Angriff ist die beste Verteidigung

Was mich in letzter Zeit bei Talkshows und Interviews mit Piratenbeteiligung ein bisschen genervt hat, ist die Tatsache das sich Piraten zu leicht in die Defensive drängen ließen und dann krampfhaft versuchten, sich mühsam wieder aus der Ecke herauszudiskutieren.

Gegen phrasendreschende Medienmaschinen hat man selbst mit fundiertem Wissen und Argumenten gar nicht genug Zeit in so einer Situation als Gewinner vom Platz zu gehen.

Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Familienministerin Frau von der Leyen. Sie quittiert einen legitimen Protest gegen ihr Zugangserschwerungsgesetz salopp mit dem Spruch:

Sie sind also dafür, dass man sich im Inter­net Kin­der­por­nos anschauen kann?!

Schon ist man in den Augen unserer Bundesmutter und dem Rest der Republik „Kinderpornobefürworter“ und steht vor der schwierigen Aufgabe, sich für seinen Protest/sein Anliegen rechtfertigen zu müssen. Dabei ginge es auch anders.

Sagen wir die Errichtung der Zensurinfrastruktur im Sinne von Frau von der Leyen kostet uns hypothetisch gesprochen 100 Millionen Euro. Diese Summe wäre also unser Budget zur Bekämpfung von Kinderpornographie im Internet.

Damit hätten wir eine Familienministerin, die 100 Millionen in die Hand nimmt, um sie in eine Maßnahme zu investieren, von der schon jetzt unzweifelhaft feststeht, dass sie technisch unwirksam ist, und das Problem von kinderpornographischem Bildmaterial im Internet in keinster Weise angeht.

Das zusammen mit den durchaus vorliegenden Gegenvorschlägen und kritischen Expertenaussagen lässt für mich nur einen Schluß zu, wer hier Sorge dafür trägt, das man weiterhin Kinderpornos im Internet anschauen kann.

Die richtige Antwort auf die Frage unserer Familienministerin wäre also:

Ganz im Gegenteil. Ich stehe hier, weil SIE offenbar nichts dagegen haben, dass man sich im Inter­net Kin­der­por­nos anschauen kann?!“

Gleiches sehe ich auch, wenn es um die Diskussion zu Urheberrechten und dem freien Kopieren geht. Wieso eine provokante Frage nach Diebstahl geistigen Eigentums nicht einfach mit der Gegenfrage beantworten, wie das Gegenüber dieses Urheberrecht technisch durchzusetzen gedenkt. Ich würde wirklich gerne sehen, wie mir das Gegenüber die Vorzüge von DRM erklärt. 😉

Wir haben früher Schallplatten, Kassetten und CDs im Freundeskreis getauscht ohne als Diebe gebrandtmarkt wurden. In Zeiten des Internets ist das deutlich einfacher geworden. Fakt ist, dass wir, was die Möglichkeiten angeht, einer völlig neuen Realität gegenüberstehen.

Anstatt zu versuchen den technisch meist wenig versierten Diskussionspartner mit fundierten Argumenten von der Notwendigkeit einer Reform auf diesem Gebiet zu überzeugen, wäre es doch klüger, den Schwerpunkt der Diskussion darauf zu legen, wie er/sie die Ansprüche der Künstler sinnvoll durchzusetzen gedenkt.

Das würde schnell die eigene Konzeptionslosigkeit des Gesprächspartners offenbaren oder er/sie hätte zumindestens unbequeme Standpunkte zu vertreten. Überwachung jedes Users? DRM? Vorratsdatenspeicherung? Deep Packet Inspection?

In jedem Fall würde man dabei mehr Punkte machen, als sich ständig gegen Vorwürfe der Künstlerausbeutung zu rechtfertigen.

Das ist natürlich nur meine bescheidene Meinung. Ich hätte jedenfalls gern ein bisschen mehr Angriff statt Verteidigung gesehen.

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3 Gedanken zu “Angriff ist die beste Verteidigung

    • Auf alle Fälle wäre sie damit in der Defensive. Wenn sie vor der Kamera ausweicht, ist das auch eine Form von Statement.

      Sie selbst ist sich doch auch nicht für solche Platitüden zu schade. Wenn sie jemanden mit solchen Phrasen wie „Sie sind also dafür, dass man sich im Inter­net Kin­der­por­nos anschauen kann?!“ überfällt, und in die rhetorische Ecke drängt, ist es doch nur recht und billig, sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. 😉

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