Wenn man keine Ahnung hat …

Wenn man sich die ganze peinliche Situation um den angeblichen Forumseintrag der Amokläufers von Winnenden so ansieht, könnte man meinen, das Land Baden-Württemberg hat jüngst eine neue Imagekampagne lanciert.

bw_motto

Ich kann übrigens gar nicht sagen, wie sehr mir die aktuelle Berichterstattung wieder mal auf die Nerven geht. Natürlich muss wieder Counter Strike und Crysis für den Amoklauf herhalten.

Kann mir bitte irgend jemand sagen wieviele dieser übereifrigen Politiker jemals eine Runde Counter Strike gespielt haben? Wieso keifen eigentlich immer die Leute mit der geringsten Ahnung am lautesten?

Ist eigentlich schon mal untersucht worden, wieviele Al-Qaida Bombenleger vorher Minesweeper gespielt haben? Immerhin kommen in dem Spiel Bomben vor. Das ist doch brandgefährlich. 😉

Sind die Cowboy & Indianerspiele in den Kindertagen der alten Politikerriege eventuell eine Verharmlosung von Völkermord gewesen? Sind unsere Politiker tickende Zeitbomben? 😆

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11 Gedanken zu “Wenn man keine Ahnung hat …

  1. Das Problem sind nicht die Spiele, das Problem ist das soziale Umfeld. Solange das stimmt, wird ein Schüler nicht zum amokläufer werden, auch wenn er 100 First Person Shooter spielt. Der Auslöser ist meiner Meinung nach im familiären Umfeld und im Mobbing der Mitschüler zu suchen. Die Familie ist heute immer weniger wert, und das bekommen wir jetzt auf diese Art zu spüren.

    Im übrigen gabs Amoklaufende Schüler auch schon lange vor den „Killerspielen“. Der erste mir bekannte (und vermutlich der insgesamt bekannteste, auch wenn viele gar nicht wissen, daß sie ihn kennen) Amoklauf an einer Schule ist schon 1979 in San Diego passiert. Da gabs definitiv noch keine First-Person-Shooter, trotzdem gabs 2 tote und 8 schwerverletzte. Vermutlich war das aber auch nicht der erste, sicher sind auch vorher schon Schüler durchgedreht…

    Ach ja, warum ich der Meinung bin, daß das der (heute) bekannteste unbekannte Amoklauf an einer Schule ist? Ganz einfach: Er war die Vorlage für „I Don’t Like Mondays“ von den Boomtown Rats – und wenn man den Text aufmerksam verfolgt, dann ist es auch klar, daß es um den Amoklauf einer Schülerin geht…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Brenda_Ann_Spencer

    Das allein ist für mich Beweis genug, daß die First-Person-Shooter nicht die Wurzel des Übels sind. Wären sie es, wäre das Problem viel größer.

    Was ich mir aber vorstellen könnte, ist, daß sie den Ablauf des Geschehens beeinflussen, weil sich der Täter z.B. an die Choreographie eines First-Person-Shooters hält und das Spiel ihn auf Ideen bringt, wie er vorgehen könnte…

  2. Ich habe auch schon ein paar mal CounterStrike und z.B. auch FarCry gespielt – ich muß immerhin feststellen, das ein häufiges Spielen sicherlich Hemmungen abbaut, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Nicht das ich schon jemals eine geladene Waffe in der Hand gehabt hätte, aber in früheren Jahren war ich solchen Spielen gegenüber deutlich reservierter – das hat sich nach mehrmaligem Spielen sicherlich geändert. Zum Anfang habe ich noch nachgedacht: „Bist du völlig bescheuert, das du auf virtuelle Figuren schiesst, die du real kennst?“

    Aber: nur CounterStrike spielen reicht nicht aus, um eine solch grausame Tat zu begehen! Wie trekkie22 richtig anführt, spielt das soziale Umfeld eine zentrale Rolle – es reicht auch keine schlechte Laune oder vorübergehender Frust. Der Täter muß jahrelang, vielleicht einen Großteil seines Lebens frustriert, depressiv, verzweifelt o.ä. gewesen sein. Was ihn zu der Tat getrieben hat, wissen wir nicht wirklich – es ist im Grunde auch taktlos, darüber zu spekulieren. Ich wollte nur meine Zustimmung zu deinem Artikel zum Ausdruck bringen und klarmachen, das der reine „Konsum“ von Killerspielen natürlich nicht dazu führt, das jemand eine solche Tat begeht. Völliger Unsinn!

