Oadograffi

Jeder der schonmal durch das Internet gestreift und über das eine oder andere Forum gestolpert ist, wird sie schon angetroffen haben. Unsere heutige Jugend, wie sie eine neue Form der Rechtschreibung zelebriert.
“ich schraib sowi ich däs sprächn tu, also mach mich net an”

Interessanterweise läuft das in jedem x-beliebigen Forum gleich ab. Es taucht ein Beitrag auf, den man mangels Grammatik und Rechtschreibung nur mit 13 Nachfragen und einer gesunden Portion Glück entziffern kann. Also bittet man unseren wortgewandten Freund, doch bitte auf die gröbsten Fehler zu verzichten, und sich beim Verfassen ein bisschen mehr Mühe zu geben.

Es passiert komischerweise immer das gleiche. Es folgen erstmal fünf Beiträge von Stammmitgliedern, die einem vorbehaltslos Recht geben. Daraufhin meldet sich jemand zu Wort, der dieses Verhalten inakzeptabel und unsozial findet, und betont, dass er das Forum demonstrativ verlässt. Es folgen drei Beiträge über das Phänomen der Lese-Schreibschwäche und die Toleranz gegenüber behinderten Mitmenschen. Zum Schluss betritt nochmal unser Fragensteller die Bühne. Dankbar für die angebotene Behinderung hat er den Grund für sein unleserliches Posting gefunden und kann das sogar mit mindestens drei ärztlichen Gutachten beglaubigen.

So oft wie mir schon eine Lese-Schreibschwäche als Grund für schlecht leserliche Beiträge vorgesetzt wurde, mach ich mir langsam Sorgen machen, dass das eine ansteckende Krankheit ist. Einmal im öffentlichen Verkehrsmittel angehustet, und schon bringt man nur noch Kauderwelsch zu Papier/Bildschirm.

Chef: “Herr Meier, das kann ja keiner lesen. Bitte schreiben sie diesen Brief nochmal.”
Meier: “Entschuldigung, ich hab mir da offensichtlich eine Lese-Schreibschwäche eingefangen. Ich glaube ich hüte die nächsten Tage erstmal das Bett und kuriere es aus. Wir sehen uns dann in drei Tagen.”

Spätestens seit dem Erscheinen des Lehrerhasserbuches wissen wir, wer “Patient 0″ ist. Ich habe nur noch nichts davon mitbekommen, ob er bereits unter Quarantäne gestellt wurde. ;)

Hat es eigentlich noch keinen gewundert, das unsere Jugend keinen korrekt geschriebenen Satz mehr zu Papier bringt, aber trotzdem das Wort Yu-Gi-Oh syntaktisch korrekt niederschreiben kann. Kein vergessener Bindestrich, kein “jugio”, von wegen Probleme mit der Groß-/Kleinschreibung.

Liebe Kinder, lest wieder mehr Bücher. Ich wäre auch mit einem Yu-Gi-Oh Roman einverstanden. Ansonsten befürchte ich, das wir in 20 Jahren unterschiedliche Sprachen sprechen. :lol:

Meine Top-Magenumdreher zur Zeit:

  • filaicht
  • Fähler
  • volgendes
  • Hoppy
  • negstes
  • aktewiert
  • vertig
  • genohmen
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6 Gedanken zu “Oadograffi

  1. Ich bin ja grundsätzlich der Auffassung, daß alle Formen der schnellen Kommunikation zu Lässlichkeiten verführen. Das eine oder andere Mal habe ich auch schon mal geschrieben: “Ich sach jetzt mal…” oder “ich kucke” usw.
    In meinem speziellen Fall ist das aber beabsichtigt und soll einen gewissen Tenor der Artikel oder Kommentare herausstellen.
    Zunehmend beobachte ich aber, daß die Leute offenbar gar keine Ahnung mehr haben, wie man irgendetwas schreibt. Man schreibt wie einem der Schnabel gewachsen (meint: das Hirn verwachsen) ist.

