Konjugation

Im Gegensatz zu den Franzosen, deren Sprache von staatlicher Seite penibelst gepflegt wird, haben sich im deutschen Sprachgebrauch über die letzten Jahrzehnte eine Vielzahl englischer Wörter eingebürgert.
Über die Vor- oder Nachteile solch einer Entwicklung will ich hier gar nicht diskutieren.

Mit dem Internet ist nochmal ein großer Schlag Wörter hinzugekommen, der in den Generationen unter 30 heute genauso selbstverständlich benutzt wird, wie der restliche Wortschatz. Paradebeispiele sind z.B. posten, downloaden, updaten.

Das uns die weitere Entwicklung unserer Sprache trotz fehlender, staatlicher Pflege nicht gleichgültig geworden ist, sieht man an den teilweise verbissen geführten Diskussionen, wie der neue Sprachschatz korrekt durchkonjugiert werden soll.

Am häufigsten entbrennt der Streit nach meiner Erfahrung an den Worten downloaden und updaten.
Heißt es nun „Ich habe etwas gedownloadet oder doch besser „Ich habe etwas downgeloadet“? Gleiches für den Fall „updaten“. Upgedatet oder geupdatet?

Alle Nase lang stolpere ich wieder über so eine Diskussion, in der verbal aufeinander eingeprügelt wird, ohne zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen.

Deswegen habe ich gedacht, ich mache der Diskussion mit einem friedensstifterischen Versuch ein für alle Mal ein Ende und verrate euch, wie eine korrekte Konjugation auszusehen hat. 😉

Gedownloadet oder Downgeloadet?

Die Lösung ist denkbar einfach. Es heißt heruntergeladen.

Ich habe etwas heruntergeladen
Du hast etwas heruntergeladen
Er/Sie/Es hat etwas heruntergeladen
Wir haben etwas heruntergeladen
Ihr habt etwas heruntergeladen
Sie haben etwas heruntergeladen

Und wie sieht es im anderen Fall aus?

Upgedatet oder Geupdatet?

Wer hätte gedacht, das es aktualisiert heißt. 😉

Ich habe die Webseite aktualisiert
Du hast die Webseite aktualisiert
Er/Sie/Es hat die Webseite aktualisiert
Wir haben die Webseite aktualisiert
Ihr habt die Webseite aktualisiert
Sie haben die Webseite aktualisiert

Wenn ihr also das nächste Mal wieder Zweifel habt, wie eines dieser neuen Worte durchkonjugiert wird, zermartert euch nicht den Kopf, sondern sucht lieber nach einem deutschen Wort. Das lässt sich garantiert stressfrei durchkonjugieren.

Bei der Recherche bin ich übrigens auf die Aktion Lebendiges Deutsch der Stiftung Deutsche Sprache gestoßen. Hier versucht man sich unverkrampft an der Pflege der deutschen Sprache.

Eine wirklich interessante Seite und einen Blick wert. Schaut doch mal im Wortarchiv vorbei, oder beteiligt euch bei der Suche zum Wort des Monats.

Ich werde der Seite jedenfalls einen Platz in meiner Linkroll einräumen. 😀

Zum Abschluß noch ein Wort der Warnung:
Den Nächsten, der mir in einem Dialog erzählt, er/sie hätte etwas downgeloadet, werde ich mit einem Duden verprügeln. 😆

Advertisements

13 Gedanken zu “Konjugation

  1. Pingback: StoiBär » Blog Archiv » Kleiner Deutschkurs für Nerds

  2. Sehr schön gesagt – und so wahr. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle doch noch erwähnt, dass zumindest laut Bertelsmann richtigerweise „downgeloadet“ (ebenso wie „upgeloadet“) geschrieben wird.

    Fürs updaten wissen die Wörterbücher aber noch keinen Rat.

