Alt & Jung

Wieso dürfen wir eigentlich nicht mehr alt werden? In letzter Zeit stoße ich immer öfter auf das sprachliche Konstrukt, dass ein „rüstiger Rentner“ 60 Jahre jung statt alt ist.

Hallo, mein Name ist Heinz, und ich bin 60 Jahre jung.

Das Phänomen ist auch nicht auf unsere älteren Mitbürger beschränkt. Ich habe auch schon den 16 Jahre jungen Teenager oder das eineinhalb Jahre junge Baby gelesen. Wann hat das angefangen?

Der Duden definiert das Alter unter anderem als

  • Anzahl der Lebensjahre, Lebenszeit; Lebensabschnitt
  • Zeit des Bestehens, Vorhandenseins

Klingt doch eigentlich recht logisch. Es werden auch keine magischen Altersgrenzen erwähnt, ab denen man sich wirklich das Alter verdient hat. Der eine ist 4 Jahre alt, ein Anderer eben 70. Wieso alles so kompliziert machen oder kuschelweich verbrähmen?

Wird in zukünftigen amtlichen Formularen das Feld Alter irgendwann durch eines namens Junger oder Jungheit ersetzt? Gibt es vielleicht analog zum Wetter mit dem Windchill-Effekt in naher Zukunft ein zweites Feld für das gefühlte Lebensalter? Ein neuer Lifechill-Effekt, der den Unterschied zwischen gemessenem und dem gefühlten Lebensalter erklärt?

Wie würde sich so etwas messen lassen und darf ich überhaupt in Rente gehen, wenn mein gefühltes Lebensalter stark vom Rentenalter abweicht? Oder sogar eher in Rente gehen, weil die Lebenskühle meinen Geist hat derart altern lassen, dass ich bereits mit 30 Jahren reif bin?

Hat dieses Sprachphänomen am Ende etwas mit der Infantilisierung der Gesellschaft zu tun, so wie sie Edo Reents kürzlich in der FAZ beschrieben hat?

Was mich angeht, werde ich jedenfalls nicht auf diesen Zug aufspringen und in dieses Neusprech verfallen. Ich sage, seid stolz auf jedes Lebensjahr und sagt jedem der fragt mit voller Inbrunst „Ich bin soundso-viele Jahre alt.“

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2 Gedanken zu “Alt & Jung

  1. Danke, nach dem Lesen dieses Artikels bin ich älter als davor und sogar nach dem Schreiben dieses Kommentars. Das Absenden hat mich natürlich ein wenig jünger gemacht. Herzliche Grüße vom Tivoli in München, Josef

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