  2. Von ein paar Schnellvertippern will ich gar nicht sprechen. Auch ich schieße hin und wieder einen Bock. ;) Ich würde sogar sagen, meine Toleranzschwelle für Tippfehler ist ziemlich hoch. Ich bin bestimmt kein Orthographieradikalist geschweige denn Deutschlehrer. :lol:

    Wie du schon sagst, kann es bei der “schnellen Kommunikation” mal zu dem einen oder anderen Vertipper kommen. Dafür habe ich vollstes Verständnis.
    Auch für Dialekt (“Ich sach jetzt mal”) bin ich, wegen des von dir erwähnten “Tenors” immer zu haben.

    Die Beiträge, von denen ich hier schreibe, sind neben unheimlich schlechter Rechtschreibung auch noch mit sehr exotischer Grammatik gepaart. Von den Kommaregeln will ich gar nicht sprechen.
    Ich rege mich erst auf, wenn der Beitrag einen Punkt überschreitet, an dem man sich wirklich anstrengen muss, um noch den Sinn zu entziffern.

    Auf mich wirkt so ein Beitrag immer, als hätte sich der Ersteller gedacht: “Ich rotz das einfach mal hin, er wird schon verstehen was ich meine.”

    Ich finde es gehört einfach zum guten Ton, sich beim Verfassen eines Beitrags, und sei er auch noch so trivial, ein bisschen Mühe zu geben. Das schließt ein, das man das Geschriebene noch einmal überliest, und sogar gegebenenfalls nochmal editiert, um die größten Hämmer auszubügeln.

  3. Du hast Recht. Insbesondere bei der Suche nach Informationen in irgendwelchen Foren stößt man unwillkürlich auf Einträge wie:
    “Hi Leutz, bei mir funzzt den Riciwer nich. Hatt ma jemant ne Löhsunk?”

    Mögliche Antwort:
    “Ersma Hi zurück, schomma im Anleitunk was gelesn?”

    Das ist nicht nur Bequemlichkeit oder einfach nur mangelnde Bildung, das ist schlichtweg absolute Ignoranz und Respektlosigkeit.

  4. Na, da muss ich euch recht geben.

    Das ist Verschandelung der deutschen Sprache. So schreibe ich als Legastheniker nicht.
    Ich vertausche nur die Buchstaben, und verechsel die Regel. Aber Austrücken können sich Legastheniker ganz gut.

    Wenn ich sollche Beiträge lese wie Ihr Sie da schildert gehe ich gleich wieder. Denn so einen scheiß ziehe ich mit nicht rein…

    Aber das Niveau der deutschen Sprache ist sowieso gesunken das heute Realschulbesucher eher den Sonderschülern der DDR sehr ähnlich sind. Und die Hauptschüler kann man heute nicht mehr in ein Schulsystem einordnen. Da muß was verbessert werden…

  5. Hallo “legasthenieistkeineschande”,

    ich stimme vollkommen mit dir überein, das Legasthenie keine Schande ist. Mir würde auch nicht im Traum einfallen, mich über so etwas lustig zu machen.
    Um so mehr freut es mich, das du als geouteter Legastheniker einen ähnlichen Standpunkt in der Sache vertrittst.

    Beipflichten kann ich dir auch bei der Feststellung, dass etwas in unserem Bildungssystem verbessert werden muss. :)
    Ich bin mir bloß manchmal nicht sicher, ob man noch mehr ändern sollte, oder ob man vielleicht mal versuchen sollte, die ganze neumoderne Pädagogik auf ein altes Maß zurückzuführen.
    Dabei meine ich aber nicht die Wiedereinführung der Prügelstrafe.

    Wenn man sich die Entwicklung so anschaut, gewinne ich den Eindruck, dass es immer schlimmer statt besser wird.

    Irgend etwas muss doch in früheren Generationen besser gemacht worden sein.
    Meiner Meinung nach ist es diese “Das Kind muss sich entfalten”-Romantikpädagogik, die viel zur aktuellen Situation beigetragen hat.
    Früher wurden dem Kind eben gesagt, das man Vogel mit V schreibt, während heutige Lehrkräfte dem Schüler liebevoll den Kopf/das Ego tätscheln und sich schon freuen, dass das Kind überhaupt schreibt. ;)

    Gegen eine Frühförderung bei diagnostizierter Lese-/Schreibschwäche spreche ich mich deswegen nicht aus. Das begrüße ich sogar. Die Fortschritte auf diesem Gebiet sollten durchaus mit einfließen.

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