Rubbeln hilft nicht

Habt ihr schon mal vor einem Automaten gestanden und euch auch gewundert, warum der Lack an gewissen Stellen wie in der Nähe des Münzeinwurfs oder an der Automatenseite so zerkratzt ist?

Ein letztens bei Spiegel-Online entdeckter Artikel hat für mich jetzt endlich Licht in die Sache gebracht.

Nicht wie früher immer von mir vermutet jugendlicher Zerstörungswahn bzw. Vandalismus, sondern ein offensichtlich nicht tod zu kriegender Mythos, zeichnet sich für die Automatenzerstörung verantwortlich.

Es sind die bösen Münzreiber, die jährlich den Lack an unzähligen Verkaufsautomaten ruinieren.

Die Rede ist von dem sich hartnäckig haltenden Mythos, dass durch Reiben der Münze, welche der Automat beim ersten Mal Einwurf wieder ausgespuckt hat, im zweiten Durchlauf mehr Erfolg beschienen ist.

Ich muss zugeben, ich habe mich selbst schon das eine oder andere Mal dabei ertappt. Spontan fallen mir auch einige Leute aus dem Bekanntenkreis ein, die es ähnlich handhaben oder mich durch den gut gemeinten Tipp erst auf die Idee gebracht haben.

Irgendwie ist der Automat ja auch mitschuldig. Es ist immer schlecht, sich zwischen einen Süchtigen und sein Rauchwerk zu stellen.
Unter Entzugserscheinungen haben Leute schon die verrücktesten Sachen gemacht. Da sind ein paar Kratzer im Lack wahrscheinlich noch das Harmloseste. 😆

Laut Artikel misst der im Automaten verbaute Münzprüfer Größe, Leitfähigkeit und elektromagnetische Eigenschaften der eingeworfenen Geldstücke. Luxusausgaben werfen sogar einen Blick auf das Prägungsbild. Alles Eigenschaften, auf die man per Rubbeln keinen Einfluß hat.

Es ist also offensichtlich, wie unsinnig diese Reiberei, Rubbelei und Kratzerei ist. Warum machen es dann aber trotzdem so viele Menschen?

Die Antwort dürfte wie so oft beim Placebo Effekt zu suchen sein.

Irgendwann hat man es selbst mal probiert und der Automat hat die Münze beim zweiten Mal tatsächlich angenommen.
Das es eine Glückssache ist, oder am strengen Prüfverfahren des Münzprüfers liegt, wissen wir in dem Moment nicht.
Wir sehen nur Münze + Reiben = Zigaretten. Gestreng dem Motto:

„Wenns hilft.“

Erinnert irgendwie an den Pawlow’schen Hund, dem früher oder später schon beim Klingeln der Glocke das Wasser im Mund zusammenläuft.
Ab einem gewissen Zeitpunkt hinterfragt man gar nicht mehr, ob das Reiben etwas hilft, sondern macht es einfach, weil man früher damit schon Erfolg hatte bzw. seine Belohnung in Form der Zigaretten erhalten hat. 😀

Aus inzwischen eigener Erfahrung weiß ich auch, dass man den erneuten Versuch die Münze einzuwerfen irgendwie bewußter durchführt und sie sorgfältig und langsam in den Automaten einwirft.
Beim ersten Einwurf stopft man die Münzen doch eher unbewußt und zu schnell in den Schlitz.

Vielleicht hat das auch Auswirkungen und sorgt dafür das die Münze beim zweiten Mal besser erkannt wird.

Ich kann also jedem nur den Rat geben, es wirklich mal ohne Reiben zu probieren, und beim zweiten Versuch etwas Sorgfalt walten zu lassen. Dann sollte das funktionieren. Bei mir tut es das jedenfalls.

Andernfalls kann man den Automatenherstellern nur raten, an zukünftigen Geräten evtl. eine gesonderte Münzreibefläche anzubringen. Läge doch nahe.

Eine 15cm² große Fläche, die mit feinkörnigem Sandpapier beklebt ist. Nebendran vielleicht sogar noch einen kleinen Münzwärmer installieren und in Zukunft sollten Lackprobleme an Verkaufsautomaten der Vergangenheit angehören. 😉

Warum ist die Automatenzunft nicht schon eher auf diese Idee gekommen?

Die Lufthansa schleppt doch inzwischen auch literweise Tomatensaft auf den Flügen mit, obwohl keine wissenschaftliche Erklärung gefunden wurde, wieso jeder die rote Plörre während des Fluges trinken möchte.

Wenn man es nicht ändern kann, muss man sich mit irrationalem Verhalten eben irgendwann arrangieren, oder um es flapsig zu sagen:

„Is halt so.“

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4 Gedanken zu “Rubbeln hilft nicht

  1. Aber so sind Menschen halt…gegen ein wenig Aberglauben ist ja auch nichts zu sagen. Es gibt ja auch Menschen, die glauben, der „Tür zu“-Knopf in Aufzügen brächte etwas oder Fußballer, die den Ball em Elfmeterpunkt – wie genau er dort auch liegen mag – nochmals zurechtrücken müssen.

    Oder um mal den guten, frühen Otto zu zitieren: Es gibt Menschen, die ritzen sich merkwürdige (tribale?) Muster in ihre Autoreifen, um so den Gott des Aquaplanings milde zu stimmen.

  2. Sehr schöner Bericht. Aber streng wissenschaftlich betrachtet ist der PAWLOWSCHE REFLEX doch genau das Gleiche, oder?

    Wenn ich mich an den Biologie-Unterricht erinnere ist das ein angelernter Reflex (im Gegensatz zum angeborenen Reflex – Bsp.: Schluckreflex) – ich komme nach Hause, das Zimmer ist dunkel und ich mache das Licht an – ein angelernter Reflex. Bei dem Zigarrenautomaten ist es noch offensichtlicher (und näher am pawlowschen Hund), da hier ja mit der Zigarette ein körperliches Bedürfnis befriedigt wird.

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