Guter Moderator, böser Moderator

Der berühmte CallTV Gipfel ist ja nun schon einige Zeit her, und so dachte ich mir, schaust du einfach mal wieder ein bisschen rein, um zu gucken, was sich so geändert hat.

Also Streichhölzer in die Augenlider geklemmt, die masochistische Ader entblößt, und wieder mal ein bisschen Kabel1 Filmquiz und ProSieben Nightloft angesehen.

Ob es wohl in ferner Zukunft im Bordell der eigenen Wahl mal ein CallTV Themenzimmer geben wird? Statt Peitschen, Handschellen und sonstigem SadoMaso Arbeitsgerät steht hier dann nur ein Fernsehsessel, in dem das Opfer festgekettet werden kann, während die CallTV Domina mit der einen Hand das Soundpult bedient, um die diversen Soundeffekte und Countdowns auszulösen.

In der anderen Hand der Filzstift, der die richtigen Lösungen auf ein Flipchart notiert, währenddessen das Hirn der zahlenden Partei zu Brei geredet wird, um ihn zum Mitmachen zu animieren.

Wie bin ich denn jetzt da wieder hingelangt? Ich sollte vielleicht doch mal meine Gedanken ordnen. Immer diese Zwischenrufe aus dem Hirn. Also zurück zum Thema.

Am Drang spätestens nach fünf Minuten die Fernbedienung in die Röhre zu schleudern hat sich nichts geändert. 😉

So riesig können die Unterschiede also nicht sein. (Riesig nicht, aber fein – wer weiß, aus welchem Werbespot diese zwei Sätze stammen, gewinnt aufgrund meiner mangelnden Kreativität rein garnichts)

LupeZusatzaufgabe:

In einer der unzähligen „Eine schrecklich nette Familie“ Folgen schleudert Al Bundy tatsächlich seine Fernbedienung in seinen Fernseher.

Leider weiß ich nicht mehr, in welcher Folge das geschehen ist. Ist vielleicht ein Al Bundy Fan unter euch, der sich vielleicht daran erinnern kann?

Was als erstes auffällt, sind natürlich die gesunkenen Gewinnsummen. Die studentischen Hilfskräfte stopfen nun 40 – 60 Euro in die Geldschächtelchen, von denen man in den ersten Runden auch zwischen zwei und vier gewinnen kann.

Mit Vorliebe wird immer noch nach Tieren gesucht. Wenn dabei kein ERNSTL mehr im Namen auftauchen darf, warte ich immer gespannt, ob nicht im nächsten Moment Peter Bond aus dem Off von rechts ins Bild läuft, und mit einem freundlichen Zahnpastalächeln nochmal die Telefonnummer vorliest, während Maren Gilzer im Hintergrund das nächste Blatt auf dem Flipchart umdreht/abreisst.

Auffällig ist auch das Gewinnmuster in den Sendungen. So werden für die ersten vier bis sechs Lösungen in durchaus glaubhaften Intervallen die Gewinner in die Sendung gestellt.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man sich als williger Mitspieler aber im Videotext orientieren, wann die Sendung zu Ende geht, und vielleicht nochmal zwei bis zweieinhalb Minuten davor sein Glück versuchen. 30 – 45 Minuten ohne ins Studio gestellten Gewinner sind nicht unüblich, wenn es auf das Ende der Sendung zugeht.

Wer hier noch Zweifel hat, dass „im richtigen Moment“ nichts anderes heißt als „wenn die Regie es für richtig hält„, der sollte vielleicht doch mal den Arzt seines Vertrauens aufsuchen, und untersuchen lassen, ob man nicht bereits hirntod ist und es einem nur noch keiner gesagt hat. 😉

Was mir von den letzten Tagen CallTV am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist das „Good Cop, bad cop“ Spielchen zwischen Moderator und der Regie. Das hat es in früheren Zeiten zwar auch gegeben, wurde aber inzwischen offenbar als fester Sendungsbestandteil etabliert.

Da fragt der Moderator mit Heiligenschein, ob man das Spiel nicht gegen ein einfacheres austauschen könnte. Die „Regie Diaboli“ erzählt etwas von Fairness gegenüber den anderen Gewinnspielteilnehmern, zitiert aus den internen Richtlinien und startet unter lauthalsem Protest unseres Engels das Spiel erneut, nur um gegen Ende der Sendung und verstrichenen 45 Minuten ohne „durchgestellte“ Anrufe den Fehler einzugestehen und das Maximum an geöffneten Leitungen freizuschalten. Schließlich sind 10 gleichzeitig geöffnete Leitung nur für die größten Härtefälle angedacht.

