Zeitungsformat

Seit Jahren liest man, selbstverständlich vorzugsweise in den elektronischen Medien, wie schlecht es unseren Zeitungen geht. Eine Kultur droht unterzugehen.
Sinkende Werbeumsätze, schwindende Leser/Abonnenten und die Konkurrenz durch eben schon erwähnte Onlinemedien.

Nun hat ja jede Medaille zwei Seiten. Wo der eine oder andere Chefredakteur vor Sorgen seine Stirn in Falten wirft, freut sich der medienkritische Leser über den Auflagenrückgang des einen oder anderen Schmierblattes. Da bild ich mir natürlich meine Meinung. 😉

Der Spiegel hat – wo sonst, als online – unlängst in einem Artikel gleich derer drei Krisen ausgemacht, die wie ein Damoklesschwert über der druckenden Zeitungszunft hängen.

Mir persönlich erscheinen die Gründe zwar durchaus plausibel, doch verweigere ich den Kauf einer Tageszeitung aus viel pragmatischeren Gründen. Die Rede ist vom Format.

Jeder der schon mal eine Tageszeitung in Händen hatte, weiß, was für Lappen das sind. Ohne genug persönlichen Freiraum und eine passenden Unterlage (Tisch), ist an den Konsum der gedruckten Nachrichten gar nicht zu denken.

Lesen in öffentlichen Verkehrsmitteln ist undenkbar, es sei denn man hat einen verständnisvollen Sitznachbarn, der einem beim Umblättern freundlicherweise seine Oberschenkel als Ablagefläche zur Verfügung stellt.

Ich bekomme immer einen Schreikrampf, wenn ich eine herumliegende Zeitung aufschlage. Entweder fällt alles durcheinander, oder man benötigt eine staatlich anerkannte Gymnastikausbildung, um die Zeitung in chronologischer Reihenfolge zu lesen.

Besonders amüsant wird es, wenn man zum Schreibgerät greift und versucht, die weiter hinten abgedruckten Rätsel (Kreuzworträtsel, Sudoku, …) zu lösen.
In öffentlichen Verkehrsmitteln ist das ein richtiges Abenteuer, das ich mir manchmal ersatzweise statt eines Fitnesstudiobesuchs gönne. Man will ja in Bewegung bleiben. 😆

Die Szenerie könnte genauso gut einem Loriotsketch entspringen.

Wer ist nur auf dieses Format gekommen? Ist diese Entscheidung jemals hinterfragt worden?

Ich schaue immer neidisch auf einige englische und amerikanische Zeitungen, und frage mich, warum nicht auch bei uns endlich mal die eine oder andere Tageszeitung ihr Format umstellt. Es ließe sich doch viel einfacher lesen, wenn die Zeitung beispielsweise im „Tabloid“ Format erhältlich wäre.

Damit würde das ganze Falten und Glattstreichen der Vergangenheit angehören.

Also liebe Zeitungen, tut mir den Gefallen und bringt endlich eine lesbare Tageszeitung auf den Markt. Dann bin ich gerne wieder bereit, mir die eine oder andere Ausgabe zu kaufen.

Dann muss ich nicht mehr meinen Sitznachbarn behelligen oder angesichts exotischer Körperausdünstigen meines Nebenan freiwillig auf den Konsum meiner Zeitung verzichten. Das hätte außerdem den Vorteil, dass sich jener Zeitgenosse auch eine Ausgabe kaufen muss, um auf dem Laufenden zu sein. Schon hättet ihr eine Zeitung mehr verkauft. 😉

Sollte aus mir unerfindlichen Gründen eine Formatumstellung nicht möglich sein, plädiere ich hiermit dafür, die patentierte Falttechnik der berühmten Falk Stadtpläne zu lizenzieren und die Zeitung alternativ in diesem Format an den Kiosk zu bringen.