  3. @Martin

    Mist. 😉

    Danke, das du mich auf den Fehler aufmerksam gemacht hast. Ist eben doch nicht so einfach, wenn man deutsche Grammatik und Rechtschreibung auf englische Importware anwendet.
    Da es im Englischen „downloaded“ hieß, hab ich wohl gedacht, im Deutschen wäre es das gleiche.

  4. Keine Panik vor Anglizismen! Neue Wörter für wirklich Neues machen die Sprache mächtiger und ausserdem für Ausländer leichter zu verstehen!
    Btw. „downloaden“ ist ja nun wirklich ein vulgäres Wort, welches man als gehobener haxxor nur dann verwendet, wenn auch absolute Computerlaien (noobs) sofort verstehen müssen was gemeint ist! 😉
    Wer durch Eloquenz brillieren will, sagt „leechen“ oder noch besser „schlutzen“ (Deutsches, also mit „u“ auszusprechendes Wort für „downloaden“, abgeleitet von engl. „slut“)
    Ansonsten kann ich mir nur vivec anschliessen. Ich würde bei der Schreibweise aber eher zu „geuppt“ tendieren.

  5. Wer durch Eloquenz brillieren will, sagt “leechen” …

    Leechen ist allerdings negativ vorbelegt. Ob das ein äquvalentes Wort für „downloaden“ ist?

    Normales Herunterladen ist für mich etwas anderes als das als verpönt verschriene „leechen“.

    Schlutzen habe ich persönlich noch nie gehört. Selbst Google kennt dafür wenig Treffer, und die, die aufgeführt werden, sind entweder Verschreiber, oder beziehen sich auf den pfälzischen Dialekt, wo das Wort offensichtlich gleichbedeutend mit „schlurfen“ ist.

    Was nun geuppt bzw. geupped angeht, würde ich doch eher „hochgeladen“ bevorzugen. Oder wollt ihr wirklich mit einem Fremdwörterduden verprügelt werden? 😉 😆

  6. Mir fällt gerade „doubeln, gedoubelt“ ein. Ist aus dem Französischen deutsch eingefälscht und vom Prügel-Duden abgesegnet. „Daunlohden“, „apdäten“ – weiß Gott, es hätte schlimmer kommen können.

    Es ist ja nun nicht so, daß jemand, der „downgeloadet“ verwendet, plötzlich deshalb nicht mehr wüßte, daß es „heruntergeladen“ auch noch gibt. Wo soll denn da totes Deutsch in Sicht sein? Erhaltung einer reinen Sprachrasse? Herrje! Warum ausgerechnet jetzt? Da hätte der erste Mensch auch beim Grunzen, Röcheln und Rülpsen bleiben können (um die Alpen herum im deutschsprachigen Raum heute noch Hauptsprachbestandteile. Pardon, Sprachhauptbestandteile?).

    Und wenn schon dieses angsteinflößende Wort „downloaden“, dann natürlich in der Konjugation „downgeloadet“. Es heißt ja auch nicht „geüberstülpt“.

    Daß der französische Staat die Landessprache beaufsichtigt, kann man ja toll finden. Vielleicht ein neues Aufgabengebiet für Innengedönsrat Schäuble. Isch als aber net ohbegingt notwendig.

    Freilandhaltung für die Sprache! An die frische Luft mit ihr, raus aus den Grüften von Schiller und Goethe! Konservative sind Dosentrödler. Wie will man denn mit der Konservierung von Grabbeigaben etwas wiedererwecken, was noch lebt? Finger weg von der ewigen Jugend der Sprache!

    Die Sprache lebt! Input! Mehr Input!

  7. Ich stelle mir gerade vor, Arminius hätte durchgesetzt, daß die Germanen sich gegen römische, griechische, gallische, gotische, hispanische, arabische und angelsächsische Einflüsse abschotten: Ich säße dann jetzt vermutlich als Mitglied eines überaus stolzen Volksstamms in einem Pfahlbau am Bodensee, würde mir den Arsch abfrieren und wüßte nicht einmal, warum, weil ich keine Ahnung hätte, daß null Grad weniger sind als 25. Da werde ich mich über „downloaden“ aufregen…

  8. Ich verteufle Einflüsse aus anderen Sprachen ja überhaupt nicht.

    Trotzdem bin ich der Meinung, das downgeloadet/gedownloadet eine sprachliche Irrung ist. Die wird sich meiner Meinung nach auch nicht durchsetzen.

