Mit Brüsten brüsten

Als letztens wegen des Gastwirtes, der Kinder unter 12 Jahren aus seinem Lokal verbannt hatte, die Diskussion über Kinderfeindlichkeit in unserem Land geführt wurde, habe ich mir auch um einen bestimmten Aspekt meine Gedanken gemacht.
Stillende Mütter.

Was unternehmen wir Männer nicht für unmenschliche Anstrengungen, um einen Blick auf sekundäre, weibliche Geschlechtsmerkmale zu erhaschen.

Wir kaufen Printerzeugnisse, verstecken uns mit Fernglas in Flora und Fauna, bohren Löcher in Trennwände von Umkleide- und Solariumskabinen oder ersinnen Wettbewerbe, die die Transparenz von blütenweiser Oberbekleidung durch Zugabe von Wasser beeinflußen.

Das andere Geschlecht macht es uns also nicht gerade leicht. Anders ist das komischerweise, nachdem der Nachwuchs auf der Welt ist.

Vor wildfremden Leute wird sich auf einmal die Bluse aufgerissen, und das Gesäuge entblößt. Mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte man gerade die Tüte Milch vom Einkaufskorb auf den Esstisch befördert.

Von wegen Schamgefühl. Es kann gar nicht voll genug im Raum sein.

Das der Anblick kein erotischer Hochgenuß ist, zeigt mal wieder, das unser Schöpfer eine komische Form von Humor hat. 😆
Oder geht das nur mir so?

Wenn eine Mutter, sei sie noch so attraktiv, ihre Brüste freilegt, um den Nachwuchs zu stillen, ist das einzige was mir durch den Kopf geht, die Frage, warum sie das nicht woanders machen kann oder zumindest erst, wenn ich fertig gegessen habe.

Ist diese Freizügigkeit in solchen Fällen vielleicht hormonell bedingt? Oder würde dieser Schlag Frauen auch sonst auf höfliche Nachfrage ihren Oberkörper freimachen, selbst wenn ich kein Arzt wäre?

Advertisements

12 Gedanken zu “Mit Brüsten brüsten

  1. die Mutter tut alles, um das Überleben des Kindes zu sichern !?!

    Das wäre natürlich ein möglicher Erklärungsansatz. 🙂

    Ich dachte der Mensch unterscheidet sich schon so weit vom Tier, dass er selbst entscheiden kann, ob er in Wald und Flur das säugen anfängt, oder ob er sich dafür ein geschützteres Plätzchen sucht.

    In den paar Sekunden für einen Ortswechsel sollte das Kind nicht gleich an Unterernährung leiden. Aber vielleicht sind das wirklich ganz alte evolutionäre Verhaltensweisen.

    In dem Fall sollte man das mal näher untersuchen. 😀

  2. Ich meinte das gar nicht so ironisch. Wenn man bei dem Verhalten mit Logik nicht weiter kommt, helfen die natureigensten Instinkte nicht selten weiter.

    Aber wenn ich meinen Text im Nachgang nochmal lese, wirkt es doch irgendwie etwas albern. 😉

  3. Ich finde den Anblick ja auch nicht unbedingt anziehend. Aber ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn Frauen ihre Kinder in der Öffentlichkeit stillen. Ich finde die Frage viel interessanter, woher das unangenehme Gefühl kommt, das der Anblick einer stillenden Mutter bei vielen Menschen verursacht?
    Kommt es vielleicht daher, dass die Männer die Brust eigentlich interessant finden, aber dank ihrer Moral gleichzeitig wissen, dass das ganz und gar der falsche Moment für sexuelle Gefühle ist? Bestimmt gibt es auch Leute, die so verklemmt sind, dass ihnen der pure Anblick einer nackten Brust widerstrebt, wahrscheinlich bilden solche Leute aber eher die Minderheit in Zeiten wie diesen. Oder sitzt dieses kirchliche Denken doch noch tiefer in uns, als wir glauben?

    Jetzt mal ehrlich, wieso stört das wirklich so viele Menschen?

  4. Hallo Phillip,

    … dass das ganz und gar der falsche Moment für sexuelle Gefühle ist?

    Das kann ich für meine Person ausschließen. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, beim Anblick einer stillenden Mutter erotische Fanatsie entwickelt zu haben.

    Bestimmt gibt es auch Leute, die so verklemmt sind, dass ihnen der pure Anblick einer nackten Brust widerstrebt …

    Kann ich für mich auch ausschließen. Sofern sich ein weibliches Wesen bereiterklärt, bin ich gerne bereit, den Gegenbeweis anzutreten. 😉 😆

    Oder sitzt dieses kirchliche Denken doch noch tiefer in uns …

    Da sieht es bei mir auch schlecht aus. Bin innerlich schon ausgetreten.