Damit könnte ich auch leben. 😆

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13 Gedanken zu “Zeitungsformat

  1. Genau diese Bedenken nahm die „Frankfurter Rundschau“ vor einigen Monaten zum Anlass, sich im Tabloidformat zu präsentieren.
    Ja, sie ist dadurch handlicher geworden. Das Sudoku-Problem ist dadurch aber nicht viel besser geworden. Die sollten wirklich auf Seite 3 unten stehen. Bisher habe ich leider keine Zahlen lesen können, in wie weit sich diese umstellung auf die Zahl der Lesder ausgewirkt hat. Schließlich war nicht jeder begeistert, da nicht nur das Seitenlayout deutlich anders war, sondern auch zu befürchten war, dass die Texte mit weniger Platz zur Verfügung auch knapper und damit weniger informativ werden können, was meiner Meinung nach zumindest teilweise auch eingetreten ist.
    Überdies nützt das alles Lesern außerhalb des Rhein-Main-Gebietes nicht allzuviel. Sollte diese umstellung wirklich Erfolg gehabt haben, werden es sich aber auch andere eher siechende Zeitungen überlegen…

  2. Das Dilemma der Printmedien ist der immer noch anhaltende Irrglaube, dass man topaktuell sein muss, um bei der potenziellen Leserschaft zu punkten. Gerade die Tageszeitungen sind dem verfallen, was sich in spätem Redaktionsschluss bemerkbar macht und meistens auf Kosten der Qualität (mangelnde Zeit für Rechtschreibkorrekturen, zum Beispiel) geht.
    Dabei ist es doch so, dass der durchschnittliche Leser mittlerweile für hochaktuelle Nachrichten schon lange andere Medien wie Teletext oder auch das schnelllebige Internet für sich entdeckt hat. Die Nachrichten in Zeitungen hingegen sind oft schon veraltet, wenn das Papier in die Druckerpresse gleitet und wenn sie am Morgen auf meinem Tisch landen, dann sind es zumeist Nachrichten von gestern, wo ich schon eine halbe Stunde später sowieso durchs Internet „geupdated“ werde.
    Die große Stärke der gedruckten Medien sind Hintergrundberichte, Analysen und Meinungen. Und zwar ausführlich, denn dafür ist im Internet kein Platz. Ich habe es mir zwei Mal angetan, einen Artikel der Zeit online zu lesen, das ist kein Vergleich zum Papier. Auf diesem Sektor sollten sich Zeitungen verstärkt engagieren, aber Schreiber mit Profil sind leider rar und die wenigen, die es noch gibt zumeist gezähmt geworden.

    Was das Format angeht, so glaube ich, dass es sich dabei um eine reine Gewöhnungssache handelt. Meine derzeitige Tageszeitung ist nicht gerade ein Kleinformat und ich wäre auch ehrlich enttäuscht, wenn sie zu einem verkommen würde. Gute Schreiber und Artikel brauchen Platz und ich möchte schlicht nicht vier Mal umblättern, während ich einen einzigen Artikel lese.

  3. Bei mir ist es genau umgekehrt: ich habe Internet und bräuchte eigentlich keine Tageszeitung. Trotzdem kaufe ich mir manchmal eine – ich will einfach das Lesefeeling haben. Außerdem bringt Martin die Stärke der Zeitung auf den Punkt: „Die große Stärke der gedruckten Medien sind Hintergrundberichte, Analysen und Meinungen. Und zwar ausführlich, denn dafür ist im Internet kein Platz.“ Genau so ist es! Ich will keine ellenlangen Berichte und Analysen im Internet lesen. Das ist mir zu unbequem.

    Ich hab zum Beispiel die Welt Kompakt getestet. Gefällt mir nicht. Ich habe wie lordfoltermord den Eindruck gehabt, das die Texte kürzer und qualitativ minderwertiger sind. Ob sie tatsächlich kürzer und minderwertiger sind, hätte natürlich ein Vergleich mit der Welt selbst klären müssen. Aber schon der Eindruck raubt den Spaß am Lesen.

  4. @lordfoltermord
    Habe gar nicht gewußt, dass tatsächlich schon eine Zeitung auf „Tabloid“ umgestiegen ist. Sofern es da Verkaufszahlen gibt, wären die wirklich interessant. 🙂
    Ich kenne die FAZ immer noch nur als großen Lappen.
    Wird die vielleicht nur in deiner Gegend so ausgeliefert?