    Ich habe nie befürwortet, dass wir den französischen Weg einschlagen sollten. Auch das französische System hat seine Schwächen.

    Ich plädiere lediglich für einen gesunden Mittelweg zwischen „Sprachnazi“ und „Laissez-faire“ Sprachentwicklung.

    Dann musst du auch nicht in einem Pfahlbau am Bodensee sitzen, und ich muss meinen Großeltern nicht dauernd das Fernsehprogramm übersetzen, da dort inzwischen eine andere Sprache gesprochen wird.

  9. Ich wollte Dich ja gar nicht in allen Einzelheiten kritisieren. Der Ironie wohnt eine gewisse Übertreibung inne (Zitat von wasweißichwem). Liegt mir, kann ich nichts für.

    Der Mittelweg findet sich selbst. Kein Mensch hat je so gesprochen, wie Thomas Mann geschrieben hat. Es war sein eigener Schreibstil, seine eigene Schriftsprache. Und schon seine Kinder haben Wörter benutzt, von denen er sicherlich nicht einmal befürchtet hat, sie könnten existieren.

    Ich habe mal gehört, daß, wenn ein Großteil der Bevölkerung ein Wort konsequent und unbelehrbar über lange Zeit falsch benutzt oder schreibt, der Duden eines Tages kapituliert und falsch für richtig erklärt. Ich habe kein Beispiel parat, kann mir das aber bei „scheinbar“ und „anscheinend“ gut vorstellen: Kaum jemand sagt „anscheinend“, und 90% der verwendeten „scheinbar“ sind einfach falsch. Es ist fast immer „anscheinend“ gemeint. Irgendwann jedoch wird „scheinbar“ wohl offiziell die Bedeutung von „anscheinend“ zusätzlich übernehmen und als einziger Begriff überleben.

    Deine Großeltern teilen das Schicksal der Großeltern aller Zeiten. Walther von der Vogelweide hätte von Goethe wahrscheinlich kaum mehr ein Wort verstanden. Friedrich der Große, französisch erzogen und deutsch verprügelt, konnte kaum Deutsch. Er konnte es nicht! Er parlierte französisch.

  10. Ich wollte Dich ja gar nicht in allen Einzelheiten kritisieren.

    Selbst wenn es so gewesen wäre, bin ich froh über jede kontroverse Meinung.
    Damit will ich sagen, dass ich selbstverständlich in keinster Weise verärgert bin über deine Kommentare.
    Nur als Klarstellung, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte. 🙂

    Ich habe mal gehört, daß, wenn ein Großteil der Bevölkerung ein Wort konsequent und unbelehrbar über lange Zeit falsch benutzt oder schreibt, der Duden eines Tages kapituliert und falsch für richtig erklärt.

    Laut einem Interview mit Dr. Matthias Wermke (Leiter der Dudenreaktion), ist vorallem die Verwendung in vielen schriftlichen Quellen ausschlaggebend, ob ein Wort „Dudenreif“ ist, oder nicht.
    Spontan fällt mir da beispielsweise das Wort „googeln“ ein, das vor einiger Zeit aufgenommen wurde.

    Um noch mal auf den Aspekt „Unbelehrbarkeit“ zurückzukommen. Das ist auch der größte Schwachpunkt im Französischen System.
    Der Staat kann dem Volk noch so schöne Wörter aufoktruieren. Wenn das Wort nicht im Sprachgebrauch verwendet wird, sind auch staatliche Stellen absolut machtlos.
    Darauf wird auch im verlinkten Wikipedia Artikel über das Loi Toubon am Beispiel „week-end“ und „vacancelle“ eingegangen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s