Änderfahrt

Wäre es nicht toll, wenn die Piratenpartei am Wahltag tatsächlich die magische 5%-Hürde schaffen würde? Ein Traum, den vor einiger Zeit schon Ulrich Wickert öffentlich, wenn auch kabarettistisch, formulierte. Ich wünsche es mir jedenfalls von Herzen und werde alles in meiner Macht stehende dafür tun, meine wahlfaule Verwandtschaft auf Trab zu bringen.

Über das Erreichen der 5%-Hürde habe ich mir in letzter Zeit einige Gedanken gemacht. Wenn ihr mich fragt, gelingt das wirklich nur, wenn die Piraten neben ihrer netzaffinen Klientel, von der einige wahrscheinlich noch nicht einmal wählen dürfen, auch Teile der politikverdrossenen Nichtwähler für sich mobilisieren kann.

Diese Nichtwähler, auch dieses Jahr bestimmt wieder um die 20%, sind größtenteils nicht im Netz zu Hause, und haben von der Piratenpartei und ihren Zielen bis auf ein paar schlecht recherchierte Beiträge in Funk, Fernsehen und Zeitungen nicht viel mitbekommmen.

Leute jenseits der Ü40 Generation. Unsere Eltern und Großeltern, welche die Piraten nach wie vor für eine reine Spaßpartei halten.

Nicht alt genug, um den Gang zur Wahl noch als Bürgerpflicht zu verstehen, und durch jahrelang gebrochene Wahlversprechen so politikverdrossen, dass sie am Wahltag einfach zu Hause bleiben, weil „nicht zur Wahl gehen“ angeblich auch eine Form der Stimmabgabe sein soll.

Genau diese Nichtwähler müssten mobilisiert werden. Die Frage ist nur Wie?

Vielleicht hilft in dem Fall ein Blick über den großen Teich. Habt ihr von Sarah Silvermans „The Great Schlep“ während des US Wahlkampfes etwas mitbekommen? Von ihrem Aufruf an das junge jüdische Wahlvolk, seinen Hintern nach Florida zu bewegen, um die eigenen Großeltern davon zu überzeugen, Barack Obama zu wählen?

Würde so etwas Ähnliches auch hier in Deutschland funktionieren? Unsere Eltern und Großeltern sind doch bestimmt auch ausgehungert nach einem Besuch der eigenen Kinder und Enkelkinder, oder nicht? Wer kennt nicht die ewigen Vorwürfe am Telefon, man würde sich viel zu selten blicken und hören lassen. 😉

Warum also nicht ein bisschen Infomaterial ausdrucken, Enkelkinder einpacken, und endlich mal wieder die wahlfaule Verwandschaft besuchen. Bei einem netten Grillabend lässt sich hervorragend über Politik diskutieren. Bei der Gelegenheit lassen sich auch einige Mißverständnisse über die Piraten aus dem Weg räumen.

Selbst wenn sie nicht aus politischer Überzeugung wählen wollen, wäre die Aussicht, den großen Volksparteien, die sie seit Jahren enttäuscht haben, einen Denkzettel zu verpassen, doch sicher ein guter Anreiz. Wäre doch toll, wenn man neben der Großen Koalition gleich noch Schwarz-Gelb verhindern könnte. 😀

Natürlich können wir das ganze nicht „The Great Schlep“ nennen, auch wenn wir uns wortwörtlich zur Verwandschaft schleppen. Deswegen habe ich letztens ein bisschen meine Fantasie spielen lassen und kam auf den Begriff Änderfahrt in Anspielung auf die Enterfahrt. Damit es auch einen piratigen Charakter hat.

Aus dem Grund habe ich dann gleich mein Inkscape angeschmissen und habe streng nach Alfred Biolek „schon mal was vorbereitet“:

Aenderfahrt

Creative Commons License
aenderfahrt.png von Martin(IQ) steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Das kleine Piratenschiff habe ich auf openclipart.org gefunden. Der Pirat hat sein zu Hause in der englischen Wikipedia. Den Rest habe ich und mein Inkscape erledigt.

Ist nur so eine Idee. Was meint ihr? Hätte so etwas Aussicht auf Erfolg, oder ist so etwas hierzulande nicht vorstellbar? Ist es am Ende vielleicht eine dämliche Idee? Würde sich ein Nichtwähler überhaupt überzeugen lassen, doch zur Wahl zu gehen?

Wie auch immer, ich denke der Schlüssel für einen Pirateneinzug sind die Nichtwähler. Wer anderer Meinung ist, oder mir unverhohlen beipflichten möchte, kann das gern in den Kommentaren tun. 😀

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9 Gedanken zu “Änderfahrt

  1. toll geschrieben, aber vielen ist der Aufwand doch zu groß mit der „Enterfahrt“ auszulaufen.

