Schlummern, Snooze, Doze

Die meisten von uns haben einen neben dem Bett stehen. Er tickt, leuchtet, klingelt oder spielt Radio, um uns aus den Federn zu holen.

Wer bei Ticken und Klingeln jetzt an einen altmodischen Sprengsatz denkt, hat wahrscheinlich einen sehr tiefen Schlaf. Für alle anderen ist natürlich von einem Wecker die Rede. 😉

Auch neben meinem Bett steht so ein elektronischer Krachmacher, der mich per Ultrakurzwelle aus den Träumen reisst.
Glücklicherweise hat mein elektronischer Freund eine sogenannte Schlummertaste, die mir nach Drücken selbiger eine Gnadenfrist im harten Prozess des Aufwachens gewährt. Wenn ihr ein asiatisches Billigerzeugnis am Nachttisch stehen habt, kann statt Schlummern auch „Snooze“ oder „Doze“ gemeint sein.

Üblicherweise ist die Taste meist daran zu erkennen, das es die Größte im Knöpfemeer ist. Wenn man im Dunkeln auf das Knöpfepanel eindrischt, muss schließlich sichergestellt sein, das man auf jedenfall die richtige Taste erwischt.

Von Zeit zu Zeit habe ich mich immer wieder gewundert, warum er nun ausgerechnet 9 Minuten zusätzlichen Schlaf gewährt. Als ich dann letztens wieder über dieses Phänomen gestolpert bin, habe ich endgültig beschlossen, der Sache per Internet auf den Grund zu gehen.

Durch die Vielzahl der Suchtreffer war ich völlig erstaunt, wie viele Leute sich darüber Gedanken gemacht haben. Die Theorien sind mannigfaltig. Die beiden schlüssigsten, die mir am einleuchtendsten erscheinen, will ich hier mal zum Besten geben.

Theorie #1

Die erste rührt noch aus der Zeit, als Uhren, nicht wie heute elektrisch, sondern mit Zahnrädern angetrieben wurden.

Die Mechanik in den damaligen Uhren war standardisiert. Um die Schlummerfunktion nachzurüsten, ergaben sich für das zusätzliche Zahnrad durch die bestehende Mechanik gewisse Einschränkungen was die Anzahl der Zähne angeht. Aufgrund dieser Einschränkung hatte man nur die Wahl zwischen einer neun oder zehnminütigen Schlummerphase.

Schlußendlich hat man sich dann für die 9 Minuten Lösung entschieden, da bei einer längeren Schlummerphase die Gefahr besteht, wieder in den Tiefschlaf zu fallen. Ein anderer Grund ist angeblich die Struktur des Zahnrades. Je mehr Zähne ein Zahnrad hat, desto schwächer fällt es aus.

Als dann die elektronischen Uhren aufkamen, hat man sich einfach an den mechanischen Vorbildern orientiert und die 9-Minuten Lösung übernommen.

Theorie #2

Die anderen Theorie ist mehr technischer Natur. Eine neunminütige Schlummerphase hat den Vorteil, dass die Elektronik in der Uhr nur die letzte Ziffer überprüfen muss. Lässt man sich also theoretisch um 6:32 wecken, muss die letzte Ziffer nur um 1 reduziert, und in diesem Beispiel dann geprüft werden, wann sie wieder 1 ist. Der Wecker würde dann also wieder um 6:41 klingeln.

Bei einer längeren Schlummerphase müsste dagegen zusätzlich die Zehnerstelle überwacht werden. Dafür hätte man allerdings einen weiteren Schaltkreis benötigt, weshalb man sich für die 9-Minuten Lösung entschieden hat.

Das sind die beiden Theorien, die mir am einleuchtendsten erscheinen.

Laut einiger Statistiken wird die Schlummertaste im Schnitt übrigens drei Mal gedrückt, bevor die Leute aufstehen. Wie ist das denn bei euch?

Steht ihr gleich beim ersten Klingeln adrett neben dem Bett, oder ist euer erster Griff am Morgen der zur Schlummertaste?

Bei mir sind es im Schnitt wohl gewöhnlich zwei Mal, wenn ich im Dunklen nicht aus Versehen die falsche Taste treffe und den Alarm komplett ausschalte.
In dem Fall verschlafe ich gnadenlos. 😆

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8 Gedanken zu “Schlummern, Snooze, Doze

  1. Zu Theorie 2: Wenn du (im Beispiel) auf „letzte Zahl ≠ 2“ überprüfst, klingelt’s aber schon eine Minute später. 🙂 Und es fragt sich, wie heutige Wecker intern rechnen: jede Ziffer einzeln – dann würde die Beschränkung auf die letzte reichen – oder komplett binär, und dann funktionierte das nicht. Kann natürlich trotzdem der „historische“ Grund sein, gerade bei diesen blätternden Radioweckern.