    PS: Es war glaub‘ ich ein Chatroomeintrag und kein Forumseintrag – oder liege ich daneben? 🙂

  3. Ich stimme da mit euch beiden vollkommen überein. Die sogenannten Killerspiele als die Ursache des Amoklaufs zu nennen, ist der typische Medienblödsinn, den man schon gewöhnt ist.

    Was mich auch in diesem Fall wieder mal erstaunt ist, dass in manchem Nebensatz zwar auf eventuelles Mobbing eingegangen wird, aber sonst immer nur von den armen Opfern (Mitschülern) gesprochen wird.

    Sicher ist der Großteil von ihnen unschuldig, aber was ist denn mit denen, die den Täter vielleicht jahrelang gemobbt haben?

    Die legen jetzt auch verlogen handgeschriebene „Warum?“ Plakate neben die Grabkerzen und beschreiben in Interviews, wie ruhig und introvertiert der Typ war, und dass man sich das nie hätte vorstellen können. Warum werden diese „Täter“ eigentlich nicht zur Verantwortung gezogen?

    An dem Spruch „Kinder können grausam sein“ muss doch irgend etwas dran sein?

    Wieso sehe ich dazu nie eine öffentliche Debatte, sondern immer nur aus der Hüfte schießende Politiker, die den schwarzen Peter den Killerspielen zuschieben?

    @roman
    Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das nun ein Forum oder ein Chatroom ist. Es war meines Wissens krautchan.net. Eine kurze Recherche legt nahe, dass es tatsächlich eher ein Chatroom ist. Demzufolge hättest du recht.

  4. Es ist soweit, jetzt geht die Diskussion um die „Killerspiele“ wieder so richtig los: http://www.heise.de/newsticker/meldung/134958

    Die Politiker suchen mit aller Gewalt ein Ziel, auf das man lossteuern kann – da sind Computerspiele scheinbar das leichteste Opfer. Irgend einen Schuldigen muß man dem Volk ja präsentieren – und die verkorkste (Familien-) Politik der Regierung darf ja nicht Schuld sein.

    Was mich dabei ankotzt: Anstatt nach den wirklichen Ursachen zu suchen und sich Lösungen dafür zu überlegen, geht man wieder auf die Spiele los, obwohl man genau weiß, daß die Hauptursache woanders zu suchen ist. Jeder Mensch mit klarem Verstand sollte in der Lage sein, das zu erkennen.

    Was allerdings die Idee der schärferen Waffenkontrolle angeht, da bin ich dafür. Daß man eine Schußwaffe im Haus hat, von mir aus, so ein alter Vorderlader an der Wand ist ja mitunter auch dekorativ – aber dann bitte generell ohne scharfe Munition. Waffenschein hin- oder her.

    Wenn man meint, daß man daheim unbedingt was zur eigenen Verteidigung braucht, dann tuts in meinen Augen auch ein Pfefferspray…

    • Ich würde sogar soweit gehen, den generellen Waffenbesitz in Privathaushalten zu verbieten.

      Außnahmen wirklich nur für zertifizierte Sportschützen.

      Wofür braucht man bitte eine Schußwaffe in den eigenen vier Wänden? Das will mir nicht in den Kopf.

  5. Hm… wenn die Politiker doch so schlau sind, warum verstehen sie dann einen Grundsatz der Welt nicht?

    KORRELATION IST NICHT GLEICH KAUSALITÄT!!!

    Natürlich spielen diese Leute Killerspiele. Was glaubt ihr denn, was ich spielen würde, wenn ich tatsächlich Leute erschießen wollte? Super Mario!?
    Amokläufer laufen nicht Amok, weil sie Killerspiele spielen. Sie spielen Killerspiele, weil sie Amokläufer sind, und aus dem gleichen Grund laufen sie auch Amok.

    Hat eigentlich jemand mal eine Statistik von Amokläufen vor dem Erscheinen von Counter Strike?

    Da können sie doch gleich Brot verbieten. Über 90% aller Amokläufer essen am Morgen vor ihrer Tat Brot. Brot ist brandgefährlich…

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