Wahlschmerzen

Kann sich noch jemand an die ausgelassenen und feuchtfröhlichen Partys auf New Yorks Straßen erinnern, als im Fatherland (frei nach Henning Wehn) Angela Merkel die Kanzlerkrone errang? Seht ihr, ich auch nicht.

Deswegen finde ich die derzeitige Programmgestaltung mit all der Wahlbeobachtung, Obama-Partys, Wählerbefragungen, … so grotesk.

Wenn ich daran denke, welche Trivialitäten Peter Klöppel und Konsorten versenden werden, muss man sich zwangsläufig fragen, was diese Wahl so wichtig für uns macht. Mir persönlich fällt spontan keiner ein.

Trotzdem wird das Ereignis gefühlt im gleichen Maß gecovered wie eine Katastrophe ähnlich dem 11. September. Da muss offensichtlich jeder zu Wort kommen. Würde mich nicht wundern, wenn die sogar noch Joe the Plumber ins Studio karren. 😉

Aber es ist ja nicht nur die Wahlnacht.

Wahrscheinlich dürfen wir uns die ganze Woche noch mit den Auszählungspannen und verrückt spielenden Wahlmaschinen auseinandersetzen bis dann am Schluß das United States Supreme Court nach einem Verhandlungsmarathon McCain als Wahlsieger bekannt gibt.

Und wofür das alles?

Weil in einem Land gewählt wird, in dem wir nicht wahlberechtigt sind und der Ausgang der Wahl für uns überhaupt nichts ändern wird.

McCain oder Obama?
Was für ein Drama.

Die Leut‘ heut Abend bei n-tv,
nehmen’s wirklich ganz genau.

Nach 10 Minuten bist du reif
für eine Stunde auf 9Live.

Mal sehen, was das Fernsehprogramm heute sonst noch so hergibt. 🙂

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8 Gedanken zu “Wahlschmerzen

  1. Es geht doch nicht darum, ob das für UNS (wen meinst du überhaupt? UNS Deutsche? UNS Europäer? UNS Blondinen, die in der 9. Klasse eine drei minus in Latein hatten?) irgendwelche Auswirkungen hat. Meinst du, deshalb dürfe es UNS nicht interessieren, UNS nicht mitreißen? Soll man vor allem die Augen verschließen, was nicht innerhalb der eigenen Landesgrenzen geschieht? Nach dem Motto: Wer an UNSERER Gesundheitsreform nichts ändert, interessiert mich nicht?
    Also bitte…

  2. wen meinst du überhaupt? UNS Deutsche? UNS Europäer?

    Ich würde sagen, such dir was aus. Wobei ich wirklich an uns Deutsche gedacht habe.

    Meinst du, deshalb dürfe es UNS nicht interessieren, UNS nicht mitreißen?

    Natürlich nicht. Mir ging/geht es bloß um die exzessive Berichterstattung.

    Spätestens wenn Peter Klöppel anfängt seine Sätze mit Gesprächspausen in die Länge zu ziehen, wird klar wie dünn das Material an einigen Stellen ist. 😉

    Soll man vor allem die Augen verschließen, was nicht innerhalb der eigenen Landesgrenzen geschieht

    Das ist klassisches schwarz-weiß Denken. Ich plädiere für mehr Qualität statt Quantität. Deswegen verlange ich doch nicht, dass überhaupt nicht mehr darüber berichtet wird.

    Lediglich der Umfang geht mir auf die Nerven.

    Was hat eine Analyse der gespielten Musik auf Barack Obamas Wahlkampfveranstaltung bitte mit der Präsidentenwahl zu tun? Wieso spekulieren bezahlte Reporter ob die Musikauswahl den persönlichen Musikgeschmack des neuen Präsidenten widerspiegelt? Und vor allem, ist diese Information wirklich so sendewürdig?

  3. Die Sender bemühen sich nach Kräften, eine Amerikanisierung voranzutreiben. Die Rechnung hinter den Beiträgen ist einfach: Mit viel Amerika in den Nachrichten suggeriert man der breiten Masse, daß Amerika wichtig ist. Es gäbe genug interessante Nachrichten, aber die sind ja nicht Amerika, also auch nicht „wichtig“ – sie dienen nämlich nicht direkt dem Geschäft. Amerikanisierung der Bevölkerung im großen Stil – das ist das Ziel.

    Zum Teil klappts ja schon, siehe Halloween. Zwar hat eigentlich die Süßwarenindustrie Halloween importiert, aber die Fernsehmacher haben das ja nach Kräften unterstützt. Es hat geklappt, die Halloween-Unsitte hat in Deutschland im großen Stil Einzug gehalten. Daran verdienen jetzt alle – die Hersteller der Süßigkeiten mit ihren Produkten und die Sender mit der zusätzlichen Werbung für dieselben…

  4. Amerikanisierung der Bevölkerung im großen Stil – das ist das Ziel.

    Sehe ich zwar nicht so, aber zumindest im Bereich Fernsehen gebe ich dir recht.

    Neben dem von dir schon erwähnten dämlichen Halloweenimport sind es vor allem die inzwischen immer häufiger auftretenden Werbepausen im FreeTV, die einen an amerikanische Verhältnisse erinnern.

    Selbst mit dem Aufkommen der Privatsender in Deutschland hätte ich es nie für möglich gehalten, das wir einmal so weit kommen werden.

    Am schlimmsten finde ich die Werbepausen kurz vor Ende des Film/der Serie. Welches kranke Hirn hat sich das bloß ausgedacht. Wahrscheinlich irgend ein schikanöser Programmchef, der etwas dagegen hat, dass ich das Programm tatsächlich genießen könnte. 😉

  5. Das mit den Werbepausen ist der Grund, daß ich das viele Geld für Premiere ausgebe. Ganz werbefrei ist man da zwar auch nicht, aber gegen Werbung _zwischen_ den Sendungen habe ich auch gar nix. Nur die Werbeunterbrechungen finde ich zum kotzen…

    Die Werbung kurz vor Schluß ist am nervigsten, da hast Du Recht!

    BTW: Seit wann ist „getmobile“ denn „Trusted Shops“ zertifiziert? Ich hab‘ gedacht, ich hör‘ nicht recht, als ich gestern beim zappen über den aktuellen Werbespot gestolpert bin und die da damit Werbung gemacht haben… :-O

    Auf die Shopzertifizierungen kann man sich scheinbar auch nicht mehr verlassen… 😦

  6. Sofern sie die Auszeichnung haben, werden sie wohl alle Kriterien für das Siegel erfüllt haben.

    Da ich die Testkriterien nicht kenne, kann ich ansonsten keine Aussage dazu machen.

    Vielleicht sind die gesetzlichen Ansprüche z.B. hinsichtlich Preistransparenz andere als die persönlichen.
    Die ganze Sache mit den 0,- € * Angeboten bei denen die Kosten erst drei Seiten weiter hinten im Kleingedruckten aufgeführt werden ist für mich beispielsweise nicht gerade preistransparent, trotzdem scheint der Gesetzgeber nichts dagegen einzuwenden zu haben, da dies quer durch die Bank so gehandhabt wird.

    Auf der anderen Seite hat ja meines Wissens nach bisher niemand bezweifelt, das sich die Firma an Widerspruchsfristen und Ähnliches halten würde.

  7. Offensichtlich nicht.

    Lässt man in diesen Tagen auch nur einen mürrischen Kommentar über Obama vom Stapel, wird es sofort als Majestätsbeleidung ausgelegt. 😆

    Bin ja mal gespannt, ob der zukünftige amerikanische Präsident quasi im Vorbeigehen auch unsere Probleme lösen wird. 😉

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