    Ich persönlich muss zum Glück nicht so früh aufstehen und lasse nur meine (auf dem Nachttisch liegende) snoozefunktionslose Armbanduhr zu einer Zeit piepsen, die mehr Erinnerung denn Wecken ist. 🙂

  2. Bei mir ist es anders. Ich lasse mich mit Radio wecken und stelle mir die Uhr immer eine halbe Stunde früher, um noch in Ruhe Zeitung lesen und Kaffee trinken zu können. Dann wache ich auf und stelle den Wecker auf eine halbe Stunde später! 😉

    PS: Ich hab da einen heißen Tipp für dich. Auf NeunLive kam gestern um 12:30 Uhr die Sendung „Marks Woche“, da hat er Moderator Marc Wagner tut so, als wenn er Nachrichten vorliest, seine einzige journalistische Quelle ist dabei die Zeitung mit den vier Buchstaben. Sehr komisch. Auf der Senderhomepage habe ich dazu nichts gefunden, da die Sendung offensichtlich mit heißer Nadel gestrickt wurde. Lief gestern von 12:30 – 14:30 Uhr. Muß man mal den nächsten Montag beobachten. Da kannst du, glaub ich, was draus basteln. 😉

  3. Also – das 9-Minuten-Problem habe ich erst gar nicht. Ich lasse mich vom Palm mit 2PlayMe wecken und da kann ich einstellen, was mir beliebt.

    Aber das mit den 9 Minuten kommt denke ich am ehesten von den alten elektronischen Weckern mit den Blätter-Uhrwerken. Da sind die 9 Minuten der gerigste Aufwand…

    Einem modernen Wecker ist es im übrigen vollkommen wurst, ob das jetzt 5, 9, 10 oder 30 Minuten sind – da arbeitet intern sowieso irgend eine Art von Software, und ob die jetzt den kompletten Timestamp auswertet oder nur eine Ziffer macht wenig Unterschied.

    Bei teureren Modellen kann man die Zeit ab und an auch einstellen, meine Mutter hat z.B. so ein Teil. Da kann man 1-15 Minuten voreinstellen.

  4. @cimddwc

    Hast natürlich recht. Da war natürlich Quatsch, so wie ich das beschrieben habe.
    Hab jetzt nochmal nachgelesen und den Absatz korrigiert.
    Danke für den Hinweis. 🙂

    @romanmoeller

    Da offenbaren sich ja richtig ausgefuchste Aufwachstrategien. 🙂
    Wäre es da nicht besser, du hättest zwei Wecker?
    Dann könntest du dir das ständige Vor- und Zurückstellen einsparen.

    Sofern ich es nicht vergesse, werde ich auf alle Fälle mal nächsten Montag reinschauen.

    Hört sich ja wirklich grauenhaft an. Einzige Quelle die Zeitung mit vier Buchstaben. *schauder*

    @trekkie

    Was die modernen Wecker angeht, könntest du übrigens recht haben.
    Habe inzwischen noch ein bisschen weiterrecherchiert und dabei den einen oder anderen Kommentar von Ingenieuren gelesen, die im Grunde das gleiche sagen.

    Prinzipiell ist in modernen Weckern jedes Intervall einstellbar. Trotzdem bleibt man offensichtlich größtenteils bei den 9-Minuten, weil sich die bewährt haben und der Konsument das erwartet.

  5. Is ja lustig, Mein Wecker versucht mich alle 8 Minuten aus dem Reich der Träume zu holen, nachdem ich die dicke grüne Taste betätigt habe. Der Wecker meines Mannes versucht das gar alle 5 Minuten. Also ist diese 9min-Regel wohl nicht allgemeingültig.

  6. So sieht es aus. Der Großteil ist aber anscheinend immer noch auf 9 Minuten eingestellt.

    Das schließe ich zumindest aus der Statistik der Suchbegriffe hier im Blog. Ein Großteil kommt über die Kombination „9 Minuten Schlummern“ hier auf diesen Artikel. 🙂

  7. Pingback: Aufwachen mit System « daRONNs ||| ostBLOG

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