    Bei mir muss es also an irgend etwas anderem liegen. Ich sag mal so:

    Selbstverständlich ist Stillen etwas völlig natürliches. Aber das ist urinieren auch, und trotzdem hätte ich etwas dagegen, wenn jemand im Restaurant aufsteht, und in die Suppenterrine pinkelt. 😉

    Bei meiner Suche nach Erklärungsansätzen bin ich auf eine Seite gestoßen, die weitere Meinungen aufzeigt.
    Habe sie unten frisch in den Artikel verlinkt.

  5. Als (stillende) Mutter fühlt man sich relativ asexuell, das steckt wohl hinter der „Schamlosigkeit“. Und die Männer finden einen auch asexuell (höchstens vielleicht der nicht, der es „verbrochen“ hat), daher der Abscheu bei dem Anblick.

    Eine Brust, die nicht zum Betatschen da ist, ist wahrscheinlich nichts Schönes. Klar, auch das männliche Reptilgehirn weiß, dass eine stillende Frau nicht geschwängert werden kann, Fazit: Uninteressant bis eklig. Tipp: Wegschauen.

    Einer „normalen“ Frau, die nur keine Lust hat, in der eiskalten Damentoilette ohne Sitzgelegenheit zu stillen, ist es lieber so.

    Den Frauen, für die das Stillen in der Öffentlichkeit ein aggressiver Akt ist („So, du findest also, ich bin nicht Pamela Anderson?!? Dann nimm mal ein Auge voll hiervon!!“), wird der Spaß verdorben, wenn keiner guckt.

  6. Hallo Claudia,

    freut mich natürlich, dass du als (stillende) Mutter deinen Standpunkt zum Artikel beisteuerst. 🙂

    Abscheu klingt schon etwas hart, aber eklig würde ich gegebenenfalls unterschreiben.

    Ich muss sagen, deine Reptiliengehirn-These klingt plausibel. Es zeigt sich mal wieder, wie einfach wir Männer doch gestrickt sind. 😉

    Ich will die Damen ja auch nicht umbedingt auf die kalte Damentoilette verbannen, aber eine dezentere Herangehensweise wäre wahrscheinlich in den meisten Fällen möglich.
    Wenn ich ernsthafte Bemühungen erkennen kann, habe ich noch nie ein Problem gehabt, wegzuschauen.

  7. Für di Frauen habe ich eigentlich nie Fragen gehabt: Als erfahrener Vater weiß ich nur zu gut, das das Gebrüll eines Säuglings das anwesende Elternteil maximal dazu motivieren soll, das Gebrüll möglichst schnell abzustellen. Als Mensch ohne Milchbrüste (=Mann) kann ich mich auch nur zu gut erinnern, wie ich in Richtung Mutterbrust gehetzt bin, wenn ich wußte, du hast jetzt noch etwa 20 Minuten und dann wacht der kleine Schreihals auf und hat Hunger. Und dann geht’s dir adrenalinäßig dreckig, weil die DNS Tausende und Abertausende von Jahren genau da drauf optimiert wurde.

    Und eins dürft ihr glauben, hätte ich Brüste gehabt, dann hätte ich sie AUGENBLICKLICH rausgezerrt, sobald das süße Kindchen zum Brüllen Luft holt. Es gibt Momente im Leben, wo man Prioritäten setzen muß. Und keine Feministin hat sich je darum gekümmert, wie der unpatriarchalische Mann denn bitteschön solche Situationen lösen soll. Aber Stillen (Kinder kriegen) ist ja auch kein feministisches Thema, wenngleich lat. „femina“ eigentlich „die Säugende“ heißt.
    Die Schweißausbrüche verdammt gut in Erinnerung, unterstütze ich jede Frau, die ihr Kind stillen will, wann sie will, wo sie will, wie sie will, so lange sie will. Und würde brutal jede Oma am Kragen aus der Gaststätte zerren, wenn sie die betreffende Mutter beim Stillen nervt.

    Vielleicht ist die männliche Reaktion auf stillende Frauen ja einfach nur die eigene Unsicherheit. Pervers ist’s eher, daß ein Baby aus „Anstandsgründen“ hungern soll oder die mobile Nahrungsquelle zu Hause eingesperrt bleiben soll.

    Sag ich als erfahrener Vater. Teenies sehen das aber bestimmt anders.

  8. Wahrscheinlich muss man wirklich erst Vater werden, damit eine bestimmte Software im Gehirn aktiviert wird und sich eine gewisse Abgeklärtheit einstellt, was Stillen in der Öffentlichkeit angeht.

    Ich kann mir schon vorstellen, das der eigene, schreiende Nachwuchs die persönliche Einstellung dazu ziemlich schnell über den Haufen werfen kann.

  9. Pingback: Tittenalarm Dreibeinblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s