Entschuldigen Sie …

Ist es nicht urkomisch, dass der neue bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sich bei seinen Landsleuten für den Milliardenverlust der staatseigenen Bayerischen Landesbank entschuldigt? Geht er davon aus, dass damit der Schuldigkeit genüge getan ist?

Sicher ist so eine Entschuldigung besser als gar nichts, aber trotzdem ist es doch irgendwie unbefriedigend, oder nicht? Ähnlich unbefriedigend als würde mir mein Gegenüber unvermittelt ins Gesicht schlagen, um gleich darauf zu erwidern “Entschuldige, soll nicht wieder vorkommen.” ;)

Wo bleibt die Aufarbeitung des ganzen Falles? Wer hat wann welche Entscheidung getroffen, die zu diesem Millirdenverlust geführt hat? Wer hat in den Aufsichtsgremien “Ja und Amen” gesagt? Bei diesen Summen muss doch irgend jemand zur Verantwortung gezogen werden. Ein billige Entschuldigung, und anschließend Gras über die Sache wachsen lassen, das kann es doch nicht sein?

Wofür bekommen denn die Leute in den verantwortungsvollen Positionen ihre exorbitant hohen Gehälter und Bonuszahlungen, wenn sie nicht die Risiken dieser amerikanischen Finanzinstrumente durchschaut haben? Verstehen die nichts von ihrem Job?

Wenn das strategische Entscheidungen sein sollen, hätte man ja gleich einen Affen vor das Handelssystem setzen können. Der kann den “Kaufen” Knopf genauso gut drücken, und wäre sogar billiger im Unterhalt.

Wenn der Spiegel in eine der letzten Ausgaben den Finanzskandal aufarbeiten kann, kann man doch von Bankvorständen mindestens ebenso viel Sachverstand erwarten, dass man vor dem Kauf recherchiert, was man sich da für Risiken einkauft. Wofür werden die Leute sonst bezahlt?

Also Schluß mit diesen halbherzigen Entschuldigungen, die nur den Eindruck eines Lippenbekenntnisses erwecken.

Namen, Fakten und Zahlen sind gefragt. Wenn die auf dem Tisch liegen, kann man anfangen sich zu entschuldigen und die über die Jahre gezahlten Boni zur Schadensregulierung zurückzufordern.

Ob sich Herr Seehofer statt meiner Steuerabgaben dieses Jahr auch mit einem Entschuldigungsschreiben zufrieden geben würde?

Sehr geehrter Herr Seehofer,

ich möchte mich für meine gesamte Familie bei der Bevölkerung und auch bei den Mitarbeitern des Finanzamts entschuldigen für die Fehler, die im Laufe meines letzten Fiskaljahres gemacht wurden.

Akzeptieren sie aufgrund dieser Fehlentscheidungen bitte dieses Enschuldigungsschreiben ersatzweise für meine Steuerschulden.

Diese Krise macht mich in hohem Maße betroffen und selbstverständlich stehe ich in der Verantwortung, mit diesen Dingen jetzt richtig umzugehen.

In freudiger Erwartung möglicher, zukünftiger Steuerzahlungen verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

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2 Gedanken zu “Entschuldigen Sie …

  1. Das solltest Du einfach mal probieren. Vielleicht erwischt Du ja einen Finanzbeamten, der Spaß versteht? :D

    Aber insgesamt stimme ich Dir zu. Der Umgang, den unsere Politiker mit unseren Steuergeldern pflegen, ist alles andere als akzeptabel. Unser so sauer verdientes Geld wird da mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen. Daß dann auch noch die Landesbanken sich mit unseren Ersparnissen verspekulieren, ist das Tüpfelchen auf dem “i” in diesem Desaster.

    Wenn man sich überlegt, daß da mit unseren Steuergeldern jetzt die verspekulierten Ersparnisse ersetzt werden, dann haben wir quasi doppelt draufgezahlt…

  2. Vielleicht erwischt Du ja einen Finanzbeamten, der Spaß versteht?

    So etwas gibt es? Das erinnert frappierend an die Geschichte mit dem Yeti.

    Hin und wieder will jemand einen gesehen haben, aber einen wissenschaftlichen Beweis dafür konnte bisher keiner erbringen. :lol:

    Abgesehen von dem ewigen Dauerbrenner “Politiker und ihr Umgang mit unseren Steuergeldern” stinkt mir momentan die vornehme Zurückhaltung der Presse.

    Jedes andere Verbrechen muss aufgeklärt werden, aber wenn Bankvorstände Milliarden mit grenzdebilen, strategischen Entscheidungen versenken, für die dann unsere Steuergelder herhalten müssen, ist alles was man kriegt so eine seichte Entschuldigung von einem Ministerpräsidenten und dem pensionierten Finanzminister.

    Das klingt für mich nach “Pech gehabt”, “Ist halt nun mal so”, “Damit müssen wir uns eben abfinden”.

    Ich will dagegen endlich entsprechende Bilder und Namen in den Zeitungen sehen, die unter einer dicken Schlagzeile “Die waren es” prangen.

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