wer sind die Mythbusters? Adam Savage und Jamie Hyneman – zusammen haben sie über 30 Jahre “Special Effects”-Erfahrung …

Wenn wir der Fairness und Einfachkeit halber annehmen, die beiden hätten jeweils 15 Jahre “Special Effects” Erfahrung, macht es dann wirklich Sinn, von 30 Jahren Erfahrung zu sprechen? Ich meine nicht nur bezogen auf diesen speziellen Fall, sondern ganz allgemein. Für mich hört sich das Aufsummieren von Erfahrungen jedesmal dämlich an, wenn es mir wieder einer vorrechnet.

Summe-Erfahrung

Würde ich einen ganzen Tag lang Schach spielen lernen und mir dann 36.524 Gleicherfahrene suchen, wäre unsere illustre Gruppe mit ihrer 100jährigen Schachspielerfahrung dann der Schrecken aller Großmeister?

Bei jeweils 15 Jahren Erfahrung, um bei dem Mythbuster-Beispiel zu bleiben, kann man doch annehmen, dass sich ein nicht ganz unerheblicher Teil davon gleicht. Soll heißen, rein Mengenlehren-mäßig müssten die beiden Lebenserfahrungen im Bezug auf “Special Effects” eine große Schnittmenge aufweisen.

Zwei 15-Jahres-Erfahrungen dürften also niemals die eines Individuums aufwiegen, das tatsächlich 30 Jahre vorweisen kann. Warum erzählt mir dann der Sprecher etwas von “zusammen 30 Jahren Erfahrung”? Lässt sich der Zuschauer wirklich von solchen Zahlen beeindrucken?

Im schlechtesten Fall — wenn nämlich beide die gleiche Erfahrung gemacht haben — bleibt es bei 15 Jahren. Andernfalls ist es ein Ratespiel, aber mehr als 22,5 Jahre würde ich konservativ geschätzt nicht bieten.

7 Gedanken zu “Summe der Erfahrungen

  1. Das Ganze macht erst Sinn, wenn man Weiß, woher das kommt.
    Wenn 15 Leute an einem Projekt 2 Jahre arbeiten, dann spricht man auch von 30 Jahren “Mannjahren” / Arbeitskraft, obwohl das Projekt trozdem nach 2 Jahren beendet ist.
    Wenn man “Erfahrung” gleich quantifizierbare Knowhow-Power setzt, dann kann man so eine schöne Milchmädchenrechnung 3x 40 Jahre = 120 Jahre Erfahrung draus machen.

    “Erfahrung” ist aber nicht quantifizierbar, wie abgeleistete Arbeitszeit. Hier hat man bei der Berichtserstattung einfach zwei Sachen in einen Topf gesteckt, indem man unterstellt, das abgeleistete Arbeitszeit automatisch mit Erfahrung einhergeht. Das wahre Leben ist nur blöderweise beim Pen&Paper-Rollenspiel, wo man für die gleiche Handlung die gleichen Erfahrungspunkte bekommt. Die Fischer sind garantiert auch nicht gleich schnell “gelevelt” (um mal im Rollenspiel-Jargon zu bleiben), da jeder im realen Leben anders lernt.

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