Am nächsten Tag wird brav Rollen getauscht, und das Spiel geht von vorne los. Nun erhält „Moderator Diaboli“ einen Zwischenruf aus der besorgten „Engelsregie“, die mitteilt keine Lösung mehr zu kennen und sich nicht sicher ist, ob man das Spiel in diesem fortgeschrittenem Stadium nochmal starten sollte.

Todesmutig und trotz allen weisen Rates von oben, startet unser kleines Teufelchen das Spiel erneut. Er baut fest auf die Geistesgröße seines Publikums, das selbst in der vertracktesten Situationen noch eine Lösung gefunden hat und ist sich auch nicht zu schade, das alle 10 Minuten zu wiederholen.

Nach 30 – 40 Minuten ohne durchgestellten Anrufer plagen schließlich selbst unser kleines Teufelchen ernste Zweifel, ob seine Entscheidung die richtige war. Man(n) ist sogar bereit, die schlimmen Konsequenzen im Fall der Fälle auf die eigenen Kappe zu nehmen. Dazwischen immer wieder die Hilferufe aus der Regie, die selbst den kleinsten Büroboten auffordert, eventuell gefundene Lösungen in die Regie zu melden. Man ist nämlich mit seiner Weisheit am Ende.

Abgesehen von dem Kerl, der wie ein Verhaltensgestörter die Klaviatur der bunten Sirenen- und Countdownknöpfe drückt, ist man dort ziemlich besorgt. Geschichte muss sich anscheinend immer wiederholen. 😆

Vor drei Tagen gipfelte das Schmierentheater im Kabel1 Filmquiz in einer Redakteurin, die wie auf Knopfdruck akustisch in Tränen ausbrach und angesichts der gerade erhöhten Anzahl an Geldpaketen greinend ihre Existenzängste zum Ausdruck brachte.
Seit Harry & Sally wissen wir ja, dass uns das weibliche Geschlecht mühelos einen Orgasmus vorspielen kann. Das es sich bei einem Weinkrampf ganz ähnlich verhält, hat mich dann doch etwas erschüttert. Was kann man denn seiner besseren Hälfte noch glauben? Macht es denn überhaupt noch Sinn zu fragen, wie wir waren?

Zum Abschluss noch ein kurzer Gedanke:

Wenn den CallTV Formaten nicht über die Landesmedienanstalten beizukommen ist, sollten dann nicht eventuell Anstrengungen unternommen werden, um diese rechtlich mit Glückspielen gleichzusetzen?

Auf diese Weise würde sie den gleichen Pflichten unterliegen wie jedes Casino hier in Deutschland. Dann wäre es endlich vorbei mit dem „richtigen Moment“ und wir hätten die so oft geforderte Transparenz. Abwegiger Gedanke?

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2 Gedanken zu “Guter Moderator, böser Moderator

  1. Was ich auch nettes gesehen habe: Der Moderator sagt: „Ach komm schon, das ist zu schwer, wisst ihr was?“ *kramt in der Hosentasche* „Ich lege noch einmal einen Tausender drauf!“ *Wedelt mit zwei Fünfhundertern* „Regie, darf ich das?“

    Welcher Moderator, der es nicht weiter als bis zu diesem Schrott gebracht hat, rennt mit 1000 Euro – auch noch in Form von zwei Fünfhundertern – in der Tasche umher???

    Der Herr von der Regie legte selber noch 1000 Euro ‚aus der eigenen Tasche‘ drauf, um mit dem Moderator mitzuhalten. Natürlich… so ist das und ganz sicher nicht abgemacht oder gar nicht aus der eigenen Tasche.

  2. Herrlich 😀

    Diese Schmierenkomödie hätte ich selbst gern gesehen.

    Wenn es ein weiblicher Moderator mit Rock gewesen wäre, wäre es natürlich spannend gewesen, wo die ihre zwei fünfhundert Scheine rauszieht. 😉

    Vielleicht ist es aber auch nicht ungewöhnlich, dass dieser Menschenschlag mit soviel Geld in der Tasche rumrennt. Ich erinnere mich da an eine Aussage von Thomas Schürmann, als er in der Sendung verkündete, 9Live hätte „Geld wie Dreck“.

    Leider finde ich den zugehörigen YouTube Film nicht mehr. 😦

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