    @Martin
    Was die Rechtschreibung angeht, hast du vollkommen recht. Fällt mir auch immer öfter auf und empfände ich als hochnotpeinlich, wenn ich Chefredakteur wäre.

    Wenn das wirklich am verspäteten Redaktionsschluß liegt, und nicht am Abbau von Lektorenstellen, sollte man diese Entscheidung wirklich mal überdenken.

    Was das Internet und Teletext angeht kenne ich noch genug Leute die mit so etwas nichts anfangen können oder wollen. Die sind also immer noch auf eine Zeitung angewiesen.
    Das ist eine Frage der Generation denke ich. Für mich ist es auch schon selbstverständlich, die aktuellsten Nachrichten im Internet einzuholen.
    Demzufolge stütze ich natürlich deine These, dass sich die Zeitungen auf Hintergrundberichte, Analysen und Meinungen konzentrieren sollten.

    Trotzdem sollte man diese Generationeneinstellung nicht auf die Allgemeinheit ausdehnen. Ich vergesse auch manchmal, dass es noch Leute gibt, die vom Internet noch nichts verstehen.

    Was ich an den Zeitungen auch nicht vermissen möchte, ist der Journalismus. Bei Artikeln in der Zeitung kann ich mir wenigstens (meistens) sicher sein, das tatsächlich noch recherchiert wurde, was da geschrieben wurde.
    Da hat also tatsächlich noch jemand irgendwo angerufen oder sich mit einem Augenzeugen unterhalten.
    Diese Sicherheit fehlt mir oft bei Artikeln in Onlinemedien. Da bleibt manchmal zugunsten der Geschwindigkeit und Aktualität einiges auf der Strecke.
    Bei den Onlinemedien habe ich mir bis jetzt eine gesunde Portion Skepsis bewahrt.

    @romanmoeller
    wegen kürzer und minderwertiger:
    Mit der Formatumstellung sollte natürlich keine Verkürzung der Artikel einziehen. Das spräche dagegen.
    Aber dafür könnte man die Zeitung doch notfalls dicker machen, finde ich. Wenn das umblättern problemlos funktioniert, hätte ich jedenfalls kein Problem, wenn sich ein Artikel auf mehr als eine Doppelseite hinzieht.

    Eine Layoutumstellung ist zugegeben eine Gewöhungssache und vielleicht verliert man dadurch sogar den einen oder anderen Kunden, aber dafür könnte man die Zeitung endlich mal mobil lesen. Das wäre doch ein Gewinn.
    Oder hast du schon mal jemanden unterwegs eine Tageszeitung lesen sehen?

  5. Natürlich. Ich war kürzlich in München in der legendären S8 , die ja nach Alt-Ede’s Willen durch den Transrapid ersetzt werden soll.

    Da saßen sie alle mit Süddeutscher, Welt, Frankfurter Allgemeiner & Co. – na ja, nicht alle. Aber ziemlich viele …

    Natürlich, das will ich nicht bestreiten, wäre es ein Komfortgewinn – der aber nicht zu Lasten der Qualität gehen darf.

  6. „FR“, nicht FAZ! Die hatten doch einen Riesenschritt mit der Abschaffung der Frakturschrift und Farbe in der Zeitung gemacht.

    Ich sehe das ähnlich; man müsste sich mehr auf seine Stärken besinnen. Da wäre es fast schon konsequent, eher im wöchentlichen Rhythmus zu erscheinen, siehe „Zeit“. Aber das ist wohl zu weit in die Zukunft gedacht.
    Es gibt ja schon Versuche mit einer biegbaren elektronischen Folie, auf die man sich künftig täglich seine Zeitung uploaden können soll. Ob das Lesevergnügen pur sein wird, darauf bin ich auch mal gespannt. Vor allem: Wie geht das dann mit den Sudokus??

  7. 😳 Da habe ich mich wohl verlesen. Weiß gar nicht, warum ich mich da so eklatant verlesen habe.