    Den Piraten fehlen einfach die finanzellen Mittel.
    Ein Spendkonto muss her. Und deutlich mehr Werbung damit das was wird.

    • … aber vielen ist der Aufwand doch zu groß mit der „Enterfahrt” auszulaufen.

      Ehrlich? Kommt natürlich drauf an, wo die Eltern inzwischen wohnen, aber in der Regel wohnt man doch nicht so weit auseinander, dass man mal einen Sonntag opfern könnte, oder?

      Ein Spendkonto muss her.

      Gibt es doch schon, soweit ich das sehen kann.
      Piraten Spendenkonto

      Auch für einen Wahlkampfspot im Privatefernsehen kann inzwischen gespendet werden.

      Und deutlich mehr Werbung damit das was wird.

      Je mehr Leute auf Änderfahrt gehen würden, desto weniger Werbung wäre nötig. Geht doch nichts über ein bisschen Mund-zu-Mund Propaganda. 🙂

  2. *Grins* Ich gehöre gleichzeitig zu fast allen der von Dir genannten Kategorien. Ich bin als Programmierer Netzaffin, mit 52 Jahren bestimmt Ü40, und bislang klassischer Nichtwähler (mangels wählbarer Parteien). Diesmal wähle ich Piraten. Und ich hoffe, dass die nicht genau so assimiliert werden wie seinerzeit die Grünen. Denn das ist der „Nachteil“, wenn man etwas älter ist: Man hat ein langes Gedächtnis.

    • Wobei du als „Netzaffiner“ natürlich aus der laut meinem Artikel noch zu mobilisierenden Gruppe rausfällst. 😉

      Ich dachte ja eher an die Generation „Internetausdrucker“, die noch an die Wahlziele/das Wahlprogramm der Piraten herangeführt werden müssen. Denen muss erklärt werden, was Vorratsdatenspeicherung bedeutet, und welche Gefahren das sogenannte Zugangserschwerungsgesetz in sich birgt.

      Und ich hoffe, dass die nicht genau so assimiliert werden wie seinerzeit die Grünen.

      Die Gefahr besteht natürlich dann, wenn die großen Volksparteien beginnen, Wahlziele der Piraten in ihr Programm aufzunehmen.

      Andererseits vertritt die FDP ja laut eigener Aussage schon einige Standpunkte der Piraten, und trotzdem hat es den Piraten bisher nicht geschadet.

      Meiner Meinung nach sind die Piraten inzwischen viel mehr als eine Partei mit gewissen Wahlzielen, sondern eine neue Form der Demokratiebewegung. Wenn man diesen Aspekt konserviert, sehe ich momentan keine Gefahr der Assimilierung.

      Interessant ist dazu vielleicht auch das Interview mit dem Ex-Grünen Herbert Rusche.

  3. Die Gefahr der Assimilation besteht nicht dann, wenn andere Parteien Programmpunkte der Piraten übernehmen, sondern dann, wenn die Piraten erfolgreich werden. Erfolgreich nicht in dem Sinne, Datenschutz, Privatsphäre, Grundrechte e.t.c. durchzusetzen, sondern Erfolgreich in dem Sinne, „Posten“ bekleiden zu können. Dann werden Pöstchenjäger anfangen, bei den Piraten mitzumischen. Und das dürfte der Anfang der Assimilation sein.

    Die Grünen hatten Anfangs mal das „Rotationsprinzip“. Ich halte das zwar für Blödsinn, aber die Idee dahinter, die „Macht“ auf möglichst viele zu verteilen, war eigentlich genau richtig. Sicher, ein Medienstar kann eine effizientere Show abziehen (nicht nur in den klassischen Medien, auch im Internet). Die Leute stehen nun mal auf Showstars. Aber ich befürchte, dass solche Showstars langfristig der Sache eher schaden.

    Das meine ich mit Assimilation.

    • Ach so war das mit der Assimilation gedacht. Das war wohl ein Mißverständnis meinerseits. 🙂

      Ich dachte dabei an die Schwierigkeiten der Grünen, nachdem inzwischen der Umweltschutz als Steckenpferd von den großen Volksparteien (wenn man das über die SPD noch sagen kann) in ihr Wahlprogramm assimiliert wurde. Umweltschutz ist heute vor allem Dank der Grünen ein breiter, gesellschaftlicher Konsens.

      Was nun dein Verständnis von Assimilation angeht, gebe ich dir Recht. Wollen wir hoffen, das sich bei den Piraten nicht eine Art Oskar Lafontaine nach oben arbeitet.

      Dank des Internets und der neuen Möglichkeiten (siehe Petition gegen das Zugangserschwerungsgesetz) sehe ich aber gute Chancen, das hier tatsächlich eine neue Art Demokratiebewegung entstehen könnte, bei der jeder Bürger quasi von zu Hause aus bei der politischen Willensbildung mitarbeiten könnte.

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