    Jetzt wo du das richtig gestellt hast, erinnere ich mich auch wieder dunkel, das ich da wirklich mal was gelesen habe in Zusammenhang mit der Frankfurter Rundschau.
    Da werde ich das nächste Mal am Kiosk wohl genauer hinschauen. 🙂

    Wie geht das dann mit den Sudokus??

    Vielleicht ist die Folie ja berührungsaktiv. Dann könnte man mit einem speziellen Stift die Sudokus direkt auf der Folie lösen.

    Ich sehe es allerdings schon vor mir. Eine Menge Leute werden ihre „elektronische“ Folie zur Reparatur bringen, weil sie die Rästel mit einem Kugelschreiber gelöst haben oder Rechtschreibfehler mit TippEx verbessert haben und jetzt störende Flecken auf ihrer Folie haben. 😉 😆

  8. So hat jede Technik ihre Vor- und Nachteile. Neben den von euch besprochenen Problemen bezüglich der Folie mit Sudoku, TippEx und dem rausreißen von Werbefolien muß ich sagen, das ich eine solche Zeitung wohl nicht lesen könnte. Ich brauch auch das Rascheln und das Papier. Das gehört dazu. Definitiv!

  9. @romanmoeller

    Ich brauch auch das Rascheln und das Papier. Das gehört dazu. Definitiv!

    Romantischer Nostalgiker. 😉 😆

    Du hast die Druckerschwärze an den Fingerkuppen vergessen.

    @lordfoltermord
    Nicht zu vergessen die ganzen Fischhändler, die am Markt immer ihre Fische in Zeitungen einrollen.

    DAU an der Supporthotline: Hören Sie, meine Zeitungsfolie riecht auf einmal so fischig. Was habe ich falsch gemacht?

  10. Das ist keine Nostalgie! Das ist doch heute noch immer Realität. Ich war doch vorhin gerade am Kiosk 😉

    Das mit der Druckerschwärze ist allerdings ein Gegenargument …

  11. Das mit dem Format ist mir gerade am Montag wieder aufgefallen. Ich habe die Presse auf dem Heimweg von der Universität gelesen. Ich hatte am Donnerstag ein Interview gegeben, in dem ich als Meteorologiestudent meinen Senf zum Klimawandel und der ganzen Diskussion abgegeben habe – auf Anfrage der Zeitung.
    Ich glaube nicht, dass das Internet für die Tageszeitungen eine direkte Konkurrenz ist, nicht in nächster Zukunft. Die Sache ist die: Wer sitzt schon mit Notebook/PC beim Frühstück und trinkt gemütlich seinen Kaffe/Tee/Kakao dazu? Wohl niemand. Aber wer eine Zeitung in der Früh lesen will, tut das nunmal meistens beim Frühstück, weil die wenigsten Menschen den Willen aufbringen, ihren Wecker extra zum Zeitunglesen auch nur 15 Minuten früher zur folter zu verpflichten. Natürlich werden manche Leser trotzdem einen Wechsel vorziehen.
    Die Artikel im Internet sind außerdem qualitativ deutlich hinter jenen der Printmedien (gewisse Sensations-Schmier-Blätter einmal außenvorgelassen). Und selbst ich als nicht-Zeitung-leser lese zig mal lieber in einer Zeitung aus Papier als im Internet. Das muss für andere Sachen herhalten (Blogs z.B.)

    Phillip

  12. Ich trinke tatsächlich während meiner morgigen Zeitungs- und Blogschau im Internet Kaffee und ess dazu auch was. Damit habe ich kein Problem. Das ist aber nicht so komfortabel wie auf der Couch oder woanders Zeitung zu lesen.

    Beim Frühstück oder beim essen allgemein ist mir eine Zeitung aber sogar hinderlich. Wenn ich Zeitung lese, dann gehe ich üblicherweise keiner Nebentätigkeit nach – wenn man essen denn als Nebentätigkeit bezeichnen kann. Es kommt wohl darauf an, wo man selbst die Prioritäten setzt. 😉

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